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Forschungspreis zur Rolle der Ärzte in der NS-Zeit verliehen

28.11.2019 - Der Forschungspreis zur Rolle der Ärzteschaft in der Zeit des Nationalsozialismus ist am Mittwoch verliehen worden. Mit dem Herbert-Lewin-Preis werden seit 2006 wissenschaftliche Arbeiten ausgezeichnet, die sich mit der Aufarbeitung der NS-Vergangenheit auseinandersetzen.

Den ersten Platz vergab die Jury für die Arbeit von Dr. Susanne Doetz und Dr. Christoph Kopke mit dem Titel „und dürfen das Krankenhaus nicht mehr betreten“. Die Arbeit befasst sich mit dem Ausschluss jüdischer und politisch unerwünschter Ärztinnen und Ärzte aus dem städtischen Gesundheitswesen in Berlin in den Jahren 1933 bis 1945. 

Die Autoren haben nach Ansicht der Jury mit ihrer Untersuchung Neuland betreten, indem sie vollständig und systematisch die Entlassung und Vertreibung rassisch verfolgter und politisch missliebiger Ärzte aus dem öffentlichen Gesundheitswesen in der deutschen Großstadt nachgezeichnet hätten.

Mit dem zweiten Platz wurde Dr. Doris Fischer-Radizi für ihre Arbeit „Vertrieben aus Hamburg“ über die Ärztin Rahel Liebeschütz-Plaut geehrt. Der dritte Platz ging an Dr. Mathias Schütz für seine Arbeit „Vier Ermittlungen und ein Verdienstkreuz“ zu den Medizinverbrechen des Hygienikers Hermann Eyer während der NS-Zeit.

Historische Aufarbeitung

Ziel des Preises ist die historische Aufarbeitung, aber auch die Erinnerung an engagierte Ärzte und Zahnärzte, die in der Zeit des Nationalsozialismus verfolgt und ermordet wurden. Zugleich soll das Interesse nachfolgender Generationen für die Aufarbeitung der Vergangenheit geweckt werden.

Prof. Dr. Herbert Lewin (1899-1982), nach dem der Forschungsreis benannt ist, war ein deutscher Arzt und von 1963 bis 1969 Vorsitzender des Zentralrates der Juden in Deutschland.

Zum siebten Mal ausgelobt

Das Bundesgesundheitsministerium, die Bundesärztekammer, die Bundeszahnärztekammer, die Kassenzahnärztliche Bundesvereinigung und die KBV haben den Forschungspreis zur Rolle der Ärzteschaft in der Zeit des Nationalsozialismus zum siebten Mal ausgelobt. 

Teilnehmen konnten Ärzte, Zahnärzte, Psychotherapeuten, Studenten sowie an medizinischen Fakultäten oder medizinhistorischen Instituten tätige Wissenschaftler.

Zur Jury gehören neben Vertretern der Auslober auch der Zentralrat der Juden in Deutschland sowie der Bundesverband Jüdischer Ärzte und Psychologen in Deutschland. 

Professor Dr. Herbert Lewin 

Herbert Lewin wurde am 1. April 1899 in Schwarzenau geboren. Nach einem Medizinstudium arbeitete er in der jüdischen Poliklinik in Berlin, ab 1937 bis zu seiner Deportation durch die Nationalsozialisten als Chefarzt im jüdischen Krankenhaus in Köln. Nach seiner Befreiung nahm Lewin seine Arzttätigkeit wieder auf. In den Jahren 1963 bis 1969 bekleidete er das Amt des Präsidenten des Zentralrats der Juden in Deutschland. Er starb am 21. November 1982 in Wiesbaden (Quelle: www.zentralratderjuden.de / ehemalige Präsidenten). 

Am 4. Oktober 2004 wurde in Berlin der Platz an der Wegelystraße nach Herbert Lewin benannt. Dort hat auch die KBV ihren Sitz.
 

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