Logo-KBV

KBV Hauptnavigationen:

Sie befinden sich:

 

Praxisnachrichten

Organisierte Krebsfrüherkennung: Dokumentationsverpflichtung wird vorerst ausgesetzt

05.12.2019 - Die Dokumentationsverpflichtung für die neuen organisierten Krebsfrüherkennungsprogramme wird vorläufig ausgesetzt. Das hat der Gemeinsame Bundesausschuss am heutigen Donnerstag beschlossen. Dies betrifft sowohl das bereits laufende Programm zur Früherkennung von Darmkrebs als auch das zum 1. Januar startende Programm zur Früherkennung von Gebärmutterhalskrebs.

Dagegen erfolgt der Auftrag des Gynäkologen an den Zytologen mit Muster 39 wie bisher, nur, dass der Überweisungsschein zur präventiven zytologischen Untersuchung entfällt. Ab Januar löst das überarbeitete Muster 39 die bislang geltende Version ab – unbenommen von der Aussetzung der Dokumentationspflichten (siehe Infokasten).

Programm Früherkennung von Gebärmutterhalskrebs

Die Inhalte des neuen Programms zur Früherkennung von Gebärmutterhalskrebs sind in der Richtlinie organisierte Krebsfrüherkennung (oKFE-Richtlinie) festgelegt. Demnach haben Frauen unter 35 Jahren wie gehabt Anspruch auf eine jährliche zytologische Untersuchung; Frauen über 35 Jahre haben alle drei Jahre Anspruch auf einen Ko-Test (zytologische Untersuchung plus HPV-Test). Die anspruchsberechtigten Frauen erhalten alle fünf Jahre eine Einladung von ihrer Krankenkasse; der Versand wird wie geplant zum 1. Januar 2020 beginnen.

Dokumentationsverpflichtung ausgesetzt

Die Umstellung der Dokumentation war ursprünglich zu Januar 2020 geplant. Sie soll dazu dienen, die neuen organisierten Krebsfrüherkennungsprogramme, die entsprechend den Beschlüssen des Gemeinsamen Bundesausschusses (G-BA) angeboten werden, zu evaluieren. Mit der Evaluation soll die Qualität der Programme systematisch erfasst und weiterentwickelt werden.

Im Zuge dessen ist zum Beispiel vorgesehen, die pseudonymisierten Daten der Ärzte mit anderen Daten, etwa der klinischen Krebsregister, zusammenzuführen und auszuwerten.

Hintergrund der Aussetzung der Dokumentation ist, dass es nicht allen Softwareanbietern gelingen wird, zum Starttermin der Programme die nötige Dokumentationssoftware anzubieten. Der G-BA hat daher entschieden, die Dokumentationsverpflichtung so lange auszusetzen, bis eine flächendeckende Implementierung der Software in die Praxisverwaltungssysteme möglich ist.

KVen übernehmen die Aufgabe der Datenannahmestelle

Sobald die Dokumentationsverpflichtung in Kraft tritt, übernehmen die Kassenärztlichen Vereinigungen (KVen) die Funktion der Datenannahmestellen. Um die Programmevaluation zu gewährleisten, übermitteln Ärzte dann ihre Daten elektronisch an ihre KV. Diese wiederum leitet die Daten zur datenschutzkonformen Verschlüsselung an eine Vertrauensstelle weiter.

Welche Angaben Ärzte konkret zu dokumentieren haben, ist in der oKFE-Richtlinie festgelegt; die genauen Spezifikationen wurden vom Institut für Qualitätssicherung und Transparenz im Gesundheitswesen (IQTiG) erstellt und zum 1. Juli 2019 veröffentlicht. Da das IQTiG auch die technischen Vorgaben für die Doku-Software erstellt hat, ist eine Zertifizierung durch die KBV nicht möglich.

Informierte Entscheidung für die Patienten

Mit den neuen Programmen ist auch verbunden, Patienten mit einer gedruckten Versicherteninformation ausführlich über die Programme zu informieren. Die Materialien werden zwar mit regelmäßigen Einladungen von den Krankenkassen verschickt, sie sollen aber auch ab Januar in den Praxen ausliegen. Ärzte können die Versicherteninformation kostenfrei bei ihrer KV bestellen.  

Informationen für Praxen und Patienten

Details des organisierten Programms zur Früherkennung von Zervixkarzinomen fasst eine PraxisInformation der KBV zusammen. Zudem gibt es eine Patienteninformation für das Wartezimmer, die über die Neuerungen bei der Gebärmutterhalskrebs-Früherkennungsuntersuchung ab 2020 informiert.

Über die Bewertung der Gebührenordnungspositionen zur Krebsfrüherkennungsuntersuchung von Zervixkarzinomen entscheidet der Bewertungsausschuss noch in diesem Jahr. Die PraxisNachrichten werden dazu berichten.

Angepasstes Muster 39 löst ab Januar vorheriges Formular ab

Wie bisher erfolgt der Auftrag des Gynäkologen an den Zytologen mit Muster 39. Der Überweisungsschein zur präventiven zytologischen Untersuchung entfällt. Ab dem 1. Januar 2020 löst das überarbeitete Muster 39 die bislang geltende Version unbenommen von der Aussetzung der Dokumentationspflichten nach der Richtlinie für organisierte Krebsfrüherkennungsprogramme ab.

Im Zuge der neuen Dokumentationsvorgaben wurde das Muster überarbeitet und enthält nunmehr Informationen zum Test auf Humane Papillomviren (HPV) und zur HPV-Impfung. Die Informationen umfassen neben dem Testergebnis Angaben zum verwendeten Test und zum Virustyp. Dafür entfallen die bisher üblichen Angaben zur rektalen Untersuchung und zum Blutdruck.

Die Angleichung der Parameter soll ermöglichen, dass Ärzte die Daten zur zytologischen Untersuchung zukünftig nicht doppelt dokumentieren müssen, da die Daten sowohl für die Beauftragung (Muster 39) als auch später für die Programmevaluation genutzt werden.

Das angepasste Muster 39 steht bereits in Papierform und als Blankoversion zur Verfügung und kann wie üblich bei den Kassenärztlichen Vereinigungen oder Vordrucklieferanten bestellt werden. Für das neue Muster 39 wird erstmals auch die digitale Auftragserteilung und Befundübermittlung ermöglicht.

Hierfür kann, anders als beim digitalen Laborschein oder der digitalen Überweisung, die Signatur mit dem Praxisausweis (SMC-B) verwendet werden. Die Signierung mittels qualifizierter elektronischer Signatur des elektronischen Heilberufeausweises ist auch möglich, aber für dieses Muster nicht unbedingt erforderlich.

Mehr zum Thema

zu den PraxisNachrichten