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Praxisnachrichten

Im Überblick: Neuerungen und Änderungen zu Jahresbeginn

09.01.2020 - Mit dem neuen Jahr gehen auch einige Veränderungen für niedergelassene Ärzte und Psychotherapeuten einher. Wesentliche Neuerungen hat das Redaktionsteam der PraxisNachrichten zusammengestellt.

Die Übersicht fasst vor allem Änderungen und Neuerungen zusammen, über die im vergangenen Jahr in den „PraxisNachrichten“ berichtet wurde. Der Überblick stellt insofern nur eine Auswahl dar.

Abrechnung und Honorar

Orientierungswert um 1,52 Prozent gestiegen

Seit 1. Januar

Der Orientierungswert wurde zum 1. Januar auf 10,9871 Cent angehoben (alt: 10,8226 Cent). Damit steigt die Vergütung für alle ärztlichen und psychotherapeutischen Leistungen um rund 1,52 Prozent. Das bedeutet etwa 565 Millionen Euro mehr für die Versorgung gesetzlich krankenversicherter Patienten.

Auf die Anhebung des Orientierungswertes hatten sich KBV und GKV-Spitzenverband im Sommer letzten Jahres bei den Honorarverhandlungen für 2020 geeinigt. Dabei wurde auch eine Anschubfinanzierung zur Förderung der Videosprechstunde von bis zu 500 Euro pro Arzt und Quartal vereinbart (seit 1. Oktober 2019). Zudem werden seit Jahresbeginn einige Beurteilungs- und Beratungsleistungen im Bereich Humangenetik extrabudgetär vergütet werden, sodass eine Mengenausweitung nicht mehr zulasten des Budgets aller Ärzte geht.

PraxisNachrichten: Honorarverhandlungen abgeschlossen – Orientierungswert für 2020 steht fest (Stand: 23.08.2019)
KBV-Themenseite: Videosprechstunde

Reform: Neuer EBM gilt ab 1. April

Ab 1. April

Am 1. April tritt der überarbeitete Einheitliche Bewertungsmaßstab (EBM) in Kraft. Neu ist neben einigen strukturellen Änderungen, dass sich die Punktzahl einiger Leistungen ändern wird. Denn mit der EBM-Reform wurde die Bewertung aller EBM-Positionen überprüft und an die aktuelle Kostenstruktur angepasst. Dies soll zu einer größeren Honorargerechtigkeit zwischen und innerhalb der Arztgruppen führen. Ein wesentliches Ziel der EBM-Reform ist die Förderung der sprechenden Medizin. Dazu werden Gesprächsleistungen ab April höher bewertet, andere Leistungen wiederum abgesenkt.

KBV und GKV-Spitzenverband haben den neuen EBM Mitte Dezember 2019 im Bewertungsausschuss beschlossen. Dem vorausgegangen waren mehrjährige Verhandlungen. Ein Konfliktpunkt war, dass die Reform ausgaben- und kostenneutral erfolgen musste. Größere Änderungen waren folglich nicht möglich, ohne dass sie zulasten anderer Ärzte oder anderer Arztgruppen gegangen wären.

PraxisNachrichten: Neuer EBM ab 1. April 2020 beschlossen (Stand: 12.12.2019)
KBV-Themenseite: EBM-Weiterentwicklung

TSS: Neuer Zuschlag für Termine zur U-Untersuchung

Seit 1. Januar

Für Früherkennungsuntersuchungen im Kindesalter erhalten Ärzte seit Jahresbeginn nun doch einen Aufschlag, wenn der Termin zeitnah über eine Terminservicestelle (TSS) vermittelt wurde. Die betroffenen Ärzte können eine Zusatzpauschale nach der neuen Gebührenordnungsposition (GOP) 01710 abrechnen, wenn am Behandlungstag ausschließlich eine U-Untersuchung (nur Abschnitt 1.7.1.: ausgenommen Laborleistungen und J1) erfolgt.

Die Höhe der Bewertung der GOP 01710 ist wie bei den TSS-Zuschlägen abhängig von der Wartezeit auf einen Termin (114 Punkte: Termin innerhalb von acht Tagen / 68 Punkte: Termin innerhalb von neun bis 14 Tagen / 45 Punkte: Termin innerhalb von 15 bis 35 Tagen). Erster Zähltag ist auch hier der Tag der Kontaktaufnahme des Patienten bei der TSS. Ursprünglich sollten die TSS-Zuschläge auch für U-Untersuchungen gezahlt werden. Dies hatte allerdings das Bundesgesundheitsministerium moniert, sodass Ärzte nunmehr die neue GOP abrechnen können.

