Logo-KBV

KBV Hauptnavigationen:

Sie befinden sich:

 

Praxisnachrichten

Ersteinschätzungsverfahren gestartet: Praxen können jetzt Akuttermine extrabudgetär abrechnen

16.01.2020 - In medizinisch dringenden Fällen können Patienten über die 116117 seit Jahresbeginn einen Termin innerhalb von 24 Stunden erhalten. Ärzte, die den Termin bereitstellen, erhalten alle Leistungen extrabudgetär vergütet sowie einen Zuschlag. Dafür kennzeichnen sie die Abrechnung als „TSS-Akutfall“.

Der „TSS-Akutfall“ ist nur für Fälle gedacht, bei denen sich Patienten mit akuten Gesundheitsproblemen an die 116117 wenden und die medizinische Ersteinschätzung ergibt, dass der Anrufer dringend einen Arzt aufsuchen sollte. Er erhält dann einen Termin innerhalb von 24 Stunden beim Arzt und wird in der Abrechnung zum „TSS-Akutfall".

Extrabudgetäre Vergütung und 50-prozentiger Zuschlag

In diesem Fall werden alle Leistungen im Arztgruppenfall und damit gesamten Quartal extrabudgetär vergütet. Zusätzlich gibt es einen Zuschlag auf die Versicherten-, Grund- oder Konsiliarpauschale in Höhe von 50 Prozent. Praxen kennzeichnen dafür ihre Abrechnung entsprechend und geben eine Gebührenordnungsposition für den Zuschlag an (s. Kasten).

Terminservice- und Versorgungsgesetz

Der TSS-Akutfall geht zurück auf das Terminservice- und Versorgungsgesetz (TSVG), das im Mai 2019 in Kraft getreten ist. Ein Ziel ist es, dass Patienten schneller Termine beim Arzt oder Psychotherapeuten bekommen. Das Gesetz sieht dazu eine zusätzliche Vergütung vor.

So erhalten Praxen alle Leistungen im Arztgruppenfall zu festen Preisen vergütet sowie einen Zuschlag zur Versicherten- oder Grundpauschale, wenn die Patienten über die Terminservicestellen (TSS) innerhalb von fünf Wochen einen Termin erhalten haben. Zugleich sind die Praxen gesetzlich verpflichtet, freie Termine ihrer Kassenärztlichen Vereinigung zu melden.

Damit die Praxen das Geld auch erhalten, müssen die Fälle in der Abrechnung gekennzeichnet werden. Dies gilt auch für die offene Sprechstunde und die Behandlung von neuen Patienten (s. Kasten).

Ersteinschätzung läuft seit Januar

Unter der Telefonnummer 116117 erhalten Patienten seit Jahresbeginn rund um die Uhr Hilfe bei akuten Beschwerden. Speziell geschulte Mitarbeiter nehmen das Anliegen der Anrufer auf, treffen eine erste Einschätzung, wie dringlich sie behandelt werden müssen und vermitteln sie an die richtige Anlaufstelle. Das kann – je nach Krankheitsbild und Zeitpunkt – der Haus- oder Facharzt, die Bereitschaftspraxis oder die Notaufnahme sein. Unter der 116117 sind auch die Terminservicestellen erreichbar.

TSS-Akutfall: So rechnen Sie ab

  • Damit alle Leistungen im Arztgruppenfall extrabudgetär vergütet werden, kennzeichnen Sie Ihre Abrechnung unter „Vermittlungsart" als „TSS-Akutfall".
  • Für die Abrechnung des Zuschlags geben Sie die entsprechende GOP an (siehe Übersicht hier).
  • GOP mit A kennzeichnen: Für den 50-prozentigen Zuschlag fügen Sie den Buchstaben A hinzu (z. B. Augenärzte: GOP 06228A). Den Rest übernimmt das Praxisverwaltungssystem: Es ersetzt die angegebenen GOP automatisch und nachvollziehbar für die Praxis durch die altersklassenspezifischen GOP für die Zuschläge zu den Versicherten-, Grund- oder Konsiliarpauschalen.

Bereinigung: Die extrabudgetäre Vergütung der Behandlung (nicht der Zuschläge) geht allerdings mit einer Bereinigung der morbiditätsbedingten Gesamtvergütung (MGV) einher. Dazu wird die MGV ein Jahr lang um die Leistungen reduziert, die innerhalb eines Jahres nach Inkrafttreten der jeweiligen TSVG-Konstellation abgerechnet werden (unter Berücksichtigung der Auszahlungsquote).

TSVG-Konstellationen: Kurz-Übersicht zur Abrechnung

Terminvermittlung durch die Terminservicestellen (TSS)

TSS-Terminfall

  • Abrechnungsschein im Praxisverwaltungssystem (PVS) als „TSS-Terminfall“ kennzeichnen
  • Arztgruppenspezifische Gebührenordnungsposition (GOP) für Zuschlag angeben
  • GOP je nach Länge der Wartezeit mit Buchstaben B, C oder D kennzeichnen

TSS-Aktufall

  • Abrechnungsschein im PVS als „TSS-Akutfall“ kennzeichnen
  • Arztgruppenspezifische GOP für den Zuschlag angeben
  • GOP mit Buchstaben A kennzeichnen

Hausarzt vermittelt Termin beim Facharzt

Hausarzt / Kinder- und Jugendarzt

  • Behandlungsnotwendigkeit feststellen und Termin innerhalb von vier Tagen vermitteln
  • GOP 03008 bzw. 04008 für den Zuschlag angeben
  • Betriebsstättennummer der Facharztpraxis angeben

Facharzt

  • 4-Tage-Frist seit Feststellung der Behandlungsnotwendigkeit durch den Hausarzt prüfen
  • Überweisungsschein im PVS anlegen (Original muss nicht an die KV geleitet werden) und als „HA-Vermittlungsfall“ kennzeichnen

Offene Sprechstunde

  • Abrechnungsschein im PVS als „Offene Sprechstunde“ kennzeichnen

Aufnahme neuer Patienten

  • Prüfen, ob Patient im aktuellen und in den acht vorangegangenen Quartalen in der Praxis war
  • Abrechnungsschein im PVS als „Neupatient“ kennzeichnen

Ausführliche Informationen:
Terminservice- und Versorgungsgesetz: Übersicht zur Vergütung (PDF, 232 KB)

Mehr zum Thema

zu den PraxisNachrichten