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Praxisnachrichten

Ambulante Weiterbildung auf dem Vormarsch - Junge Ärzte an Niederlassung interessiert

30.01.2020 - Ärzte, die sich für eine ambulante Weiterbildung interessieren, werden immer jünger. Das ist ein Ergebnis des Evaluationsberichts 2018. Damit ist zu erwarten, dass ärztlicher Nachwuchs perspektivisch früher in die ambulante Versorgung einsteigt.  

Während das Durchschnittsalter der Ärzte in Weiterbildung (AiW) im allgemeinmedizinischen Bereich 2016 noch 40,3 betrug, lag es 2018 bei 38,3 Jahren. Die Mediziner in der Weiterbildungsförderung der weiteren Facharztgruppen sind im Durchschnitt 35,2 Jahre alt – ein Jahr jünger als zum Förderstart in 2016. 

Förderprogramm zeigt Wirkung

„Das vor vier Jahren im V. Sozialgesetzbuch verankerte erweiterte Förderprogramm Weiterbildung zeigt somit Wirkung“, resümiert der stellvertretende KBV-Vorstandsvorsitzende Dr. Stephan Hofmeister. Damit sei die Weiterbildung umfassender und attraktiver gefördert worden. So sei unter anderem die Zahl der Förderstellen angehoben und der monatliche Förderbetrag von 3.500 auf 4.800 Euro erhöht worden.

Kinder- und Jugendmedizin beliebt

Insgesamt wurden in den weiteren Facharztgruppen 1.621 AiW (736 Vollzeitstellen) in 2018 gefördert. Davon strebten 24 Prozent einen Facharzt für Kinder- und Jugendmedizin, 17 Prozent einen Facharzt für Augenheilkunde an. Jeweils 15 Prozent wollten in den Fachgebieten Dermatologie und Gynäkologie tätig sein.Generell etabliert sich die ambulante Weiterbildung immer mehr, was unter anderem an der hohen Nachfrage nach Förderstellen bei Fachärzten abzulesen ist. 

72 Prozent der AiW sind Frauen

Rund 280 Millionen Euro flossen für die Weiterbildung 2018 in die von Kassenärztlichen Vereinigungen (KVen) und Krankenkassen paritätisch finanzierten Gehaltszuschüsse im vertragsärztlichen Bereich, davon rund 42 Millionen für Weiterbildungsstellen in der fachärztlichen Versorgung. Die Anzahl aller geförderten Ärzte in Weiterbildung hat in 2018 gegenüber dem Vorjahr um insgesamt 14,8 Prozent zugenommen.  

Etwa 72 Prozent aller AiW sind weiblich, was verglichen mit den vergangenen Jahren eine relative Konstante darstellt. Dagegen setzt sich der 2015 einsetzende Trend mit zunehmender Teilzeitbeschäftigung fort: Während 2015 noch 31 Prozent in Teilzeit beschäftigt waren, betrug deren Anteil 2018 41 Prozent.

Regionale Auswahl bei weiteren Fachgruppen 

Bundesweit werden derzeit mindestens 7.500 allgemeinmedizinische Weiterbildungsstellen für den ambulanten und stationären Bereich gefördert. Weitere 2.000 Stellen stehen jährlich ausschließlich für die ambulante Weiterbildung von Fachärzten anderer Fachgruppen wie Augenheilkunde, Kinder- und Jugendmedizin oder Gynäkologie bereit.

Welche Fächer es konkret sind, legen die KVen gemeinsam mit den Krankenkassen vor Ort fest. So haben sie die Möglichkeit, Ärzte in den Fachgruppen weiterzubilden, die in der Region im ambulanten Bereich besonders benötigt werden.