PraxisNachrichten: Vergütungsregelungen für TSS-Termine leicht angepasst (Stand: 12.12.2019)
KBV-Themenseite: TSVG

TSS-Zuschläge auch für ermächtigte Ärzte

Seit 1. Januar

Seit 1. Januar erhalten auch Klinikärzte mit einer „Teil-Ermächtigung“ einen Zuschlag für Patienten, die über eine Terminservicestelle (TSS) vermittelt wurden. Dazu gibt es zwei neue GOP im EBM: Die 01322 als Zuschlag zur GOP 01320 und die 01323 als Zuschlag zur GOP 01321.

Ärzte mit einem vollen Ermächtigungsumfang hingegen rechnen weiterhin die zeitgestaffelten Zuschläge zur Versicherten-, Grund- oder Konsiliarpauschale für Patienten ab, die über eine Terminservicestelle vermittelt werden. Die neuen GOP gelten nur für Ärzte, Institute und Krankenhäuser, die für bestimmte Leistungen zur ambulanten Versorgung ermächtigt sind (Teil-Ermächtigung).

PraxisNachrichten: Vergütungsregelungen für TSS-Termine leicht angepasst (Stand: 12.12.2019)
KBV-Themenseite: TSVG

Fettabsaugung ist jetzt in schweren Fällen Kassenleistung

Seit 1. Januar

Die Kosten für eine Fettabsaugung bei einem Lipödem im Stadium III werden seit dem 1. Januar von den gesetzlichen Krankenkassen übernommen. Pro Operation erhalten Ärzte bis zu 763 Euro, zuzüglich der Kosten für die Lokalanästhesie und die eingesetzte Absaugkanüle.

Um eine Liposuktion durchführen zu können, benötigen Ärzte eine Genehmigung zum ambulanten Operieren. Wer die Indikation stellen und den Eingriff zulasten der gesetzlichen Krankenversicherung vornehmen will, braucht zudem Erfahrung in der Behandlung des Lipödems. Die Übernahme der Kosten ist zunächst auf fünf Jahre befristet, bis Erkenntnisse aus einer Erprobungsstudie zur Wirkung der Liposuktion vorliegen.

PraxisNachrichten: Fettabsaugung ist in schweren Fällen ab 2020 Kassenleistung (Stand: 19.12.2019)

Kassen zahlen für biomarkerbasierten Test bei Brustkrebs

Seit 1. Januar

Ein biomarkerbasierter Test zur Ermittlung des Rezidivrisikos bei einer bestimmten Form von frühem Brustkrebs wird seit 1. Januar von den gesetzlichen Krankenkassen bezahlt. Damit soll die Entscheidung für oder gegen eine adjuvante systemische Chemotherapie unterstützt werden.

Der Test kann ausschließlich bei Patientinnen mit einem primären Hormonrezeptor-positiven, HER2/neu-negativen, nodalnegativen und nicht metastasierten Mammakarzinom angewendet werden, sofern die Empfehlung für oder gegen eine adjuvante systemische Chemotherapie beim primären Mammakarzinom aufgrund klinischer und pathologischer Kriterien allein nicht eindeutig getroffen werden kann. Der kostenintensive Test ist bislang nur in den USA möglich.

PraxisNachrichten: Kassen übernehmen Kosten für biomarkerbasierten Test bei Brustkrebs (Stand: 19.12.2019)

Mutationsuntersuchung vor Verordnung von Lynparza zur Krebstherapie

Seit 1. Januar  

Der Nachweis oder Ausschluss einer Mutation in den Brustkrebsgenen BRCA1 und BRCA2 vor der Verordnung des Arzneimittels Lynparza zur Krebstherapie wird seit Januar über den EBM vergütet. Dazu wurde die neue Gebührenordnungsposition 11601 aufgenommen. Sie ist mit 20.570 Punkten (2260,05 Euro) bewertet, die Vergütung erfolgt extrabudgetär. Humangenetiker, Laboratoriumsmediziner sowie Vertragsärzte mit der Zusatzbezeichnung medizinische Genetik dürfen die Leistung abrechnen.

