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Praxisnachrichten

Zukunft der Notfallversorgung

116117 wird zentrale Anlaufstelle für Patienten - Notfallversorgung im Umbau

22.08.2019 - Die Umgestaltung der Notfallversorgung ist in vollem Gange. Die KBV und die Kassenärztlichen Vereinigungen bereiten sich intensiv auf den Ausbau der bundesweiten Telefonnummer 116117 als zentrale Anlaufstelle für Patienten vor. Ab 2020 soll das Angebot stehen.

Ziel ist es, Patienten mit akuten Beschwerden zu helfen, die für sie passende Versorgung zu erhalten. „Gerade im Krankheitsfall sind viele Menschen verunsichert und wissen nicht, an wen sie sich wenden können. Aus Sorge, es könnte etwas Ernstes sein, gehen sie oft auch tagsüber direkt in die Notaufnahme eines Krankenhauses, obwohl es kein Notfall ist“, erläuterte KBV-Vorstandschef Dr. Andreas Gassen auf einer Presseveranstaltung. „Dies wollen wir mit unserem Angebot verhindern.“

Vermittlung an entsprechende Versorgungsebene

Ab 1. Januar können sich Patienten mit akuten Beschwerden rund um die Uhr an die 116117 wenden. Medizinisch geschulte Mitarbeiter stellen mithilfe eines standardisierten Ersteinschätzungsverfahrens fest, wie dringlich eine Behandlung ist und wo sich der Patient hinwenden kann. 

Dies kann je nach Schwere der Beschwerden ein niedergelassener Arzt, eine Bereitschaftsdienstpraxis oder auch die Notaufnahme sein. In Notfällen wird die 112 eingeschaltet; beide Nummern sollen digital enger vernetzt werden.

Es sei geplant, Patienten mit akuten Beschwerden bei Bedarf noch am selben Tag einen Termin beim Haus- oder Facharzt zu vermitteln, erläuterte der stellvertretende KBV-Vorstandsvorsitzende Dr. Stephan Hofmeister. Die Terminservicestellen sind ab Januar ebenfalls unter der 116117 erreichbar.

Neue 116117-App

Ergänzend zum telefonischen Service baut die KBV das Online-Angebot für die 116117 aus. Bereits ab kommendem Freitag steht neben der überarbeiteten Website die neue 116117-App bereit, mit der Patienten unter anderem nach Bereitschaftsdienstpraxen und Ärzten suchen können. Ab Januar soll die App um den eTerminservice ergänzt werden. 

Der Ausbau der Nummer sei ein klarer Auftrag aus dem Terminservice- und Versorgungsgesetz und eine enorme Herausforderung, sagte Hofmeister. Er appellierte an den Gesetzgeber, mit dem noch ausstehenden Notfallgesetz das Ganze nicht wieder rückgängig zu machen.

Integrierte Notfallzentren an Kliniken

Neben dem Ausbau der 116117 sollen nach Plänen des Gesetzgebers an den Krankenhäusern integrierte Notfallzentren (INZ) entstehen – als Anlaufstelle für Patienten, die „zwar einen akuten Bedarf haben, aber nicht lebensrettender oder intensivmedizinischer Sofortmaßnahmen bedürfen“, erläuterte Gassen. 

„Menschen, die zu Fuß ins Krankenhaus kommen, können ambulant behandelt werden“, stellte Hofmeister dar. Das sei dann die Verantwortung der niedergelassenen Ärzte. Stelle sich heraus, dass der Patient doch intensivmedizinischer Versorgung bedarf, werde er umgehend in die Notaufnahme des Krankenhauses geleitet, an dem das INZ angesiedelt ist. 

Aus Sicht die KBV sollten solche INZ aus medizinischen Gründen fast ausschließlich an Krankenhäusern der Maximalversorgung angesiedelt sein, die die entsprechende Ausstattung zur Versorgung von Notfällen wie Schockraum und Stroke Unit vorhalten. „Welche Krankenhäuser dafür geeignet sind, muss der Gesetzgeber festlegen", forderte Gassen.

116117 soll noch bekannter werden

KBV und KVen haben die bundesweite Telefonnummer 116117 im Jahr 2012 eingeführt. Bislang ist sie ausschließlich für den ärztlichen Bereitschaftsdienst erreichbar. Um sie in der Bevölkerung noch bekannter zu machen, starten KBV und KVen Ende nächster Woche eine Werbekampagne (die PraxisNachrichten werden berichten).

116117 – die Nummer für Akutfälle und Termine ab Januar 2020

  • unter der Telefonnummer 116117 sind ab Januar speziell geschulte Fachkräfte zu erreichen, die eine medizinische Ersteinschätzung vornehmen
  • Mithilfe einer dafür entwickelten Software fragen sie die Anrufer gezielt nach ihren Beschwerden, um so die Dringlichkeit einer Behandlung einzuschätzen und Patienten in die richtige Versorgungsebene zu vermitteln
  • das kann der Hausarzt, Facharzt oder Bereitschaftsdienst sein, aber auch die Notaufnahme eines Krankenhauses
  • bei dieser Vermittlungsarbeit werden die 116117-Mitarbeiter von der neuen Software SmED (Strukturiertes medizinisches Ersteinschätzungsverfahren für Deutschland) unterstützt
  • diese Software dient mit einer unkomplizierten Ersteinschätzung dazu, mit wenigen Fragen gefährliche Verläufe zu erkennen und von harmlosen Alltagsbeschwerden zu unterscheiden
  • die 116117-Mitarbeiter vermitteln auch kurzfristig Arzttermine, wenn sich beispielsweise ein Anrufer noch am selben Tag bei einem Orthopäden oder Augenarzt vorstellen soll
  • ab 1. Januar 2020 sind unter der 116117 bundesweit auch die Terminservicestellen (TSS) der Kassenärztlichen Vereinigungen (KVen) zu erreichen, die vor drei Jahren eingerichtet wurden, um Patienten bei der Suche nach einem Arzttermin zu unterstützen
  • geplant ist, den Terminservice auch online anzubieten, sodass Patienten bei Bedarf Termine im Internet oder via App buchen können – bereits heute kann auf www.116117.de beispielsweise nach Bereitschaftsdienstpraxen gesucht werden

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