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Praxisnachrichten

DMP für Rückenschmerz und Depression aufgelegt

12.09.2019 - Für zwei Erkrankungen sind jetzt neue Disease-Management-Programme auf den Weg gebracht worden. Für den chronischen Rückenschmerz tritt der Beschluss des Gemeinsamen Bundesausschusses bereits am 1. Oktober in Kraft. Für Depression wurde das Programm kürzlich beschlossen.

Seit Einführung der Disease-Management-Programme (DMP) vor über 15 Jahren nehmen aktuell sieben Millionen Menschen daran teil. Mit dem DMP Depression gibt es nunmehr Programme für neun Krankheiten.

Erstmals DMP für psychische Erkrankung

Damit wird erstmalig ein solches strukturiertes Behandlungsprogramm für eine psychische Erkrankung zur Verfügung stehen.

Bei den nunmehr vom Gemeinsamen Bundesausschuss (G-BA) beschlossenen Anforderungen wurden unter anderem Kriterien für eine Einschreibung in das Programm sowie Empfehlungen zur individuellen Therapieplanung, zu den Behandlungsmaßnahmen und zum Umgang mit Suizidalität festgelegt. Zudem wurden Empfehlungen zur Koordination der verschiedenen, am Behandlungsprozess beteiligten, Fachrichtungen gegeben.

Teilnahmevoraussetzung und Koordination

Das Programm richtet sich an Patienten mit einer unipolaren Depression mit mindestens mittlerem Schweregrad. Dabei muss es sich um die mindestens dritte oder eine über ein Jahr andauernde Erkrankungsepisode handeln. Menschen mit aktuell leichter depressiver Episode oder einer erstmalig auftretenden Erkrankung sind nicht Zielgruppe des DMP.

Die Diagnose kann vom koordinierenden Arzt oder von einem Psychologischen Psychotherapeuten gestellt werden. Koordinieren können Hausärzte sowie alle für psychische Erkrankungen spezialisierten Fachärzte.

Die KBV konnte für das DMP die Aufnahme von qualifiziert begleiteten digitalen Selbstmanagement-Programmen durchsetzen, die sich als wirksame Maßnahme bei depressiven Menschen erwiesen haben.

Das Bundesgesundheitsministerium (BMG) hat nunmehr zwei Monate Zeit, den Beschluss des G-BA zu prüfen. Bei Nichtbeanstandung tritt er in Kraft und die regionalen Partner können Verträge zum neuen DMP vereinbaren.

Verträge zu DMP Rückenschmerz in Kürze möglich 

Das DMP chronischer Rückenschmerz ist bereits einen Schritt weiter. Angesichts der Nichtbeanstandung des BMG tritt der Beschluss bereits am 1. Oktober in Kraft. Ab dann können Verträge dazu in den Regionen geschlossen werden. Die technische Umsetzung der Dokumentation wird zeitnah vorbereitet. Die Softwarehersteller benötigen in der Regel mehrere Monate dafür.

Bei den Anforderungen für das neue DMP chronischer Rückenschmerz wurden ebenfalls Teilnahmekriterien, Empfehlungen zur individuellen Therapieplanung sowie zur Koordination der verschiedenen Fachrichtungen festgelegt. Die inhaltlichen Anforderungen hatte der G-BA bereits im April beschlossen.

Voraussetzung für die Teilnahme sind chronische, länger als zwölf Wochen andauernde Kreuzschmerzen mit deutlichen Einschränkungen der Aktivität, die auf leitliniengerechte Behandlung nicht angesprochen haben.

Zudem dürfen keine spezifischen Ursachen für den Kreuzschmerz vorliegen – wie Wirbelkörperfrakturen, rheumatische Erkrankungen oder ein Tumor im Bereich der Wirbelsäule. Dann ist das Einschreiben in das DMP nicht möglich, da die Behandlung der ursächlichen Erkrankung Vorrang hat.

Fakten zu den Disease-Management-Programmen

  • Ein Disease-Management-Programm (DMP) ist eine spezielle Organisationsform zur medizinischen Behandlung und Betreuung chronisch kranker Menschen.
  • DMP sollen die Versorgungsqualität verbessern durch einheitliche, wissenschaftlich gesicherte Vorgaben und Empfehlungen hinsichtlich Diagnostik und Therapie, eine intensive ärztliche Kooperation und die Stärkung der Patientenkompetenz.
  • Die behandelnden Ärzte verpflichten sich zur Kooperation und dokumentieren den Behandlungsverlauf und die Behandlungsergebnisse für ihre Patienten – auf dieser Datenbasis erhalten sie regelmäßig Feedback-Berichte zu ihren Patienten.
  • Jedes DMP gibt spezifische Qualitätsziele zur medizinischen Betreuung der Patienten vor.

Bislang gibt es bundesweit Behandlungsprogramme für Asthma bronchiale, chronisch obstruktive Lungenkrankheit (COPD), Diabetes Typ 1 und 2, koronare Herzkrankheit (KHK) und Brustkrebs. Zu folgenden Indikationen können demnächst Verträge geschlossen werden: Herzinsuffizienz und chronischer Rückenschmerz.

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