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Praxisnachrichten

ZiPP zeigt: Einkommenssituation der Praxen hat sich verbessert

27.06.2019 - Das Einkommen niedergelassener Ärzte hat sich trotz weiter steigender Betriebskosten verbessert. Das ergab das Zi-Praxis-Panel, mit dem das Zentralinstitut für die kassenärztliche Versorgung die wirtschaftliche Lage der Praxen zwischen 2013 und 2016 analysiert hat. 

Gassen: Niederlassung muss konkurrenzfähig sein

„Die Niederlassung sollte gegenüber alternativen Beschäftigungsmöglichkeiten jüngerer Ärztinnen und Ärzte wieder konkurrenzfähig werden“, sagte KBV-Vorstandsvorsitzender Dr. Andreas Gassen. Deshalb müssten „die Verdienstmöglichkeiten in der eigenen Praxis mit hohem wirtschaftlichem Risiko mindestens genauso gut sein wie in der sicheren Anstellung in anderen medizinischen Versorgungsbereichen“, betonte der KBV-Chef und forderte die Politik auf, sich klar zur ambulanten Versorgung zu bekennen.

Immer weniger junge Mediziner seien bereit, sich selbständig niederzulassen anstatt eine Anstellung zu suchen, gab Gassen zu Bedenken. „Je mehr Teilzeitmodelle zur Regel werden, umso stärker nimmt die zur ambulanten medizinischen Versorgung verfügbare ärztliche Arbeitszeit ab.“

Wirtschaftliche Lage unterschiedlich

Insgesamt hat sich die wirtschaftliche Lage in den Praxen aus Sicht der Wissenschaftler des Zentralinstituts für die kassenärztliche Versorgung (Zi) „merklich verbessert“. Demnach stieg der Jahresüberschuss im Berichtszeitraum um durchschnittlich 5,3 Prozent pro Jahr an – im Mittelwert über alle Fachgebiete hinweg auf 170.400 Euro im Jahr 2016.

Allerdings zeigt dieser arithmetische Mittelwert nicht, dass die wirtschaftliche Lage nach Art Umfang der Praxistätigkeit sehr unterschiedlich ausfiel.

Im Jahr 2016 arbeiteten die niedergelassenen Ärzte und Psychotherapeuten der Studie zufolge im Durchschnitt 48 Wochenstunden. Dabei wurden ausschließlich die Daten von Praxisinhabern erhoben.

GKV-Einnahmen gestiegen

Zugenommen hat die Bedeutung der GKV-Einnahmen für die wirtschaftliche Lage der Praxen. So stieg deren Anteil an den Gesamteinnahmen von 74,1 Prozent im Jahr 2013 auf 75,8 Prozent im Jahr 2016.

Hohe Betriebskosten und zögerliche Investitionen

Das mit 9,9 Prozent hohe Wachstum der Betriebskosten ist den Zi-Wissenschaftlern zufolge durch die positive Entwicklung der Einnahmen kompensiert worden. Hauptsächliche Kostentreiber waren dabei die Personalaufwendungen (+18,4 Prozent) und die Mietkosten (+3,8 Prozent).

Gleichzeitig deuten sinkende Abschreibungsraten (-12,3 Prozent) und steigende Wartungs- und Instandhaltungskosten (+18,6 Prozent) auf eine längere Nutzung der Geräte hin.

Unterschiede in den Fachgebieten

In den einzelnen Fachgebieten verlief die wirtschaftliche Entwicklung im Erhebungszeitraum unterschiedlich. Das betraf die Einnahmen und Aufwendungen als auch den Jahresüberschuss. Besonders stiegen die Aufwendungen im Fachgebiet Dermatologie (+5,2 Prozent), allerdings bei einer hohen Steigerungsrate der Einnahmen von 6 Prozent, was einer durchschnittlichen jährlichen Steigerungsrate des Jahresüberschusses von 7 Prozent entspricht.

Die höchste durchschnittliche Steigerungsrate des Jahresüberschusses erzielte mit 7,7 Prozent das Fachgebiet Psychotherapie. Die überdurchschnittliche Einnahmensteigerung (+5,7 Prozent) bei moderater jährlicher Steigerung der Aufwendungen (+0,7 Prozent) resultiert wohl aus dem Beschluss des Bewertungsausschusses  von 2015 zur Vergütung psychotherapeutischer Leistungen und damit verbundenen Honorarnachforderungen.

Markant sind nach wie vor die Unterschiede zwischen Ärzten mit konservativer Tätigkeit und Ärzten, die operative Leistungen erbringen. Einen deutlich geringeren Überschuss je Inhaberarbeitsstunde erzielten die meisten Fachgebiete bei konservativer Tätigkeit.

Das Zi-Praxis-Panel

Die vorliegenden Ergebnisse beruhen auf der Befragung des Jahres 2017 und beziehen sich auf die Berichtsjahre 2013 bis 2016. An der Erhebung nahmen über 5.500 Praxen teil.

Mit dem Praxis-Panel erfasst das Zi seit 2010 jährlich die wirtschaftliche Gesamtlage von niedergelassenen Ärzten und Psychotherapeuten. Berücksichtigt werden sowohl die Einnahmen aus kassenärztlicher als auch aus privatärztlicher Tätigkeit. Basis bildet die steuerliche Überschussrechnung der Praxen. Auftraggeber sind die Kassenärztlichen Vereinigungen und die KBV.

Zi-Praxis-Panel

Das Zentralinstitut für die kassenärztliche Versorgung (Zi) führt das Praxis-Panel jährlich im Auftrag der KBV und der Kassenärztlichen Vereinigungen durch. Es untersucht damit die Wirtschaftslage und die Versorgungsstrukturen in den Praxen niedergelassener Ärzte und Psychotherapeuten. In die Analyse fließen Daten zur kassen- und privatärztlichen Tätigkeit ein.

Damit stehen wichtige Daten für die Beurteilung der wirtschaftlichen Lage von Arztpraxen bereit. Die Krankenkassen sind gesetzlich verpflichtet, die Entwicklung der Betriebs- und Investitionskosten bei der jährlichen Anpassung des Orientierungswertes und damit der Preise ärztlicher und psychotherapeutischer Leistungen zu berücksichtigen.

Je mehr Ärzte und Psychotherapeuten sich an der Erhebung der Betriebs- und Investitionskosten in ihrer Praxis beteiligen, desto aussagekräftiger ist die Datengrundlage. Für die hohe Validität der erhobenen Daten spricht auch, dass die Angaben der Ärzte und Psychotherapeuten von einem Steuerberater testiert werden müssen.

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