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Spahn will Notfallversorgung reformieren - Ausbau der 116117 erfolgt bereits

25.07.2019 - Die Rettungsstellen der Krankenhäuser sollen mit einer Reform der Notfallversorgung entlastet werden. Der Vorstand der KBV äußerte sich in einer ersten Reaktion grundsätzlich positiv zu den Plänen von Bundesgesundheitsminister Jens Spahn und kündigte an, sich mit Vorschlägen in die Ausgestaltung einbringen zu wollen.

„Wir arbeiten bereits mit Hochdruck an dem Ausbau der bundesweiten Telefonnummer 116117 für den ärztlichen Bereitschaftsdienst“, sagte KBV-Chef Dr. Andreas Gassen. Denn ab kommendem Jahr sollen die Anrufer mit einem qualifiziertem Ersteinschätzungsverfahren in die richtige Versorgungsebene gelenkt werden und auch Arzttermine erhalten. Dies sei ein Auftrag aus dem Terminservice- und Versorgungsgesetz, das Mitte Mai in Kraft getreten ist.

Bereits 600 Portalpraxen an Kliniken

Gassen hob hervor, dass bereits heute die Kassenärztlichen Vereinigungen (KVen) an Krankenhäusern über 600 Bereitschaftsdienst- oder Portalpraxen betreiben. Zudem sei die 116117 bereits in vielen Regionen mit den Rettungsleitstellen vernetzt. Diese Strukturen sollten sinnvoll integriert werden, forderte er und fügte hinzu: „Ein dritter neuer Sektor wäre dafür der falsche Ansatz. Vielmehr gilt es, vorhandene und bewährte Strukturen zu bündeln.“

Zusammenschaltung der 112 und 116117

Nach dem Willen des Ministers sollen die ambulante und stationäre Notfallversorgung sowie der Rettungsdienst enger miteinander verzahnt werden. Die zentrale Rolle zur Planung und Gestaltung der integrierten medizinischen Notfallversorgung sollen die Länder übernehmen.

Geplant sind gemeinsame Notfallleitstellen, an die sich Versicherte telefonisch wenden können und die auf Grundlage eines standardisierten Ersteinschätzungsverfahrens die passende medizinische Versorgung vermitteln sollen. Die Leitstellen der 112 und der 116117 sollen dazu organisatorisch und technisch zusammengeführt werden.

Als zentrale Einrichtungen der medizinischen Notfallversorgung sollen zudem integrierte Notfallzentren geschaffen werden, die rund um die Uhr eine qualifizierte Ersteinschätzung des Versorgungsbedarfs treffen. Diese Zentren sollen vor Ort die aus medizinischer Sicht unmittelbar erforderliche ambulante Notfallversorgung leisten oder eine stationäre Versorgung veranlassen.

Sie sollen von den KVen und den Krankenhäusern gemeinsam errichtet und betrieben und räumlich in ein Krankenhaus eingebunden werden, sodass sie erkennbar die erste Anlaufstelle für die Patienten im Notfall sind.

Minister plant intensive Beratungen

Mitte August wird Spahn mit den zuständigen Ministern der Länder über die Reform beraten. Er kündigte an, sich für Beratungen die nötige Zeit nehmen zu wollen. Wann die Reform in Kraft treten soll, ist noch offen.

Kritik aus Bayern

Kritik kam inzwischen von Bayerns Innenminister Joachim Herrmann (CSU), der laut Medienberichten Teile der geplanten Reform entschieden ablehnt, insbesondere eine mögliche Grundgesetzänderung. Für die Rettungsdienste seien die Länder und nicht der Bund zuständig, sagte er.

Mit einer Änderung würde „unverhältnismäßig“ in die vorhandenen bewährten Rettungsstrukturen eingegriffen – ohne konkret erkennbare Vorteile für alle Beteiligten. Er sehe dadurch keinen Mehrwert für Patienten.

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