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Praxisnachrichten

KBV und KVen wollen Digitalisierung vorantreiben

29.05.2019 - Die Vertreterversammlung der KBV hat sich klar zur Digitalisierung bekannt und sich für eine gemeinsame digitale Versorgungsstruktur ausgesprochen. In dieser sollten digitale Anwendungen entwickelt, bereitgestellt und finanziert werden und zwar dort, wo es aus Sicht der Vertragsärzte und Vertragspsychotherapeuten medizinisch sinnvoll sei.

Mit dem Beschluss lehnen die 60 Delegierten der Vertreterversammlung (VV) zugleich die von der Politik aktuell geplanten Regelungen zu digitalen Gesundheitsanwendungen ab. Der vom Bundesgesundheitsministerium jüngst vorgelegte Referentenentwurf für ein Digitale-Versorgung-Gesetz (DVG) demontiere die ärztliche Selbstverwaltung und fördere vor allem Krankenkassen, Industrie und Investoren.

Hofmeister: Rote Linie überschritten

„Teile des DVG entpuppen sich als ein Regelwerk, mit dem Krankenkassen erstmals unter dem Deckmäntelchen ‚digitaler Innovationen‘ alleine und direkt die Versorgung steuern können“, kritisierte der stellvertretende KBV-Vorstandsvorsitzende Dr. Stephan Hofmeister in seiner VV-Rede. Für ihn sei damit „eine rote Linie“ überschritten.

Hofmeister begründete seine Kritik damit, dass Krankenkassen die Versorgung primär unter finanziellen und nicht unter medizinischen Aspekten steuerten. Letzteres sei Aufgabe der Vertragsärzte und ‑psychotherapeuten. Auf diesem Ausgleich fuße das gesamte System. Er gehe noch davon aus, dass es nicht die Intention des Gesetzgebers sei, diesen Ausgleich zu unterhöhlen und das Versorgungssystem abwickeln zu wollen.

Ärzte sind nicht Verwalter der ePA

Kritisch sieht Hofmeister auch eine Regelung im Referentenentwurf, wonach Ärzte Versicherte bei der Anlage und Verwaltung ihrer elektronischen Patientenakte (ePA) unterstützen sollen. „Behandlungsdaten per Knopfdruck oder im Default System aus dem Praxisverwaltungssystem auf Wunsch des Patienten in eine ePA zu schieben, ist eine gute Sache“, sagte er. Ärzte könnten aber nicht die Sekretäre der Patienten sein. Dazu sei keine Zeit.

„Unsere Forderung ist klar“, führte der Vize-KBV-Vorsitzende weiter aus. „Eine solche Akte muss so strukturiert sein, dass jeder Patient sie selber anlegen, lesen und führen kann. Sie ist die Akte des Patienten.“ Eine echte arztgesteuerte Fallakte zur Verbesserung der Versorgung sei ein ganz anderes Thema.

Kriedel: MIO sollen Ärzte entlasten

KBV-Vorstandsmitglied Dr. Thomas Kriedel wies in dem Zusammenhang auf eines der größten Digitalisierungsprojekte hin: die Schaffung einer semantischen und syntaktischen Interoperabilität medizinischer Informationsobjekte (MIO). Dabei geht es Kriedel zufolge darum, dass medizinische Informationen wie der Impf- oder Mutterpass, verschiedene Befunde und Arztbriefe so in der ePA abgelegt werden, dass sie für alle IT-Systeme kompatibel sind und sinnvoll genutzt werden können.

Mit dem Terminservice- und Versorgungsgesetz hat die KBV den Auftrag erhalten, sich federführend um die Erstellung solcher MIO zu kümmern. „Wir werden sehr viel Wert darauf legen, dass sich die Abläufe in den Praxen dadurch möglichst wenig verändern werden“, betonte Kriedel. Das Ziel sei vielmehr, die Ärzte durch eine schnelle Informationsübertragung zu entlasten.

VV gegen AU-Übermittlung an den Arbeitgeber

Ein Thema der Vertreterversammlung war auch die elektronische Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung (eAU), die eingeführt werden soll. In einem einstimmig verabschiedeten Beschluss forderten die Delegierten den KBV-Vorstand auf, sich dafür einzusetzen, dass „die Kolleginnen und Kollegen die digitale AU nicht direkt digital an den Arbeitgebern zu übermitteln haben“.  Dies könne nicht Aufgabe der Praxen sein.

Für Unmut sorgten darüber hinaus die Pläne zur eAU und zum eRezept, da eine digitale Übermittlung und ein Papierausdruck bislang parallel vorgesehen sind. Das bedeute doppelte Arbeit und sei keine Vereinfachung, stellte Kriedel klar.

Spahn verteidigt seine Pläne auf dem Ärztetag

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn hat seine Pläne im Bereich der Digitalisierung und das damit einhergehende Tempo auf dem Deutschen Ärztetag in Münster verteidigt. „Wenn wir die Entwicklung in den nächsten zwei bis drei Jahren nicht gestalten, erleiden wir sie“, sagte Spahn am Dienstag zur Eröffnung. Dies gelte insbesondere für die Telematikinfrastruktur (TI), die nicht zum „Berliner Flughafen des Gesundheitswesens“ werden dürfe.

Für die Einführung der elektronischen Patientenakte 2021 müssten sich die Praxen an das System anschließen, erklärte Spahn. An der TI führe daher kein Weg vorbei.

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