Hintergrund ist, dass der Gemeinsame Bundesausschuss für den Wirkstoff Olaparib (Handelsname Lynparza) einen Zusatznutzen festgestellt hat. Die Anwendung von Lynparza setzt voraus, dass eine Mutationsuntersuchung in den Genen BRCA1 und BRCA2 in der Keimbahn vorgenommen wurde. Erst danach steht fest, ob Lynparza zur Krebstherapie bei der untersuchten Patientin geeignet ist oder nicht.

PraxisNachrichten: Neue EBM-Leistung: Medikament Lynparza bei Krebstherapie (Stand: 19.12.2019)

Onkologie-Vereinbarung angepasst

Seit 1. Januar  

Die Onkologie-Vereinbarung wurde zum 1. Januar an mehreren Stellen angepasst. Eine Änderung betrifft die Abrechnungsbestimmungen für die orale Tumortherapie und Palliativversorgung. Hier ist die Abrechnung beider Pauschalen im gleichen Behandlungsfall jetzt ausgeschlossen.

Das heißt, der behandelnde Arzt kann bei einem Patienten im Quartal (Behandlungsfall) entweder nur die Kostenpauschale 86520 für die orale Tumortherapie oder die Kostenpauschale 86518 für die Palliativversorgung berechnen. Diese Änderung erfolgt, da die Berechnung der Kostenpauschale 86518 für die Palliativversorgung den Abschluss einer Tumortherapie voraussetzt.

Weitere Änderungen: Die Facharztbezeichnungen für Hämatologen/Onkologen wurden an die aktuelle Musterweiterbildungsordnung der Bundesärztekammer angeglichen (neu: Fachärzte für Innere Medizin und Hämatologie und Onkologie). Zugleich wurde eine Regelung zum Bestandsschutz der bisherigen Bezeichnungen in die Onkologie-Vereinbarung aufgenommen. Außerdem wurde der Begriff „zytostatische Tumortherapie“ durch „medikamentöse Tumortherapie“ ersetzt, um die Onkologie-Vereinbarung an den Stand der medizinischen Wissenschaft und Technik anzupassen.

PraxisNachrichten: Onkologie-Vereinbarung wird zum 1. Januar angepasst (Stand: 19.12.2019)

Verschiedene Detailänderungen im EBM

Seit 1. Januar

Zu Jahresbeginn sind folgende Detailänderungen im EBM in Kraft treten:

Erweitertes Neugeborenen-Screening

Das Erweiterte Neugeborenen-Screening (GOP 01707) kann seit 1. Januar bis zur U3 durchgeführt und abgerechnet werden, sofern die Durchführung noch nicht im Kinderuntersuchungsheft dokumentiert ist.

Optische Kohärenztomographie

Die optische Kohärenztomographie (OCT) kann zur Therapiesteuerung (GOP 06338 und GOP 06339) seit 1. Januar am Operationstag neben den GOP zur intravitrealen Medikamenteneingabe berechnet werden (GOP 31371 beziehungsweise 31372, 31373 sowie GOP 36371 beziehungsweise 36372 und 36373). Die OCT zur Diagnostik und Therapiesteuerung bei Netzhauterkrankungen ist seit Oktober 2019 Kassenleistung.

Glukosemessung mit Real-Time-Messgerät

Fachärzte für Innere Medizin mit einem Schwerpunkt und der Zusatzweiterbildung „Diabetologie“ oder der Qualifikation „Diabetologe Deutsche Diabetes Gesellschaft DDG“ können seit Jahresbeginn die GOP 13360 berechnen (Anleitung zur Selbstanwendung eines Real-Time-Messgerätes zur kontinuierlichen interstitiellen Glukosemessung).

PraxisNachrichten: EBM: Verschiedene Detailänderungen zum 1. Januar (Stand: 19.12.2019)

Anpassung Bundesmantelvertrag-Ärzte: Kodierung mit Ersatzwert „UUU“ entfällt

Seit 1. Januar  

Laborärzte, Pathologen und einige andere Fachgruppen konnten bis Jahresende in der Quartalsabrechnung einen sogenannten Ersatzwert „UUU" anstatt eines ICD-10-Schlüssels angeben. Seit 1. Januar ist stattdessen der ICD-Kode „Z01.7 Laboruntersuchung“ mit dem Zusatzkennzeichen „G“ für die Diagnosesicherheit im Sinne eines Ersatzwertes für bestimmte Konstellationen anzugeben.

