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Praxisnachrichten

MIOs: neue Standards für den Datenaustausch

Medizinische Informationsobjekte sollen Versorgungsalltag erleichtern

23.01.2020 - Die Zukunft des Informationsaustauschs im medizinischen Alltag nimmt konkrete Formen an. So sollen kleine digitale Informationsbausteine, sogenannte Medizinische Informationsobjekte, die Online-Kommunikation im Gesundheitswesen schon bald erleichtern.

Die KBV hat vom Gesetzgeber den Auftrag erhalten, diese medizinischen Informationen sektorenübergreifend zu standardisieren. Ziel ist, dass die Information von verschiedenen Akteuren und Systemen – zum Beispiel unterschiedlicher Praxis- und Krankenhaussoftware – „gelesen“ und verwendet werden kann.

Im ersten Schritt geht es um die Inhalte der elektronischen Patientenakte (ePA), die die gesetzlichen Krankenkassen in einer ersten Version ab dem kommenden Jahr ihren Versicherten anbieten müssen. Ziel der Akte ist es, Informationen zum Gesundheitszustand und vorgenommenen Maßnahmen möglichst leicht zugänglich und nutzbar zu machen. Dazu sollen die Daten standardisiert und strukturiert erfasst und abgelegt werden – vom Arzt in der Praxis ebenso wie vom Arzt im Krankenhaus oder vom Apotheker.

Gassen: Grundlage für die Digitalisierung

„Was zunächst einmal sehr technisch und trocken klingt, ist nichts weniger als die Grundlage für eine sinnvolle Digitalisierung im Gesundheitswesen“, sagte Dr. Andreas Gassen, Vorstandsvorsitzender der KBV, die das Konzept für die Medizinischen Informationsobjekte (MIO) erstellt hat. „Die KBV übernimmt damit eine Pionierrolle wohl nicht nur in Deutschland, denn eine sektorenübergreifende Standardisierung gab es in dieser Form bislang nicht.“

Daten zum Impfen schnell verfügbar

Die Arbeiten am ersten Medizinischen Informationsobjekt, dem Impfpass, sind bereits so weit fortgeschritten, dass es Mitte 2020 definiert sein soll. Anschließend werden das zahnärztliche Bonusheft, der Mutterpass und das U-Untersuchungsheft folgen.

Für die elektronische Patientenakte werden MIOs ein elementarer Bestandteil sein. Etwa lassen sich Impfungen in der ePA so dokumentieren, dass die behandelnden Ärzte alle wesentlichen Daten komfortabel abrufen können – egal mit welcher Software sie arbeiten. Impflücken können durch Auswertung der Daten schnell erkannt werden und es ist schnell zu sehen, bis wann eine Immunisierung vorhanden ist.

„Daraus lassen sich Erinnerungsfunktionen generieren, sodass Praxen ihre Patienten rechtzeitig über eine fällige Impfung informieren können“, sagte Dr. Stephan Hofmeister, stellvertretender Vorstandsvorsitzender der KBV. „Des Weiteren lässt sich die Impfhistorie in einer Übersicht darstellen. Als Arzt oder Ärztin sehen Sie sofort, welcher Impfstoff wann verwendet wurde.“

Durch solche Funktionen, die mit strukturierten Daten arbeiten, könnten Ärzte – und auch Patienten –  in der ePA filtern und Informationen je nach Interesse zuschneiden – etwa auf einen bestimmten Befund.

Transparente Pionierarbeit

Das Konzept der MIOs hat die KBV entwickelt. Bei der Entwicklung der technischen und inhaltlichen Standards und in einem öffentlichen Kommentierungsverfahren bezieht sie jedoch externe Expertise mit ein.

Auch die Festlegung erfolgt im Rahmen einer Benehmensherstellung mit mehr als 20 Institutionen aus dem Gesundheitswesen. „Wir knüpfen ein eigenes, weit gespanntes MIO-Netzwerk und gestalten ganz bewusst das Verfahren transparent“, sagte Dr. Thomas Kriedel, Vorstandsmitglied der KBV. „Das tun wir, weil wir davon überzeugt sind, dass es nur gemeinsam mit allen Partnern gelingen kann, diese Pionierarbeit gut zu bewältigen und gute Ergebnisse zu erzielen.“

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