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Praxisnachrichten

Häusliche Versorgung chronischer und schwer heilender Wunden geregelt

12.12.2019 - Chronische und schwer heilende Wunden sollen vorrangig in der Häuslichkeit versorgt werden und außerhalb nur unter bestimmten Bedingungen, zum Beispiel aus Hygienegründen. Der Gemeinsame Bundesausschuss hatte dazu eine Änderung der Richtlinie zur häuslichen Krankenpflege beschlossen, die am 5. Dezember in Kraft getreten ist.

Nun muss der Bewertungsausschuss innerhalb von sechs Monaten entscheiden, inwieweit der Beschluss Auswirkungen auf den EBM hat. Erst dann können die entsprechenden Leistungen ärztlich verordnet werden.

In der Richtlinie für häusliche Krankenpflege (HKP-Richtlinie) ist jetzt außerdem klargestellt, dass Pflegedienste an die ärztlich verordneten beziehungsweise von der Krankenkasse genehmigten Leistungen der häuslichen Krankenpflege gebunden sind.

Auch müssen Pflegedienste die ärztliche Praxis bei Veränderungen der häuslichen Pflegesituation oder nach ärztlicher Aufforderung informieren. Dies kann durch Übermittlung von Auszügen aus der Pflegedokumentation erfolgen.

Änderungen im Leistungsverzeichnis

Änderungen gab es auch im Verzeichnis der Leistungen, die als häusliche Krankenpflege ärztlich verordnet werden dürfen. Hier wurde die Versorgung akuter Wunden als Nummer 31 und die Versorgung chronischer und schwer heilender Wunden als Nummer 31a neu aufgenommen.

Außerdem wurde die Nummer 12 so gefasst, dass sie künftig die Positionswechsel zur Dekubitusbehandlung beinhaltet. Die Regelungen zur Kompressionstherapie und zur Versorgung mit stützenden und stabilisierenden Verbänden wurden als separate Nummern 31b und 31c gefasst. Das angepasste Leistungsverzeichnis ist auf der Internetseite des G-BA abrufbar.

Gesetzliche Vorgaben umgesetzt

Die Richtlinie musste aufgrund des Gesetzes zur Stärkung der Heil- und Hilfsmittelversorgung (HHVG) angepasst werden. Mit diesem Gesetz ist der G-BA beauftragt worden, die Versorgung von chronischen und schwer heilenden Wunden in der HKP-Richtlinie zu regeln. Dabei hat der Gesetzgeber explizit darauf verwiesen, dass die entsprechende Patientenversorgung auch in „spezialisierten Einrichtungen“ außerhalb der Häuslichkeit erfolgen kann. Dies kann neben entsprechend geschulten Pflegediensten auch sogenannte Wundzentren umfassen.

Die Änderungen im Überblick

Hinweis: Die folgenden Änderungen sind am 5. Dezember 2019 in Kraft getreten. Nun muss der Bewertungsausschuss innerhalb von sechs Monaten entscheiden, inwieweit der Beschluss Auswirkungen auf den EBM hat. Erst dann können die entsprechenden Leistungen ärztlich verordnet werden.

Vorrangige Versorgung von chronischen und schwer heilenden Wunden in der Häuslichkeit

Die Versorgung chronischer und schwer heilender Wunden soll vorrangig in der Häuslichkeit erfolgen. Dadurch bleiben gesetzlich Krankenversicherten belastende Fahrtwege erspart. Die Versorgung in einer spezialisierten Einrichtung kann aufgrund der Komplexität der Wundversorgung notwendig werden – oder wenn in der Häuslichkeit die für die Wundversorgung notwendigen hygienischen Bedingungen beziehungsweise die besondere räumliche Ausstattung nicht gewährleistet sind. Dies muss aus der ärztlichen Verordnung hervorgehen.

