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Praxisnachrichten

Medizinische Reha: Verordnungsformular wird angepasst

09.01.2020 - Das Formular für die Reha-Verordnung wird zum 1. April angepasst. Hintergrund ist, dass pflegende Angehörige einen gesetzlichen Anspruch auf eine stationäre Reha haben, auch wenn es ambulante Möglichkeiten gibt.

Auf dem geänderten Formular können Ärzte ankreuzen, dass sie einem pflegenden Angehörigen eine stationäre Reha verordnen. In diesem Fall ist der Grundsatz „ambulant vor stationär“ ausnahmsweise nicht zu beachten. Durch die Pflegesituation kann es für pflegende Angehörige schwierig sein, eine ambulante Rehabilitation in den regulären Tagesablauf zu integrieren. Der Rechtsanspruch wurde 2019 mit dem Pflegepersonal-Stärkungsgesetz geschaffen.

Das überarbeitete Formular 61 löst das bisherige zum 1. April ab. Praxen sollten daher rechtzeitig neue Formulare bestellen. Das neue Reha-Formular 61 wird auch in den Praxisverwaltungssystemen hinterlegt sein. Ein Ansichtsexemplar und Hinweise zum korrekten Ausfüllen bieten die Vordruckerläuterungen (s. Kasten „Mehr zum Thema“).

Reha mit Pflegebedürftigen

Nicht nur das Ankreuzfeld für pflegende Angehörige ist neu auf dem Formular. Pflegende Angehörige können sich wünschen, dass der Pflegebedürftige während der Rehabilitation in ihrer Reha-Einrichtung betreut wird oder in einer anderen Einrichtung (z.B. Kurzzeitpflege). Die gewünschte Versorgungsform kreuzen Ärzte auf dem neuen Formular an.

Unter Umständen kann der Pflegebedürftige nicht mit in der Reha-Einrichtung aufgenommen werden. Dann muss die Kranken- beziehungsweise Pflegekasse seine Betreuung für die Zeit organisieren, in der der pflegende Angehörige in der Reha-Einrichtung ist.

Sprechen medizinische Gründe gegen die Mitaufnahme des Pflegebedürftigen, geben Ärzte diese unter „Sonstiges“ an. Dies kann etwa bei schweren Erschöpfungssyndromen oder depressiven Störungen des pflegenden Angehörigen der Fall sein, bei denen eine räumliche/örtliche Distanzierung vom sozialen Umfeld für eine positive Reha-Prognose notwendig erscheint.

Weitere Änderungen auf dem Formular

Darüber hinaus wird das Formular 61 an weiteren Stellen angepasst (s. Übersicht). Auch dies erfolgt zum 1. April 2020.

Stichwort: Pflegende Angehörige und Pflegepersonal-Stärkungsgesetz

Pflegende Angehörige können ambulante Reha-Leistungen aufgrund ihrer familiären Situation manchmal nicht in Anspruch nehmen. Mit dem Pflegepersonal-Stärkungsgesetz wurde 2019 für sie der Anspruch geschaffen, auf ärztliche Verordnung und mit Genehmigung der Krankenkasse auch dann stationäre Rehabilitation zu erhalten, wenn vom medizinischen Gesichtspunkt her eine ambulante Versorgung ausreichend wäre.

Dabei kann der pflegebedürftige Angehörige gleichzeitig in derselben Reha-Einrichtung betreut werden wie der pflegende Angehörige. Andernfalls muss die Kranken- beziehungsweise Pflegekasse des Versicherten die Betreuung des Pflegebedürftigen organisieren.

Als pflegende Angehörige gelten Versicherte, die Pflegebedürftige (Pflegegrad 1-5) nicht erwerbsmäßig in deren häuslicher Umgebung pflegen. Dazu zählen Familienmitglieder sowie Verwandte, es können aber beispielsweise auch ehemalige Ehepartner sein. Eine abschließende Definition gibt es im SGB V nicht, als Orientierung kann das SGB X für Sozialverwaltungsverfahren und Sozialdatenschutz dienen (§ 16 Absatz 5 SGB X).

Übersicht: Die Änderungen auf dem Reha-Formular zum 1. April

Formularbereich Das ändert sich

Teil A und Teil B
Abschnitt I. A.
„Rehabilitationsbegründende Funktionsdiagnosen“

  • Die rehabilitationsbegründenden Diagnosen sollen künftig als „Funktionsdiagnosen“ angegeben werden. Daher wird die Formulierung angepasst.
  • Die Ankreuzfelder zur „Seitenlokalisation“ entfallen. Sofern Angaben dazu notwendig sind (rechts, links, beidseitig), können sie im Freitextfeld der Diagnose aufgeführt werden.

Teil B
Abschnitt II. A
„Kurze Angaben zur Anamnese und zu Krankenhaus- und Facharztbehandlung“

  • Künftig sollen neben den Angaben zur Anamnese auch Angaben zu Krankenhaus- und Facharztbehandlung erfolgen, sofern diese für die Rehabilitation relevant sind.

Abschnitt II. C
„Bisherige ärztliche/psychotherapeutische Interventionen“

  • Bisher wurden hier auch Angaben zur Arzneimitteltherapie abgefragt. Da diese Angaben entfallen können, werden sie künftig nicht mehr abgefragt.

Abschnitt II. G
„Nicht nur vorübergehende Beeinträchtigungen der Aktivitäten/Teilhabe“

  • In den Kategorien „Mobilität“ und „Selbstversorgung“ kann jetzt für jede Aktivität (z.B. Stehen/Gehen“ oder „Essen/Trinken“) einzeln angekreuzt werden, wenn keine Beeinträchtigung besteht. Liegt keine Beeinträchtigung der Mobilität oder Selbstversorgung vor, können Ärzte dies weiterhin durch übergeordnete Kreuze angeben.

Abschnitt II. H
„Lebensumstände/Kontextfaktoren“

  • Hier wird die Überschrift um den Begriff „Lebensumstände“ ergänzt, um den Fokus des Begriffs der „Kontextfaktoren“ aus der internationalen Klassifikation der Funktionsfähigkeit, Behinderung und Gesundheit (ICF) hervorzuheben.

Abschnitt VI. C
Zuweisungsempfehlungen

  • Neu ist Punkt „C. Weitere Bemerkungen/Begründungen“, wo es ein neues Ankreuzfeld für pflegende Angehörige gibt. Ärzte kreuzen dieses Feld an, wenn es sich um eine medizinische Rehabilitation für einen pflegenden Angehörigen handelt.

Abschnitt VII.
Sonstige Angaben

  • Hier gibt es neue Ankreuzfelder zur Versorgung eines Pflegebedürftigen während der stationären Reha des ihn pflegenden Angehörigen. Ärzte können ankreuzen, dass die Mitaufnahme des Pflegebedürftigen in derselben Einrichtung gewünscht ist. Sie können aber auch ankreuzen, dass die Koordination der Versorgung des Pflegebedürftigen in einer anderen Einrichtung durch die Krankenkasse/Pflegekasse des Versicherten gewünscht ist.
  • Wenn sich der pflegende Angehörige wünscht, dass der Pflegebedürftige mit aufgenommen wird, medizinische Gründe jedoch gegen die Mitaufnahme sprechen, so geben Ärzte diese Gründe unter „Sonstiges“ an. Dies kann etwa bei schweren Erschöpfungssyndromen oder depressiven Störungen des pflegenden Angehörigen der Fall sein, bei denen eine räumliche/örtliche Distanzierung vom sozialen Umfeld für eine positive Reha-Prognose notwendig erscheint.

 

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