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Praxisnachrichten

Versorgungsatlas: Depressionen nehmen bei Männern stärker zu als bei Frauen

27.06.2019 - Depressive Störungen werden vor allem bei jungen Männern zunehmend häufiger diagnostiziert. Damit gleicht sich die Diagnoseprävalenz zwischen den Geschlechtern immer mehr an. Das ist ein Ergebnis, zu dem die Wissenschaftler des Versorgungsatlas in ihrer jüngsten Studie gekommen sind.

Darin wurde die zeitliche Entwicklung der Diagnosehäufigkeit depressiver Störungen in der ambulanten Versorgung in Deutschland untersucht. Die Wissenschaftler des Versorgungsatlas des Zentralinstituts für die kassenärztliche Versorgung (Zi) werteten dazu die vertragsärztlichen Abrechnungsdaten der Jahre 2009 bis 2017 aus.

Anstieg der Depressionen generell

Insgesamt sind im Untersuchungszeitraum deutlich häufiger depressive Störungen diagnostiziert worden. Die Diagnoseprävalenz stieg von 12,5 Prozent auf 15,7 Prozent (+26 Prozent). Dies bedeutet, dass im Jahr 2017 etwa jeder sechste gesetzlich Versicherte mindestens eine Diagnose einer depressiven Störung erhielt.

Unterschied zwischen Geschlechtern abgeschwächt

Vor allem bei jungen Männern war die Zunahme derjenigen, bei  denen die Diagnose Depression gestellt wurde, besonders deutlich. Frauen erhielten zwar in allen Jahren etwa doppelt so häufig eine Depressionsdiagnose wie Männer, doch der stärkere Zuwachs bei Männern (+40 Prozent verglichen mit +20 Prozent bei Frauen) schwächt den Unterschied zwischen den Geschlechtern mit der Zeit ab.  So lag die Diagnoseprävalenz im Jahr 2017 bei Frauen noch etwa 1,9-fach höher als bei Männern, verglichen mit 2,2-fach im Jahr 2009.

Angleichung zwischen Stadt und Land

Als ein weiteres zentrales Ergebnis ergab die Studie, dass sich die Häufigkeit depressiver Störungen auch zwischen ländlichen und städtischen Regionen angleicht.

So stieg die Diagnosehäufigkeit in dünn besiedelten ländlichen Kreisen mit 34 Prozent stärker als in kreisfreien Großstädten mit 25 Prozent. Dennoch wiesen kreisfreie Großstädte auch im Jahr 2017 eine deutlich höhere Diagnoseprävalenz auf (17,3 Prozent verglichen mit 15,5 Prozent in ländlichen Kreisen).

Ost-West-Gefälle verringert

Im Osten Deutschlands (ohne Berlin) nahm die Diagnoseprävalenz depressiver Störungen stärker zu als im Westen des Landes, sodass sich der Ost-West-Unterschied verringerte. Im Jahr 2009 lag die Diagnoseprävalenz im Westen 31 Prozent höher als im Osten. Im Jahr 2017 belief sich dieser Unterschied auf rund 20 Prozent.

Versorgungsatlas

Der Versorgungsatlas ist eine Einrichtung des Zentralinstituts für die kassenärztliche Versorgung (Zi). Er wurde institutionalisiert als öffentlich zugängliche Informationsquelle mit Studien zur medizinischen Versorgung in Deutschland. Schwerpunkt der Studien sind regionale Unterschiede in der Versorgung sowie deren unterschiedliche Strukturen und Abläufe.

Die Analysen sollen Anhaltspunkte liefern, wie die Versorgung verbessert werden kann. In Foren kann jeder Beitrag öffentlich diskutiert werden. Die Analysen der Wissenschaftler des Versorgungsatlas basieren auf den bundesweiten Abrechnungsdaten der vertragsärztlichen Versorgung in Deutschland.

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