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EBM-Reform: So wird die sprechende Medizin gefördert

23.01.2020 - Gesprächsleistungen werden ab 1. April besser vergütet. Das ist ein Ergebnis der EBM-Reform, die die KBV und der GKV-Spitzenverband im Dezember beschlossen haben.

Von der Anhebung profitieren vor allem Hausärzte sowie die Fachgruppen der Psychotherapie, Psychosomatik, Psychiatrie, Neurologie und Nervenheilkunde. Auch grundversorgende Fachärzte sollen mehr Honorar für Gesprächsleistungen bekommen.

Das problemorientierte ärztliche Gespräch (GOP 03230/04230) in der Hausarztpraxis beispielsweise ist ab April mit 128 Punkten (14,06 Euro) bewertet – das sind 42 Prozent mehr als bisher. Das neurologische Gespräch (GOP 16220) steigt von 90 Punkten (9,89 Euro) auf 154 Punkte (16,92 Euro), ebenso das psychosomatische Gespräch (s. Übersicht unten).

Mit der Anhebung der Bewertung von Gesprächsleistungen soll die sprechende Medizin gefördert werden. Dies war ein Auftrag des Gesetzgebers an die Verhandlungspartner der EBM-Weiterentwicklung. Gleichzeitig sollten die technischen Leistungen überprüft und die Bewertung abgesenkt werden. Denn die Reform des EBM muss ausgabenneutral erfolgen, so die Vorgabe.

KBV und GKV-Spitzenverband haben dies bei der Weiterentwicklung des EBM entsprechend umgesetzt. Dadurch werden technische Leistungen, zum Beispiel Ultraschall- oder Röntgenuntersuchungen, ab April niedriger bewertet als bisher. Dies trifft vor allem Radiologen, Strahlentherapeuten, Nuklearmediziner sowie fachärztliche Internisten.

Auch die Bewertung anderer EBM-Leistungen wurde angepasst. So werden die Versichertenpauschalen und deren Zusatzpauschalen (GOP 03040/04040) der Haus- und Kinder- und Jugendärzte abgesenkt. Dem gegenüber steht die Höherbewertung des problemorientierten ärztlichen Gesprächs (GOP 03230/04230), welche die Absenkung der Bewertung der Versicherten- und Zusatzpauschalen überkompensiert und insgesamt zu einem Plus führt.

Folgende Fachgruppen können mit einem Honorarzuwachs rechnen, zum Beispiel Nervenärzte mit 6,2 Prozent und Psychiater mit 6,4 Prozent. Bei den Hausärzten ergibt sich ein Plus von 1 Prozent.  

Die Gesprächsleistungen aller anderen fachärztlichen Gruppen werden ebenfalls höher bewertet. Diese sind allerdings Teil der Grundpauschalen, deren Bewertung von vielen weiteren Faktoren abhängt, zum Beispiel Zeitbedarf und Höhe der Praxiskosten. Deshalb führt die Anhebung der Gesprächsleistungen nicht bei allen Fachgruppen zu einer höheren Grundpauschale.

Psychotherapie unverändert

Von der Höherbewertung der Gesprächsleistungen profitieren auch Psychotherapeuten. Der Zuwachs beträgt insgesamt 2,5 Prozent. Unverändert bleibt allerdings das Honorar für die Therapiestunden. Ein Grund ist, dass die Bewertung erst im vergangenen Jahr erheblich angehoben wurde – um insgesamt rund 220 Millionen Euro jährlich (die PraxisNachrichten berichteten).

Übersicht: Gesprächsleistungen

Die Gesprächsleistungen im EBM werden zum 1. April 2020 höher bewertet, um die sprechende Medizin zu fördern.

Beispiele für Allgemeinmedizin / Kinder- und Jugendmedizin:

  • GOP 03230/04230 – problemorientiertes ärztliches Gespräch
    128 Punkte / 14,06 Euro (alt: 90 Punkte / 9,89 Euro)
  • GOP 04430 – neuropädiatrisches Gespräch
    128 Punkte / 14,06 Euro (alt: 90 Punkte / 9,89 Euro)
  • GOP 30944 – Aufklärung und Beratung eines Risikopatienten oder einer positiv nachgewiesenen MRSA-Kontaktperson
    128 Punkte / 14,06 Euro (alt: 90 Punkte / 9,89 Euro)

Beispiele für Psychotherapie, Psychosomatik, Psychiatrie, Neurologie und Nervenheilkunde

Die Gesprächsleistungen der Kapitel 14, 16, 21, 22 und 23 wurden darüber hinaus untereinander angeglichen:

  • GOP 14220 – kinder- und jugendpsychiatrisches Gespräch
    154 Punkte / 16,92 Euro (alt: 136 Punkte / 14,94 Euro)
  • GOP 16220 – neurologisches Gespräch
    154 Punkte / 16,92 Euro (alt: 90 Punkte / 9,89 Euro)
  • GOP 21220 – psychiatrisches Gespräch
    154 Punkte / 16,92 Euro (alt: 136 Punkte / 14,94 Euro)
  • GOP 22220 – psychotherapeutisches Gespräch
    154 Punkte / 16,92 Euro (alt: 108 Punkte / 11,87 Euro)
  • GOP 22221 – psychosomatisches Gespräch
    154 Punkte / 16,92 Euro (alt: 90 Punkte / 9,89 Euro)
  • GOP 23220 – psychotherapeutisches Gespräch
    154 Punkte / 16,92 Euro (alt: 108 Punkte / 11,87 Euro)

EBM für das 2. Quartal 2020 als Gesamtfassung online

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