Die alte Ersatzwert-Regelung mit „UUU“ basierte auf einer mittlerweile veralteten Empfehlungsvereinbarung, die KBV und mehrere Krankenkassenverbände 2002 geschlossen haben. Da der Ersatzwert „UUU“ nicht Bestandteil der vom Deutschen Institut für Medizinische Dokumentation und Information (DIMDI) veröffentlichten ICD-10-GM ist, erfolgte eine Neuregelung.

PraxisNachrichten: Kodierung mit Ersatzwert "UUU" entfällt: Neuregelung ab Januar (Stand: 07.11.2019)

Anhang 2 wird zum 1. April angepasst

Ab 1. April

Der Anhang 2 zum EBM wird zum 1. April an die Version 2020 des Operationen- und Prozedurenschlüssels des Deutschen Instituts für Medizinische Dokumentation und Information angepasst. Bis dahin gilt die Version 2019 des Anhangs 2 weiter.

Die Umstellung auf die Version 2020 erfolgt erneut erst mit dem zweiten Quartal, da zunächst die Softwarehäuser die aktuelle Fassung des Anhangs 2 des EBM in die Praxisverwaltungssysteme integrieren und die Kassenärztlichen Vereinigungen ihre Abrechnungssoftware anpassen müssen.

Anhang 2 zum EBM

Ambulante spezialfachärztliche Versorgung

Lungentumoren und Sarkoidose werden neue ASV-Leistungen

Im Laufe des Jahres 2020

Das Versorgungsangebot in der ambulanten spezialfachärztlichen Versorgung (ASV) wird dieses Jahr weiterwachsen. So können demnächst Patienten mit Tumoren der Lunge und des Thorax in der ASV behandelt werden. Auch die seltene Erkrankung Sarkoidose wurde in den Versorgungsbereich neu aufgenommen.

Der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) hat dazu im Dezember die Details festgelegt. Sobald der Beschluss in Kraft tritt, können interessierte Ärzte ihre Teilnahme als ASV-Team beim erweiterten Landesausschuss anzeigen. (Die PraxisNachrichten werden darüber berichten.)

Kopf-Hals-Tumoren und neuromuskuläre Erkrankungen werden die nächsten Indikationen sein, die in der ASV behandelt werden können. Der G-BA will dazu in diesem Jahr die Beratungen aufnehmen.

PraxisNachrichten: Interdisziplinäre Behandlung: Lungentumoren und Sarkoidose als neue ASV-Anlagen (Stand: 09.01.2020)
KBV-Themenseite: ASV

Digitalisierung

Gesundheits-Apps künftig verschreibungsfähig

Im Laufe des Jahres 2020

Ab diesem Jahr sollen Ärzte und Psychotherapeuten auf Kosten der gesetzlichen Krankenkassen auch Gesundheits-Apps verordnen können. Allerdings muss eine medizinische Indikation nachgewiesen werden, die für eine digitale Gesundheitsanwendung bestimmt ist. So können Patienten mit Diabetes, Bluthochdruck in der Schwangerschaft oder psychischen Erkrankungen durch eine App unterstützt werden.

Für die Verordnung infrage kommen jedoch nur solche digitalen Gesundheitsanwendungen, die das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) auf Antrag der Hersteller geprüft und vorübergehend genehmigt hat. Der Hersteller hat dann ein Jahr Zeit nachzuweisen, dass die App tatsächlich positive Versorgungseffekte also einen medizinischen Nutzen hat. Das genaue Verfahren der Genehmigung soll eine Rechtsverordnung regeln, die zurzeit noch erarbeitet wird. Ab wann Hersteller Apps zur Prüfung beim BfArM einreichen können und diese dann für die Versorgung bereitstehen, ist daher noch ungewiss.

PraxisNachrichten: Apps auf Rezept – Was mit dem Digitalisierungsgesetz auf die Niedergelassenen zukommt (Stand: 14.11.2019)

Formulare

Reha-Formular wird angepasst

Ab 1. April

Das Formular für die Verordnung einer medizinischen Reha wird zum 1. April angepasst. Es hat künftig ein gesondertes Ankreuzfeld zur Kennzeichnung, dass es sich um eine Reha für einen pflegenden Angehörigen handelt. Außerdem werden Felder ergänzt, um die Versorgung der pflegebedürftigen Angehörigen zu veranlassen. Hintergrund ist das Pflegepersonal-Stärkungsgesetz, mit dem der Leistungsanspruch für pflegende Angehörige erweitert wurde.

Da es sich um eine Stichtagsregelung handelt, dürfen bisher verwendete Formulare ab dem 1. April nicht aufgebraucht werden. Praxen sollten daher rechtzeitig neue Formulare bestellen. Das neue Formular 61 wird auch in den Praxisverwaltungssystemen hinterlegt sein.