Bindung an ärztliche Verordnung und an Genehmigung der Krankenkasse klargestellt

Da es in ärztlichen Praxen vermehrt zu Verordnungsanforderungen von Pflegediensten kam und zum Beispiel Verbandsmaterialien angefordert wurden, die von der ärztlichen Verordnung abwichen, wurde Folgendes in der Richtlinie klargestellt:

  • Pflegedienste sind zunächst an die ärztliche Verordnung und bei Vorliegen der Genehmigung der Krankenkasse an diese gebunden.
  • Verbandsmaterialien werden entsprechend der medizinischen Notwendigkeit eingesetzt und unterliegen dem Wirtschaftlichkeitsgebot.
  • Für eine bessere Versorgung chronischer und schwer heilender Wunden ist die Verständigung aller Beteiligten wichtig, die medizinische Verantwortung liegt in ärztlicher Hand.

Verbesserte Kommunikation zwischen Pflegedienst und ärztlicher Praxis

Die Versorgung von chronischen und schwer heilenden Wunden bedingt eine enge Absprache zwischen allen Beteiligten und erfordert eine gute Zusammenarbeit zwischen Praxis und Pflegedienst.

Veränderungen im Heilungsverlauf fallen dem Pflegedienst besonders während der regelmäßigen Verbandswechsel auf. Deshalb wird nun verbindlich geregelt, dass der Pflegedienst die Ärztin oder den Arzt bei Veränderung der häuslichen Pflegesituation oder nach ärztlicher Aufforderung informiert. Dies kann auch durch Übermittlung von Auszügen aus der Pflegedokumentation erfolgen. Somit besteht die Möglichkeit, schneller entsprechende Maßnahmen zu ergreifen.

Das ändert sich im Leistungsverzeichnis

Hinweis: Die folgenden Änderungen sind am 5. Dezember 2019 in Kraft getreten. Nun muss der Bewertungsausschuss innerhalb von sechs Monaten entscheiden, inwieweit der Beschluss Auswirkungen auf den EBM hat. Erst dann können die entsprechenden Leistungen ärztlich verordnet werden.

Unter Nummer 12 wird jetzt der Positionswechsel zur Dekubitusbehandlung geregelt. Es gibt eine neue Nummer 31 zur Versorgung einer akuten Wunde und eine neue Nummer 31a zur Versorgung chronischer und schwer heilender Wunden. In Nummer 31b wird die Verordnung von häuslicher Krankenpflege zur Kompressionstherapie mit ärztlich verordneten Kompressionsstrümpfen beziehungsweise -strumpfhosen der Kompressionsklassen I bis IV oder einem Kompressionsverband geregelt. Die Nummer 31c bezieht sich auf das An- und Ablegen von stützenden und stabilisierenden Verbänden.

Positionswechsel zur Dekubitusbehandlung (Nr. 12)

Leistungsbeschreibung/Bemerkung (Auszug) Dauer und Häufigkeit
  • ab Dekubitus Grad 1
  • Positionswechsel in individuell festzulegenden Zeitabständen zur möglichst vollständigen Druckentlastung der betroffenen Stelle
  • Sofern eine Wundversorgung notwendig ist, ist die Leistung nur in Kombination mit der Nr. 31 oder 31a verordnungsfähig
  • Bei der Verordnung ist die Lokalisation, Länge, Breite, Tiefe und soweit möglich der Grad des Dekubitus anzugeben
  • Angehörige sollen durch Anleitung des Pflegedienstes dazu befähigt werden, die Lagerung möglichst selbstständig zu übernehmen

Grad 1: Erst- und Folgeverordnungen für jeweils bis zu 7 Tage.

Ab Grad 2: Erst- und Folgeverordnungen für jeweils bis zu 4 Wochen.

