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Praxisnachrichten

Zweitmeinung künftig auch bei geplanter Schulterarthroskopie

06.02.2020 - Nach Operationen an den Rachenmandeln und Gebärmutterentfernungen soll künftig auch bei geplanten arthroskopischen Eingriffen am Schultergelenk der Anspruch auf eine ärztliche Zweitmeinung bestehen.

Die entsprechende Ergänzung der Zweitmeinungs-Richtlinie hatte der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) am 22. November 2019 beschlossen. Dieser Beschluss wurde durch das Bundesgesundheitsministerium nicht beanstandet und wird in Kürze in Kraft treten. Gegenstand des Zweitmeinungsverfahrens „Schulterarthroskopie“ sind sämtliche arthroskopischen Eingriffe am Schultergelenk, sofern sie planbar sind und es sich nicht um notfallmäßige Eingriffe handelt, die zeitnah erfolgen müssen.

Patienten können sich somit zukünftig bei einem qualifizierten Zweitmeiner zur Notwendigkeit einer Gelenkspiegelung an der Schulter und zu alternativen Behandlungsmöglichkeiten beraten lassen.

Ärzte sind verpflichtet, Patienten über ihren Rechtsanspruch auf eine Zweitmeinung zu informieren, wenn sie die Indikation für einen dieser planbaren Eingriffe stellen.

„Zweitmeiner“ benötigen Genehmigung

Die Genehmigung, Zweitmeinungsleistungen zu planbaren Schulterarthroskopien abzurechnen, können Fachärzte für Orthopädie und Unfallchirurgie sowie für Physikalische und Rehabilitative Medizin nach der Veröffentlichung des G-BA-Beschlusses im Bundesanzeiger bei ihrer Kassenärztlichen Vereinigung beantragen.

Die Mediziner müssen bestimmte allgemeine fachliche Voraussetzungen nachweisen. Die Details dazu gibt der G-BA in der Richtlinie zum Zweitmeinungsverfahren in einem allgemeinen und einem eingriffsspezifischen Teil vor.

Zudem dürfen keine Interessenkonflikte vorliegen, die einer Unabhängigkeit der Zweitmeinung entgegenstehen.

Gesetzlicher Anspruch

Durch eine zweite ärztliche Meinung soll das Risiko einer zu weiten Indikationsstellung und damit zu hoher Zahlen bestimmter planbarer „mengenanfälliger“ Eingriffe, die nicht immer medizinisch geboten sind, verringert werden.

Der Anspruch auf Zweitmeinung geht auf das GKV-Versorgungsstärkungsgesetz von 2015 zurück. Die Details hat der G-BA in einer Zweitmeinungs-Richtlinie festgelegt, die in der Erstfassung am 8. Dezember 2018 in Kraft getreten ist. Die Zweitmeinungs-Richtlinie wird konsekutiv um weitere Eingriffsthemen ergänzt.

Die Zweitmeinung umfasst die Durchsicht vorliegender Befunde des behandelnden Arztes und ein Anamnesegespräch. Hinzu kommen ärztliche Untersuchungen, sofern sie zur Befunderhebung und Überprüfung der Indikationsstellung zwingend erforderlich sind.

So werden die Leistungen vergütet

„Erstmeiner“: Der Arzt, der die Indikation für einen der definierten Eingriffe stellt, kann für die Aufklärung und Beratung im Zusammenhang mit dem ärztlichen Zweitmeinungsverfahren die Gebührenordnungsposition (GOP) 01645 einmal im Krankheitsfall (vier Quartale) abrechnen. Sie ist mit 75 Punkten (8,24 Euro) bewertet. Die Leistung beinhaltet auch die Zusammenstellung aller erforderlichen Unterlagen für den Patienten.

„Zweitmeiner“: Die Abrechnung der Zweitmeinung ist im neuen Abschnitt 4.3.9 „Ärztliche Zweitmeinung“ im Allgemeinen Teil des EBM geregelt. Danach rechnet der Arzt, der die Zweitmeinung abgibt, für den Patienten seine jeweilige arztgruppenspezifische Versicherten-, Grund- oder Konsiliarpauschale ab. Sind für seine Beurteilung ergänzende Untersuchungen notwendig, kann er diese ebenfalls durchführen, muss sie aber medizinisch begründen.

Extrabudgetäre Vergütung: Die Vergütung erfolgt für alle Leistungen extrabudgetär – befristet bis Ende 2021.
Kennzeichnung: Ärzte müssen alle Leistungen des Zweitmeinungsverfahrens bei der Abrechnung nach bundeseinheitlichen Vorgaben eingriffsspezifisch kennzeichnen. Die genaue Art der Kennzeichnung wird durch die jeweilige KV festgelegt.

Gesetzlicher Anspruch auf eine ärztliche Zweitmeinung

Der Anspruch auf Zweitmeinung ist im GKV-Versorgungsstärkungsgesetz vom Juli 2015 verankert (§ 27b SGB V). Damit haben gesetzlich versicherte Patienten einen Rechtsanspruch auf Einholung einer unabhängigen ärztlichen Zweitmeinung bei bestimmten planbaren Eingriffen. Im Gesetz ist auch festgelegt, dass die Krankenkassen die Kosten tragen, die Ärzten durch die Bereitstellung von Befundunterlagen zur Zweitmeinung entstehen. Die Verfahrensregeln für die Zweitmeinung hat der Gemeinsame Bundesausschuss in einer Richtlinie festgelegt.

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