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Praxisnachrichten

Dialyse: Qualitätssicherung erfolgt ab 2020 sektorenübergreifend

18.07.2019 - Für die Nierenersatztherapie gelten ab Januar 2020 im ambulanten und stationären Sektor dieselben Vorgaben zur Qualitätssicherung. Im Kern geht es um die einheitliche Erfassung und Auswertung von Behandlungsdaten mit dem Ziel, die Qualität der medizinischen Versorgung von Patienten mit chronischem Nierenversagen weiterzuentwickeln.

Bislang erfolgt die Qualitätssicherung (QS) im ambulanten und stationären Bereich getrennt. Ab 2020 wird es nur noch ein QS-Verfahren „Nierenersatztherapie bei chronischem Nierenversagen einschließlich Pankreastransplantationen“ – kurz QS NET – geben.

QS-Richtlinie Dialyse wird abgelöst

Das neue Verfahren wurde vom Gemeinsamen Bundesausschuss beschlossen und löst die bislang geltende Qualitätssicherungs-Richtlinie Dialyse sowie die externe stationäre Qualitätssicherung für die isolierten und kombinierten Nieren- und Pankreastransplantationen ab, die bislang in der Richtlinie über Maßnahmen der Qualitätssicherung in Krankenhäusern geregelt ist.

Durch die Erfassung und Auswertung von Daten beider Versorgungsbereiche ist es erstmals möglich, die unterschiedlichen Behandlungspfade bei chronischem Nierenversagen über einen längeren Zeitraum sektorenübergreifend zu beobachten.

Neue Qualitätsindikatoren

Zum Start des Verfahrens 2020 wird es 15 Qualitätsindikatoren für die Dialyse geben. Davon sind einige neu entwickelt worden. So wird die Rate der Aufklärungen über Behandlungsalternativen bei chronischer Niereninsuffizienz erfasst. Ein weiterer neuer Indikator ist die Erhebung der Anzahl der Patienten, die innerhalb von 180 Tagen nach Beginn einer Dialysebehandlung einen Shunt erhalten haben.

Langzeitverläufe werden abgebildet

Andere Indikatoren wie die Erfassung der Dialysefrequenz und -dauer pro Woche sind aus der derzeit gültigen Qualitätssicherungs-Richtlinie Dialyse bereits langjährig bekannt und werden in die neue Richtlinie übernommen. Ergänzend werden Langzeitverläufe chronisch nierenkranker Patienten bis zu zehn Jahre über sogenannte „Follow-Up-Indikatoren“ abgebildet.

Ab 2022 auch Patientenbefragungen

In dem neuen Verfahren QS NET werden Qualitätsindikatoren auf Basis von ärztlichen Falldokumentationen und Daten der Krankenkassen erhoben.  Ab 2022 werden voraussichtlich auch Patientenbefragungen durchgeführt, die dann in die Indikatoren mit einfließen.

Fachärzte bei der Ergebnisbeurteilung gefragt

Fachärzte in Dialyseeinrichtungen können ab 2020 in Kommissionen aktiv werden und an Beurteilungen der Ergebnisse auf Grundlage der Qualitätsindikatoren mitwirken. Diese Kommissionen sind bei der jeweiligen Landesarbeitsgemeinschaft angebunden.

Das neue Verfahren gehört zur Rahmenrichtlinie zur datengestützten einrichtungsübergreifenden Qualitätssicherung. Mit dieser Richtlinie werden nach und nach die in getrennten Richtlinien geregelten Verfahren zur stationären, ambulanten und sektorenübergreifenden Qualitätssicherung abgelöst.

Der Beschluss tritt nach Nichtbeanstandung durch das Bundesgesundheitsministerium und Veröffentlichung im Bundesanzeiger zum 1. Januar 2020 in Kraft.

 

Sektorenübergreifende Qualitätssicherung

Viele medizinische Leistungen werden heute sowohl im ambulanten als auch im stationären Sektor durchgeführt. Auch werden Patienten im Verlauf einer Behandlung häufig in beiden Sektoren versorgt. Der Gesetzgeber hat deshalb den Gemeinsamen Bundesausschuss - das oberste Beschlussgremium von Ärzten und Krankenkassen - verpflichtet, Verfahren zur sektorenübergreifenden Qualitätssicherung zu entwickeln.

Diese Qualitätssicherung betrifft sowohl Leistungen, die in Praxen und Krankenhäusern angeboten werden, als auch Behandlungsabläufe über die Sektorengrenzen hinweg. Das Ziel ist die gleich hohe Qualität in beiden Versorgungsbereichen.

Inzwischen gibt es nunmehr vier sektorenübergreifende Verfahren:

  • perkutane Koronarintervention und Koronarangiographie
  • postoperative Wundinfektionen
  • Cholezystektomie
  • Nierenersatztherapie

Weitere Verfahren werden folgen.

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