PraxisNachrichten: Medizinische Reha: Verordnungsformular wird angepasst (Stand: 09.01.2020)

Künftig nur noch ein Heilmittel-Formular statt drei

Ab 1. Oktober

Für Physiotherapie, Logopädie und alle anderen Heilmittel soll es künftig nur noch ein Verordnungsformular geben statt wie bisher drei. Dies soll die Verordnung von Heilmitteln vereinfachen. Die Einführung des neuen Formulars ist zum 1. Oktober 2020 geplant, wenn die Vorgaben der überarbeiteten Heilmittel-Richtlinie des Gemeinsamen Bundesausschusses praxiswirksam werden (siehe unter „Verordnungen“). KBV und GKV-Spitzenverband verhandeln derzeit letzte Details zum Formular. Ärzte sollen es zur Verordnung aller Heilmittel verwenden: Physiotherapie, Podologie, Ergotherapie, Ernährungstherapie, Stimm-, Sprech-, Sprach- und Schlucktherapie.

PraxisNachrichten: Verordnung von Heilmitteln wird einfacher - Beschluss des G-BA (Stand: 19.09.2019)

Patientenservice

Die neue 116117: Bereitschaftsdienst und TSS unter einem Dach

Seit 1. Januar

Die 116117 bietet seit Jahresbeginn ein deutlich erweitertes Angebot: Sowohl der Bereitschaftsdienst als auch die Terminservicestellen sind nun unter der bundeweit einheitlichen Rufnummer zu erreichen – und zwar rund um die Uhr.

Patienten können sich jetzt 24 Stunden am Tag, sieben Tage die Woche an die 116117 wenden. Ziel ist es, Patienten mit akuten Beschwerden zu helfen, die für sie passende Versorgung zu erhalten. Darüber hinaus haben die Kassenärztlichen Vereinigungen ihren Terminservice unter der bundesweit einheitlichen Nummer 116117 zusammengeführt und vermitteln darüber Termine bei Haus- und Fachärzten sowie Psychotherapeuten.

Ergänzend zum telefonischen Service hat die KBV auch das Online-Angebot für die 116117 ausgebaut. Neben der überarbeiteten Website www.116117.de steht die 116117-App bereit, mit der Patienten nach Bereitschaftsdienstpraxen und Ärzten suchen sowie Termine bei den Terminservicestellen buchen können.

PraxisNachrichten: Die neue 116117: Bereitschaftsdienst und TSS seit Januar unter einem Dach (Stand: 09.01.2020)

Kostenlose Infomaterialien 116117 für das Wartezimmer

Prävention

Krebsfrüherkennungsprogramm Gebärmutterhalskrebs gestartet

Seit 1. Januar

Das neue Programm zur Früherkennung von Gebärmutterhaltskrebs ist zum 1. Januar gestartet. Frauen im Alter zwischen 20 und 34 Jahren haben danach jährlich Anspruch auf eine zytologische Untersuchung. Ab 35 Jahren erfolgt dann alle drei Jahre ein kombiniertes Screening aus zytologischer Untersuchung und einem HPV-Test. Neu ist zudem, dass die Krankenkassen die Frauen alle fünf Jahre mit einer Einladung an die Untersuchung erinnern.

Zur Veranlassung der Tests zur Früherkennung von Gebärmutterhalskrebs nutzen Ärzte das Muster 39. Es wurde überarbeitet und steht nunmehr ausschließlich für diese Zwecke bereit. Für die Abrechnung und Vergütung der Untersuchungen – einschließlich der Abklärungskolposkopie – wurden neue Gebührenordnungspositionen in den EBM aufgenommen.

Zur Evaluation des Programms sind die Ärzte künftig verpflichtet, bestimmte Parameter elektronisch zu dokumentieren. Der genaue Startzeitpunkt für die Dokumentation steht noch nicht fest.

PraxisNachrichten: Früherkennung von Gebärmutterhalskrebs: Vergütung steht fest (Stand: 19.12.2019)
PraxisNachrichten: Angepasstes Muster 39 löst ab Januar vorheriges Formular ab (Stand: 05.12.2019)
KBV-Themenseite: Gebärmutterhalskrebs-Früherkennung

Impfpflicht gegen Masern ab 1. März

Ab 1. März

Für Menschen in Gemeinschafts- und Gesundheitseinrichtungen, die nach 1970 geboren sind, gilt ab 1. März dieses Jahres eine Impfpflicht gegen Masern. Damit will die Bundesregierung die Impfquote erhöhen und mittelfristig eine Elimination der Masern in Deutschland erreichen. Praxispersonal muss eine Masernimpfung nachweisen.

