Logo-KBV

KBV Hauptnavigationen:

Sie befinden sich:

 

Praxisnachrichten

Kassen übernehmen ab September Kosten für HIV-Präexpositionsprophylaxe

08.08.2019 - Zur Vorbeugung einer HIV-Infektion übernehmen die gesetzlichen Krankenkassen ab September in bestimmten Fällen die Kosten für eine Präexpositionsprophylaxe. KBV und GKV-Spitzenverband haben jetzt festgelegt, wer zu den Risikogruppen gehört und damit Anspruch auf die präventive Gabe eines dafür zugelassenen Medikamentes hat.

Danach haben künftig Versicherte ab dem vollendetem 16. Lebensjahr mit einem substanziellen HIV-Risiko ein Anrecht auf eine medikamentöse Präexpositionsprophylaxe (PrEP) und die damit erforderlichen Untersuchungen vor und während der Anwendung. Dazu gehören als erstes ein HIV-Test, um sicher zu gehen, dass die Person noch nicht mit dem HI-Virus infiziert ist.

Die PrEP ist nach Einschätzung von Experten ein wirksamer Schutz gegen HIV und stellt einen ergänzenden Baustein in der HIV-Prävention dar. Dies ist ein Grund, weshalb der Gesetzgeber mit dem Terminservice- und Versorgungsgesetz beschlossen hat, dass gesunde Menschen mit substanziellem HIV-Infektionsrisiko Anspruch auf ein Medikament haben, das die Vermehrung von HIV im Körper verhindert.

Personen mit erhöhtem HIV-Infektionsrisiko

Nach dem Beschluss von KBV und Krankenkassen haben in erster Linie Männer, die Geschlechtsverkehr mit Männern haben, und Transgender-Personen, die angeben, analen Geschlechtsverkehr ohne Kondome zu haben, Anspruch auf die neue Leistung.

Ein individuell erhöhtes Ansteckungsrisiko können auch Drogensüchtige ohne Gebrauch steriler Injektionsmaterialien haben sowie Personen, die mit jemandem Geschlechtsverkehr haben, bei der oder dem eine nicht diagnostizierte HIV-Infektion wahrscheinlich ist. Auch sie können die PrEP ab September erhalten.

Zur Beurteilung des HIV-Infektionsrisikos einer Person ist die besondere Qualifikation des Arztes von wesentlicher Bedeutung.

Ärzte benötigen Genehmigung der KV

Die unregelmäßige Einnahme einer PrEP birgt gewisse Risiken für den Versicherten in sich, da dies zu einer HIV-Infektion führen kann. Bei unerkannter HIV-Infektion unter der Einnahme der PrEP kann dies Resistenzbildungen des Virus bewirken, welche eine folgende HIV-Therapie erschweren. Deswegen sind hier besondere Kenntnisse des Arztes notwendig.

Generell dürfen alle Vertragsärzte eine PrEP durchführen, die über eine Genehmigung der Kassenärztlichen Vereinigung gemäß der bestehenden Qualitätssicherungsvereinbarung HIV/Aids verfügen. Dabei handelt es sich hauptsächlich um Ärzte, die in HIV-Schwerpunktpraxen tätig sind.

Zudem können bestimmte Fachärzte unter speziellen Voraussetzungen eine Genehmigung erhalten. Dazu gehören Allgemeinmediziner, Hausarztinternisten, Urologen, Gynäkologen, Hautärzte sowie Kinder- und Jugendmediziner.

Es muss eine mindestens 16-stündige Hospitation in einer ambulanten oder stationären Einrichtung zur medizinischen Betreuung von HIV- oder Aids-Patienten absolviert werden. 

Die praktische, fachliche Kompetenz wird durch die Präsenz bei der Behandlung von mindestens 15 Personen mit HIV/Aids und/oder mit PrEP (z. B. im Rahmen der Hospitation) erlangt. Zudem ist die Teilnahme an Fortbildungen (8 Punkte) zu dem Thema nachzuweisen.

BMG plant Evaluation

Das Bundesministerium für Gesundheit wird die Wirkung der Verordnung der HIV-Präexpositionsprophylaxe auf das Infektionsgeschehen im Bereich sexuell übertragbarer Erkrankungen bis Ende 2020 evaluieren. Daten aus Ländern, in denen die PrEP seit einigen Jahren eingesetzt wird, haben bereits nachgewiesen, dass die Zahl der Neuinfektionen deutlich gesenkt werden konnte. In diesen Ländern ist die PrEP eingebunden in ein Beratungs- und ärztliches Versorgungssystem.

Vergütung wird noch festgelegt

KBV und GKV-Spitzenverband werden als nächstes die Leistungen und die Vergütung für die HIV-Präexpositionsprophylaxe festlegen. Dazu werden neue Gebührenordnungspositionen in den EBM aufgenommen, die Ärzte mit entsprechender Genehmigung abrechnen können.

Mehr zum Thema

zu den PraxisNachrichten