Gehaltszuschuss für Ärzte in Weiterbildung

Der monatliche Gehaltszuschuss für Ärzte in Weiterbildung beträgt im ambulanten Bereich je Vollzeitstelle 4.800 Euro und orientiert sich damit an der im Krankenhaus üblichen Vergütung. In der allgemeinmedizinischen Weiterbildung gibt es weitere Zuschüsse, wenn die weiterbildende Praxis in einem unterversorgten Gebiet (500 Euro) oder in einem von Unterversorgung bedrohten Gebiet liegt (250 Euro).

Was Ärzte wissen sollten, die in ihrer Praxis weiterbilden wollen

Für alle Angelegenheiten ärztlicher Weiterbildung sind die Landesärztekammern zuständig. Sie legen auf Basis der Weiterbildungsordnung und des tatsächlichen Versorgungsumfangs einer Praxis fest, in welchem Umfang der Vertragsarzt weiterbilden darf (Weiterbildungsbefugnis).

Die von der Bundesärztekammer erarbeitete (Muster)-Weiterbildungsordnung hat für die Landesärztekammern nur empfehlenden Charakter. Insofern können sich regional Unterschiede ergeben.

Über die Anstellung eines sogenannten Weiterbildungsassistenten entscheidet wiederum die jeweilige Kassenärztliche Vereinigung. Weiterbildungsbefugte Ärzte stellen dort auch den Antrag auf finanzielle Förderung der Weiterbildung.

Auf einen Blick:

Weiterbildungsbefugnis

  • als ersten Schritt beantragen interessierte Ärzte die Weiterbildungsbefugnis bei ihrer Landesärztekammer
  • für die Erteilung der Befugnis muss der Antragsteller unter anderem über mehrere Jahre Berufserfahrung verfügen
  • ob ein Arzt einen Weiterbildungsassistenten sechs, zwölf oder 24 Monate beschäftigen kann, hängt von der tatsächlichen Versorgung in der Praxis ab und wird anhand der abgerechneten Leistungen festgelegt, woraus das Spektrum der Praxis ersichtlich ist
  • die für die Weiterbildung typischen Erkrankungen müssen nach Zahl und Art der Patienten regelmäßig und häufig genug vorkommen
  • auch die Ausstattung der Praxis entscheidet über die Dauer der Weiterbildung

Beschäftigung und Förderung von Weiterzubildenden

  • besitzen die Praxisinhaber dann eine Weiterbildungsbefugnis, stellen sie bei ihrer Kassenärztlichen Vereinigung einen Antrag auf Beschäftigung eines Weiterbildungsassistenten
  • beantragt die Praxis auch eine Förderung, muss bereits eine konkrete Person für die Weiterbildung benannt werden
  • der Weiterzubildende erklärt, definitiv die Facharztprüfung absolvieren zu wollen
  • der Praxisinhaber wiederum verpflichtet sich die Fördersumme in voller Höhe an den Weiterzubildenden weiterzugeben und die anfallenden Arbeitgeberkosten zu tragen

Entwicklung der Weiterbildungsförderung

Die rechtlichen Grundlagen für die Förderung der allgemeinmedizinischen Weiterbildung wurden mit
dem GKV-Solidaritätsstärkungsgesetz zum 1. Januar 1999 geschaffen. Das zunächst auf zwei Jahre
befristete sogenannte „Initiativprogramm“ erhielt durch das Gesundheitsreformgesetz im Jahr 2000
eine unbefristete Verlängerung.

Die seit 1999 für den ambulanten und stationären Bereich getrennt bestehenden Vereinbarungen
wurden 2010 vereint, die finanzielle Förderung deutlich erhöht und begleitende strukturelle
Maßnahmen in Gestalt der Koordinierungsstellen initiiert.

Mit dem Inkrafttreten des GKV-Versorgungsstärkungsgesetzes wurde im Juli 2015 die Weiterbildungsförderung in das SGB V als Paragraf 75a aufgenommen und um zusätzliche Aspekte erweitert. Seit 1. Juli 2016 ist die entsprechende Vereinbarung zur Förderung der Weiterbildung in Kraft.
 

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