Das Gesetz für den Schutz vor Masern und zur Stärkung der Impfprävention sieht vor, dass Eltern vor Aufnahme ihres Kindes in eine Kita oder Schule nachweisen müssen, dass dieses gegen Masern geimpft oder bereits immun ist. Den Nachweis über einen ausreichenden Impfschutz gemäß der STIKO-Empfehlungen beziehungsweise eine Immunität gegen Masern müssen unter anderen auch Beschäftigte in medizinischen Einrichtungen wie Arztpraxen, ambulanten Pflegediensten oder Krankenhäusern, die ab dem 1. März eingestellt werden, erbringen. Für Mitarbeitende, die zu diesem Zeitpunkt bereits beschäftigt sind, endet die Nachweisfrist am 31. Juli 2021. Bei Verstößen drohen bis zu 2.500 Euro Bußgeld.

PraxisNachrichten: Impfpflicht gegen Masern ab 1. März 2020 (Stand: 14.11.2019)

Jeder Arzt darf impfen und dokumentieren

Ab 1. März

Ab März ist jeder Arzt unabhängig von seinem Fachgebiet zur Durchführung von Schutzimpfungen berechtigt. So können beispielsweise Frauenärzte nicht nur ihre Patientinnen, sondern auch deren Partner impfen und Pädiater auch die Eltern der Kinder und Jugendlichen.

Neu ist weiterhin, dass jeder Arzt Schutzimpfungen in einem Impfausweis oder einer Impfbescheinigung nachtragen darf, auch wenn er nicht selbst geimpft hat. Voraussetzung ist, dass der Patient die Impfung nachweist.

PraxisNachrichten: Impfpflicht gegen Masern ab 1. März 2020 (Stand: 14.11.2019)

Psychotherapie

Systemische Therapie voraussichtlich ab Juli 2020 Kassenleistung

Im Laufe des Jahres 2020

Für die ambulante psychotherapeutische Behandlung von Patienten steht voraussichtlich Mitte dieses Jahres mit der systemischen Therapie ein weiteres Richtlinienverfahren als Kassenleistung zur Verfügung.

Das neue Verfahren kann für alle in der Psychotherapie-Richtlinie festgelegten Indikationen angewendet werden. 

Die systemische Therapie können Vertragsärzte und Vertragspsychotherapeuten voraussichtlich zum 1. Juli 2020 zulasten der gesetzlichen Krankenversicherung durchführen und abrechnen, sofern sie über eine entsprechende Weiterbildung verfügen. Die Abrechnungsgenehmigung erteilt die jeweilige Kassenärztliche Vereinigung. Dafür muss zuvor jedoch noch die Psychotherapie-Vereinbarung angepasst werden. Zudem müssen die bestehenden Formulare für die systemische Therapie modifiziert und Regelungen für das Ausschreibungs- und Bestellungsverfahren der Gutachter getroffen werden. Dies wird voraussichtlich im ersten Quartal 2020 erfolgt sein.

PraxisNachrichten: Systemische Therapie für Erwachsene als neues Psychotherapieverfahren zugelassen (Stand: 28.11.2019)
KBV-Themenseite: Psychotherapie

Qualitätssicherung

Stichprobenprüfungen Arthroskopie wiederaufgenommen

Seit 1. Januar

Zur Qualitätssicherung erfolgen im Bereich Arthroskopie wieder Stichprobenprüfungen. Diese basieren auf der neu gefassten Qualitätsbeurteilungs-Richtlinie Arthroskopie. Anhand der dort festgelegten Beurteilungskriterien werden der OP-Bericht und die während der Operation erstellten Bilddokumentationen bewertet.

In diesem Jahr werden zwei Prozent der Ärzte mit einer Genehmigung für die Arthroskopie geprüft, ab 2021 vier Prozent. Gänzlich neu geregelt ist das Verfahren der Pseudonymisierung patientenbezogener Daten, die durch die Kassenärztliche Vereinigung erfolgt und nicht durch den einzelnen Arzt.