 

Wundversorgung einer akuten Wunde (Nr. 31)

Leistungsbeschreibung/Bemerkung (Auszug) Dauer und Häufigkeit
  • Akute Wunde: tritt nach Verletzung der Hautoberfläche unterschiedlicher Tiefenausprägung auf und heilt voraussichtlich innerhalb von maximal 12 Wochen komplikationslos ab
  • Leistungsinhalt: Anlegen, Wechseln von Verbänden, Wundheilungskontrolle, Desinfektion und Reinigung, Spülen von Wundfisteln, Versorgung unter aseptischen Bedingungen
  • Angaben auf der Verordnung: Wundart, Lokalisation, Länge, Breite, Tiefe, ggf. Grad der Wunde, zu verwendenden Verbandmaterialien,  Wechselintervalle der Wundverbände
Erstverordnung sowie Folgeverordnungen für jeweils bis zu 4 Wochen

 

Wundversorgung einer chronischen und schwer heilenden Wunde (Nr. 31a)

Leistungsbeschreibung/Bemerkung (Auszug) Dauer und Häufigkeit
  • Chronische Wunde: heilt voraussichtlich nicht komplikationslos innerhalb von maximal 12 Wochen unter fachgerechter Therapie ab
  • Ziel: Wundheilung, Vermeidung einer Verschlimmerung, Symptomlinderung (wenn Wundheilung wahrscheinlich ausgeschlossen werden kann)
  • Versorgung soll durch „spezialisierte Leistungserbringer“ erfolgen (Pflegefachkräfte mit besonderer Zusatzqualifikation)
  • Angaben auf der Verordnung: Wundart, Lokalisation, Länge, Breite, Tiefe, ggf. Grad der Wunde, zu verwendende Verbandmaterialien, Wechselintervalle der Wundverbände
  • Bestandteil der Leistung: Anleitung zu krankheits- und wundspezifischen Maßnahmen durch den Pflegedienst, insbesondere zu Druckentlastung, Bewegungsförderung, zum Umgang mit wund- und therapiebedingten Beeinträchtigungen (Schmerzen, Wundgeruch und Kompression)
Erstverordnung sowie Folgeverordnungen für jeweils bis zu 4 Wochen

Hinweis zu „spezialisierten Leistungserbringern“

Die Versorgung im Rahmen der Leistung nach 31a umfasst auch die Versorgung in spezialisierten Einrichtungen (Wundzentren) außerhalb der Häuslichkeit. Diese sind allerdings weder im SGB V näher definiert, noch sind Wundzentren ausreichend und flächendeckend im Bundesgebiet vorhanden. Die Versorgung findet somit weiterhin vorrangig in der Häuslichkeit der Versicherten statt.

An- oder Ausziehen von ärztlich verordneten Kompressionsstrümpfen und Strumpfhosen / Anlegen oder Abnehmen eines Kompressionsverbandes (Nr. 31b)

Leistungsbeschreibung/Bemerkung (Auszug) Dauer und Häufigkeit
  • Ziel: Wundheilung, Unterstützung des venösen Rückflusses, Unterstützung des Lymphabflusses
  • Das Anlegen eines Kompressionsverbandes ist verordnungsfähig, wenn aus medizinischen bzw. anatomischen Gründen angepasste Kompressionsstrümpfe nicht möglich sind
  • Kompressionsbehandlung ist nur unter bestimmten Voraussetzungen verordnungsfähig (Näheres siehe Leistungsverzeichnis), diese müssen aus der Verordnung hervorgehen
Jeweils 1 x täglich

 

An- und Ablegen von stützenden und stabilisierenden Verbände (Nr. 31c)

Leistungsbeschreibung/Bemerkung (Auszug) Dauer und Häufigkeit
  • Zur unterstützenden Funktionssicherung der Gelenke, zum Beispiel bei Distorsion, Kontusion, Erguss
  • Das An- oder Ablegen von stützenden und stabilisierenden Verbänden ist nur unter bestimmten Voraussetzungen verordnungsfähig (Näheres siehe Leistungsverzeichnis), diese müssen aus der Verordnung hervorgehen
Bis zu 2 Wochen, jeweils 1 x täglich

 

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