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Praxisnachrichten

Heilmittel-Verordnung wird einfacher

Nur noch ein Formular für die Heilmittelverordnung

16.01.2020 - Künftig gibt es nur noch ein Formular für die Heilmittelverordnung statt drei. Die Einführung erfolgt zum 1. Oktober 2020, wenn die überarbeitete Heilmittel-Richtlinie in Kraft tritt. Dann soll auch die Verordnungssoftware angepasst sein und die Ärzte unterstützen.

Bisher gibt es ein Formular für Physiotherapie und Podologie, eins für Ergotherapie und Ernährungstherapie und eins für Stimm-, Sprech-, Sprach- und Schlucktherapie. „Das wird auf ein Formular zusammengedampft“, sagte der Vize-Vorstandsvorsitzende der KBV, Dr. Stephan Hofmeister, im Interview mit KV-on. „Das heißt, auch hier wird entbürokratisiert“.

KBV und GKV-Spitzenverband haben das neue Formular vereinbart, weil durch die überarbeitete Heilmittel-Richtlinie ab 1. Oktober 2020 zahlreiche Angaben nicht mehr benötigt werden – und somit die entsprechenden Formularfelder entfallen können.

Was durch die Heilmittel-Richtlinie ab Oktober für Ärzte einfacher wird, erläutert Hofmeister im Video-Interview mit KV-on. Dazu gehören der Wegfall der Regelfallsystematik und des Genehmigungsverfahrens (die PraxisNachrichten berichteten).

Verordnungssoftware wird angepasst

Da ab Oktober neue Vorgaben gelten, haben KBV und GKV-Spitzenverband auch die Anforderungen an die Heilmittelverordnungssoftware neu gefasst und den Herstellern übermittelt.

Die Softwarehersteller haben nun ausreichend Zeit, ihre Produkte anzupassen. Die KBV wird dies in einem Zertifizierungsverfahren überprüfen. Denn Vertragsärzte sind gesetzlich verpflichtet, nur eine von der KBV zertifizierte Software einzusetzen, wenn sie Heilmittel elektronisch verordnen (§ 73 Absatz 10 SGB V).
Bei den Anforderungen geht es zum Beispiel darum, welche Daten die Software verarbeiten muss (z. B. Inhalte des Heilmittelkatalogs) oder welche Dokumentationen im Rahmen der softwaregestützten Verordnung erfolgen müssen.

Neues Formular orientiert sich am „Workflow“ in der Praxis

Die Formularfelder wurden so angeordnet, dass sie sich am Arbeitsablauf („Workflow“) in der ärztlichen Praxis orientieren.

Ärzte kreuzen zunächst an, ob sie Physiotherapie, Podologie, Ergotherapie, Ernährungstherapie oder Stimm-, Sprech-, Sprach- und Schlucktherapie verordnen. Anschließend geben sie die weiteren erforderlichen Daten an, unter anderem Diagnose, Leitsymptomatik, Heilmittel und Therapiefrequenz.

Viele Formularfelder konnten entfallen, weil die Angaben durch die neue Heilmittel-Richtlinie ab Oktober nicht mehr benötigt werden, zum Beispiel Erst- und Folgeverordnung oder Begründung für Verordnungen außerhalb des Regelfalls.

Auch die Felder für das Tonaudiogramm sowie den Trommelfell- und Stimmbandbefund (bisher auf Formular 14 für die Stimm-, Sprech-, Sprach- und Schlucktherapie) entfallen. Diese werden nur selten befüllt, da die Grafiken in der Regel direkt aus dem Messgerät heraus erstellt werden. Sofern die entsprechenden Befunde künftig erforderlich sind, können sie als Freitext angegeben oder der Verordnung beigefügt werden.

Einführung zum 1. Oktober

Das neue Heilmittel-Formular gilt ab 1. Oktober 2020. Dann dürfen die bisherigen Formulare nicht mehr verwendet werden. Praxen sollten daher rechtzeitig bestellen. Das Formular wird dann auch in der Software hinterlegt sein.

Ab Oktober 2020: Das neue Formular für alle Heilmittel

Das neue Verordnungsformular für alle Heilmittel sieht folgende Angaben vor:

Heilmittelbereich

Ärzte kreuzen an, ob sie Physiotherapie, Podologie, Ergotherapie, Ernährungstherapie oder Stimm-, Sprech-, Sprach- und Schlucktherapie verordnen.