PraxisNachrichten: 2020 wieder Stichprobenprüfungen Arthroskopie – KBV bietet Praxisinfo (Stand: 12.12.2019)
KBV-Themenseite: Qualitätssicherung

Dialyse: Neues sektorenübergreifendes QS-Verfahren

Seit 1. Januar

Für die Nierenersatztherapie (Dialyse und Nierentransplantationen) gelten seit 1. Januar im ambulanten und stationären Sektor dieselben Vorgaben zur Qualitätssicherung (QS). Dabei geht es vor allem um die einheitliche Erfassung und Auswertung von Behandlungsdaten in Praxen als auch in Kliniken.

Dadurch können die unterschiedlichen Behandlungspfade bei chronischem Nierenversagen über einen längeren Zeitpunkt beobachtet werden. Für das neue sektorenübergreifende QS-Verfahren gibt es 15 Qualitätsindikatoren, wovon einige neu entwickelt wurden.

Das neue QS-Verfahren betrifft alle Vertragsärzte, die Dialysen zur Behandlung des chronischen Nierenversagens durchführen.

KBV-Themenseite: Qualitätssicherung (sektorenübergreifend)
PraxisNachrichten: Dialyse: Neue Vorgaben zur Qualitätssicherung ab 2020 – Praxisinfo für Ärzte (Stand: 14.11.2019)

Strahlentherapie: Genehmigungsverfahren vereinfacht

Seit 1. Januar  

Ärzte, die eine Genehmigung für strahlentherapeutische Leistungen bei ihrer Kassenärztlichen Vereinigung beantragen, müssen für das entsprechende Gerät seit Januar keine Gewährleistungserklärung beim Hersteller oder Vertreiber mehr einholen. Das Vorlegen der behördlichen Genehmigung für das Gerät genügt. Außerdem reichen Ärzte mit ihrem Antrag den Sachverständigen-Prüfbericht ein, der bereits für die behördliche Genehmigung erforderlich war.

Weitere Nachweise zur apparativen Ausstattung werden in der aktualisierten Qualitätssicherungsvereinbarung zur Strahlendiagnostik und -therapie nicht mehr gefordert.

PraxisNachrichten: Genehmigungsverfahren für Strahlentherapie ab Januar einfacher (Stand: 19.12.2019)

Verordnungen

Mehr Geld für Arznei- und Heilmittel in 2020

Seit 1. Januar

Das Ausgabenvolumen für Arzneimittel steigt in diesem Jahr um 4,2 Prozent, für Heilmittel um 0,9 Prozent. Das sehen die bundesweiten Rahmenvorgaben vor, auf die sich KBV und GKV-Spitzenverband geeinigt haben. Grund für den Zuwachs bei Arzneimitteln ist der Einsatz innovativer Präparate. Diese kommen vor allem onkologischen Patienten zugute.

Die Rahmenvorgaben bilden die Basis für die regionalen Verhandlungen zu den Ausgabenvolumina, die die Kassenärztlichen Vereinigungen mit den Krankenkassen vor Ort führen. Neben den auf Bundesebene vereinbarten Anpassungsfaktoren wie Preisentwicklung und Einsatz innovativer Arzneimittel werden bei den Verhandlungen auf der regionalen Ebene weitere Faktoren wie Alter und Anzahl der Versicherten berücksichtigt.

PraxisNachrichten: Mehr Geld für Arznei- und Heilmittel in 2020 (Stand: 10.10.2019)

Mehrfachverordnungen für chronisch Kranke möglich

Ab 1. März

Für Patienten, die dauerhaft ein bestimmtes Medikament einnehmen, können Ärzte ab März sogenannte Mehrfachverordnungen ausstellen.  Apotheker dürfen dann das verordnete Arzneimittel bis zu vier Mal innerhalb eines Jahres abgeben, ohne dass der Patient erneut zum Arzt geht. Voraussetzung: Der Arzt hat das Rezept entsprechend gekennzeichnet. Das sieht eine neue gesetzliche Regelung vor, die zum 1. März in Kraft tritt.

PraxisNachrichten: Impfpflicht gegen Masern ab 1. März 2020 (Stand: 14.11.2019)

Lipödem auf Diagnoseliste für Patienten mit besonderem Verordnungsbedarf

Seit 1. Januar  

Das Lipödem ist seit Januar als Erkrankung mit einem besonderen Verordnungsbedarf anerkannt. Damit fallen manuelle Lymphdrainagen als Heilmittel bei einem Lipödem unter die Regelungen des besonderen Verordnungsbedarfs und die Kosten für die Verordnung werden bei Wirtschaftlichkeitsprüfungen aus dem Verordnungsvolumen des Vertragsarztes herausgerechnet. Die Diagnoseliste für Patienten mit einem besonderen Verordnungsbedarf wurde um das Lipödem ergänzt und steht in aktualisierter Fassung bereit.

