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Praxisnachrichten

Honorarverhandlungen für 2020 gestartet

Noch keine Einigung zum Orientierungswert 2020

15.08.2019 - Zum Start der Honorarverhandlungen für die rund 170.000 Vertragsärzte und Vertragspsychotherapeuten am Mittwoch in Berlin hat es in den entscheidenden Punkten noch keine Einigung gegeben. Die Positionen von KBV und Krankenkassen „klaffen sehr weit auseinander“, sagte KBV-Vorstandschef Dr. Andreas Gassen. 

Die Verhandlungen gestalten sich Gassen zufolge als schwierig. „Jedes Jahr verhandeln wir den Orientierungswert neu. Und jedes Mal will die Kassenseite am liebsten sämtliche Kostensteigerungen in den Praxen ausblenden“, sagte er.

Besonders enttäuschend sei, dass bei der Förderung von Hausbesuchen erneut kein Durchbruch erzielt werden konnte. Der GKV-Spitzenverband habe offensichtlich andere Vorstellungen davon, welche Versorgungsangebote die Versicherten benötigten, kritisierte er.

Spitzengespräch zum Orientierungswert

In der nächsten Woche wollen beide Seiten die Gespräche auf Spitzenebene fortsetzen. Sollte keine Einigung zum Orientierungswert möglich sein, muss der Erweiterte Bewertungsausschuss entscheiden. Der Orientierungswert, der maßgeblich die Preise ärztlicher und psychotherapeutischer Leistungen bestimmt, beträgt aktuell 10,8226 Cent.

Bei dem Spitzengespräch wird es auch um die Ausbudgetierung humangenetischer Untersuchungen aus der begrenzten morbiditätsbedingten Gesamtvergütung gehen. Die KBV fordert, dass die Leistungen der genetischen In-vitro-Diagnostik extrabudgetär vergütet werden. Der Grund ist die enorme Mengenausweitung in diesem Bereich.

Beschlossen wurden am Mittwoch bereits die regionalen Veränderungsraten der Morbidität und Demografie. Sie bilden neben dem Orientierungswert die Grundlage für die regionalen Vergütungsverhandlungen, die im Herbst beginnen. Die Kassenärztlichen Vereinigungen verhandeln dann mit den Krankenkassen vor Ort, wie viel Geld diese im neuen Jahr für die ambulante Versorgung ihrer Versicherten bereitstellen.

Gesetzlicher Auftrag zu jährlichen Verhandlungen

KBV und GKV-Spitzenverband haben den gesetzlichen Auftrag, jährlich über die Morbiditätsentwicklung und über die Anpassung des Orientierungswertes zu verhandeln. Eine Vorgabe des Gesetzgebers ist, dass die Krankenkassen das volle Morbiditätsrisiko ihrer Versicherten tragen müssen. Das bedeutet: Nimmt die Zahl der Erkrankungen und damit der Behandlungsbedarf in der Bevölkerung zu, müssen die Kassen entsprechend mehr Geld bereitstellen.

Außerdem sieht das Gesetz vor, dass der Orientierungswert jedes Jahr überprüft und angepasst werden soll. Dabei sind die für Arztpraxen relevanten Investitions- und Praxiskosten zu berücksichtigen. Ferner sollen die Ausschöpfung von Wirtschaftlichkeitsreserven sowie die allgemeine Kostendegression bei Fallzahlsteigerungen in die Berechnungen eingezogen werden.

Die Beschlüsse auf Bundesebene bilden die Grundlage für weitere Verhandlungen auf Landesebene. Dort beginnen im Herbst die Verhandlungen zwischen den Kassenärztlichen Vereinigungen und den Krankenkassen. Dabei wird es darum gehen, wie viel Geld die Krankenkassen für die ambulante Versorgung der Menschen in der jeweiligen Region im nächsten Jahr bereitstellen. Basis bildet die auf Bundesebene vereinbarte morbiditätsbedingte Veränderungsrate und die vereinbarte Anpassung des Orientierungswertes.

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