Die Angabe soll dem Patienten helfen, den richtigen Therapeuten zu finden.

Diagnose/Diagnosegruppe

Wie bisher werden die Diagnosegruppe (gemäß Heilmittelkatalog) und die behandlungsrelevante Diagnose im Format ICD-10 angegeben.

In der Verordnungssoftware wird der Diagnoseklartext dann automatisch eingefügt und kann bei Bedarf ergänzt werden.

Wie bisher kann eine weitere Diagnose angegeben werden. Sie ist nur dann notwendig, wenn ein besonderer Verordnungsbedarf geltend gemacht werden soll, bei dem die Angabe eines zweiten ICD-10-Codes Voraussetzung ist.

Leitsymptomatik

Weiterhin Pflicht ist die Angabe der Leitsymptomatik.

Künftig sind dafür gesonderte Ankreuzfelder vorgesehen. Damit können entweder eine oder mehrere buchstabenkodierte Leitsymptomatik(en) nach Heilmittelkatalog ausgewählt werden. In diesem Fall wird die Verordnungssoftware wieder den Klartext automatisch auf das Formular hinzufügen.

Alternativ kann eine patientenindividuelle Leitsymptomatik, die für die Heilmittelbehandlung handlungsleitend ist, formuliert und im Freitextfeld angegeben werden. Voraussetzung ist, dass diese Leitsymptomatik der jeweiligen Diagnosegruppe zugeordnet werden kann und mit den im Heilmittelkatalog aufgeführten Regelbeispielen vergleichbar ist.

Heilmittel gemäß Katalog und Behandlungseinheiten

Zukünftig können bis zu drei vorrangige sowie ein ergänzendes Heilmittel gleichzeitig verordnet werden, wofür jeweils gesonderte Felder bestimmt sind.

Die Verordnungssoftware bietet entsprechend der angegebenen Diagnosegruppe die verordnungsfähigen Heilmittel (gemäß Heilmittelkatalog) zur Auswahl an.

Dabei kann die Behandlungszeit festgelegt werden, zum Beispiel 45 Minuten bei der manuellen Lymphdrainage (MLD-45) oder 30 Minuten bei der Sprachtherapie (Sprachtherapie-30). Zudem wird definiert, ob die Maßnahme als Einzeltherapie (KG) oder als Gruppentherapie erfolgen soll (KG Gruppe).

Wie bisher sind den Heilmitteln die Behandlungseinheiten zuzuordnen, wobei die Anzahl den Wert gemäß Heilmittelkatalog nicht überschreiten darf.

Bei Verordnung mehrerer Heilmittel sind die Einheiten entsprechend aufzuteilen. Die Höchstmenge eines ergänzenden Heilmittels richtet sich nach den verordneten Behandlungseinheiten des vorrangigen Heilmittels.

Therapiefrequenz

Die Therapiefrequenz wird von der Software künftig als Therapiespanne (in der Regel „1-3 x wöch.“) vorbelegt.

Sie ist jedoch wie bisher nur eine Empfehlung und dient zur Orientierung. In medizinisch begründeten Fällen können Ärzte davon abweichen, ohne dass eine zusätzliche Dokumentation erforderlich ist. Heilmitteltherapeuten sind an die ärztlich angegebene Therapiespanne gebunden und dürfen davon nur nach Abstimmung mit dem verordnenden Arzt abweichen.

Therapiebericht, Hausbesuch und Therapieziele

Bezüglich der Verordnung eines Hausbesuches sind keine Änderungen erfolgt. Bei Anforderung eines Therapieberichts entfällt ein Ankreuzfeld, indem bei Verzicht auf einen Therapiebericht keine Kennzeichnung mehr erfolgen muss. Die Angabe von Therapiezielen bleibt für die Vertragsärzte freiwillig.

Kennzeichnung „Dringlicher Behandlungsbedarf“

Mit der Änderung der Heilmittel-Richtlinie verlängert sich die Gültigkeit der Verordnung von 14 auf 28 Tage.

Das Feld zur Angabe eines späteren Behandlungsbeginns entfällt. Gleichzeitig kann es aber medizinisch notwendig werden, dass die Behandlung früher begonnen wird. In diesem Fall ist das Feld „dringlicher Behandlungsbedarf“ anzukreuzen.

Rückseite

Die Rückseite der Verordnung wurde ebenfalls überarbeitet. Sie enthält aber nach wie vor nur Angaben, die für Therapeuten, Patienten oder Krankenkassen relevant sind.

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