PraxisNachrichten: Diagnoseliste für Patienten mit besonderem Verordnungsbedarf erweitert (Stand: 19.12.2019)

Software informiert über Zusatznutzen von Arzneimitteln

Ab 1. Juli

Ärzte können sich ab Juli 2020 direkt bei der Verschreibung eines neuen Arzneimittels über den Zusatznutzen informieren. Die Verordnungssoftware wird dann wesentliche Ergebnisse der frühen Nutzenbewertung enthalten, die der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) vornimmt. Hintergrund ist eine gesetzliche Vorgabe. Danach sollen Ärzte künftig besser als bisher über die Beschlüsse des G-BA informiert werden. Das Gremium hat seit 2011 die Aufgabe, alle neuen Arzneistoffe sofort nach Markteinführung mit bewährten Therapiealternativen zu vergleichen, also eine frühe Nutzenbewertung vorzunehmen. 

PraxisNachrichten: Neue Anforderungen an Verordnungssoftware ab Juli 2020 (Stand: 19.12.2019)
PraxisNachrichten: Elektronische Arzneimittelinformationen-Verordnung gültig (Stand: 08.08.2019)

Heilmittelverordnung wird einfacher

Ab Oktober  

Die Heilmittelverordnung wird ab Oktober einfacher. Die komplizierte Regelfallsystematik und die aufwändige und trotzdem unsichere Bemessung der „behandlungsfreien Intervalle“ werden von einfachen und klaren Regelungen abgelöst. Auch der Heilmittel-Katalog wird überschaubarer. Außerdem soll es ab Oktober nur noch ein Verordnungsformular für Heilmittel geben und nicht mehr drei verschiedene (siehe unter „Formulare“). Dies müssen KBV und GKV-Spitzenverband aber noch beschließen.

Die überarbeitete Heilmittel-Richtlinie des Gemeinsamen Bundesausschusses ist zwar schon im September 2019 beschlossen worden. In Kraft tritt sie aber erst ab Oktober 2020. Denn nun müssen zunächst die neuen Vorgaben in die Software implementiert werden, was die Verordnung von Heilmitteln zusätzlich leichter machen soll. 

Die Änderungen sollen neben den Ärzten auch den Heilmittelerbringern und Patienten zugutekommen. So kann eine Heilmittelbehandlung ab Oktober bis zu 28 Tage statt 14 Tage nach Verordnungsdatum begonnen werden. Dies soll zu weniger nachträglichen Änderungswünschen des Verordnungsdatums von Patienten und Heilmittelerbringern bei den Vertragsärzten führen.

PraxisNachrichten: Verordnung von Heilmitteln wird einfacher – Beschluss des G-BA (Stand: 19.09.2019)

Häusliche Krankenpflege: Wunden sollen besser versorgt werden

Im Laufe des ersten Halbjahres 2020

Die Pflege chronischer und schwer heilender Wunden soll vorrangig in der Häuslichkeit erfolgen und außerhalb nur unter bestimmten Bedingungen, zum Beispiel aus Hygienegründen. Dies hat der Gemeinsame Bundesausschuss klargestellt und die Richtlinie für häusliche Krankenpflege geändert. Auch wurde klargestellt, dass die ambulanten Pflegedienste an die ärztlich verordneten und von der Krankenkasse genehmigten Leistungen der häuslichen Krankenpflege gebunden sind. Zudem müssen Pflegedienste die ärztliche Praxis bei Veränderungen der häuslichen Pflegesituation oder nach ärztlicher Aufforderung informieren. Dies alles soll die häusliche Wundpflege verbessern.

Diese bereits beschlossene Änderung der Richtlinie trat im Dezember 2019 in Kraft, derzeit prüft der Bewertungsausschuss, inwieweit dies Auswirkungen auf den EBM hat. Erst danach sind die neuen Leistungen verordnungsfähig, voraussichtlich im Laufe des ersten Halbjahres 2020. Das Verzeichnis der Leistungen der häuslichen Krankenpflege wird zeitgleich entsprechend angepasst.

PraxisNachrichten: Häusliche Versorgung chronischer und schwer heilender Wunden geregelt (Stand: 12.12.2019)

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