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Praxisnachrichten

KBV-Analyse: Fast alle Schwangeren nutzen die Screenings der Mutterschaftsvorsorge

20.02.2020 - Fast alle Schwangeren machen von den in den Mutterschafts-Richtlinien vorgesehenen Screenings für Erkrankungen wie Hepatitis B und Gestationsdiabetes Gebrauch. Das zeigt eine Analyse der KBV für die Jahre 2010 bis 2017.

Danach nutzten im Jahr 2017 je nach Test zwischen 85 und 94 Prozent der Schwangeren das Angebot zur Früherkennung bestimmter Erkrankungen. Ähnlich hoch war die Teilnahmerate in den Jahren davor. Für die Analyse wurden die Screening-Daten aller gesetzlich versicherten Schwangeren im Untersuchungszeitraum ausgewertet.

Nach den Mutterschafts-Richtlinien haben Frauen während der Schwangerschaft Anspruch auf mehrere Tests zur Früherkennung von Infektionskrankheiten, so auf Syphilis seit 1965. Mitte der 90er Jahre kam das Screening auf Hepatitis B und Chlamydien dazu und 2007 die Testung auf HIV. Seit 2012 gibt es den Test auf Schwangerschaftsdiabetes.

Durch die rechtzeitige Diagnose und Behandlung der Erkrankungen können negative Folgen für Mütter und Kinder minimiert oder verhindert werden. Insgesamt gibt es nur wenige Frauen, die eine neu entdeckte Infektionsdiagnose aufweisen.

Hohe Raten bei Diabetes – Wenig Schwangere mit Infektionen

Durchgängig hohe Raten zeigen sich beim Schwangerschaftsdiabetes. Diese Diagnose wurde 2017 bei 1.390 von 10.000 Schwangeren gestellt.  

Der Anteil der mit Hepatitis-B-infizierten Frauen war in dem untersuchten Zeitraum gleichbleibend niedrig. Im Jahr 2017 wurde bei 10 von 10.000 Schwangeren eine Hepatitis-B-Infektion festgestellt, die bis dahin nicht diagnostiziert war.

Der Anteil der Schwangeren mit einer Chlamydien-Infektion sank seit 2010 kontinuierlich und lag 2017 bei rund 170 von 10.000 Schwangeren. 2010 waren es immerhin 270 von 10.000.

Sehr selten wird während der Schwangerschaft eine Syphilis-Infektion festgestellt – 2017 trat die Erkrankung bei etwa 3 von 10.000 Schwangeren auf.

Teilnahme am Screening freiwillig

Die Mutterschafts-Richtlinien sehen freiwillige Screening-Teilnahmen im Rahmen von opt-out oder opt-in Regelungen vor, bei denen die Schwangere im Rahmen einer informierten Entscheidung widerspricht oder zustimmt.

Bei einer opt-out-Regelung, wird die Schwangere über einen entsprechenden Test als Teil der Mutterschaftsvorsorge informiert. Der Test wird durchgeführt, wenn die Frau nicht widerspricht. Dies findet Anwendung bei Tests auf Syphilis, Hepatitis B, Chlamydien sowie beim Screening auf Schwangerschaftsdiabetes.

Bei einer opt-in-Regelung wird die Schwangere eingehend über einen Test informiert und der Test darf erst nach expliziter Zustimmung durchgeführt werden. Dies ist in Deutschland bei der HIV-Testung vorgesehen.

Die ärztliche Betreuung während der Schwangerschaft ist in Deutschland seit 1965 in den Mutterschafts‐Richtlinien (Mu-RL) geregelt. Zuständig für die Weiterentwicklung ist heute der Gemeinsame Bundesausschuss (G‐BA), der auch den Mutterpass als Anlage zur Mu-RL herausgibt.

In diesen Richtlinien werden unter anderem Empfehlungen zum Screening der Infektionskrankheiten HIV, Hepatitis B, Syphilis (Lues) und Chlamydien sowie zum Screening auf Gestationsdiabetes mellitus (GDM) ausgesprochen. Für die Untersuchungen der einzelnen Infektionen beziehungsweise Erkrankungen werden unterschiedliche Zeiträume während der Schwangerschaft empfohlen: Die erste Untersuchung nach Feststellung der Schwangerschaft sollte möglichst frühzeitig erfolgen und umfasst unter anderem die Testung auf HIV, Chlamydien und Syphilis. Dagegen wird das Screening auf GDM erst im siebten bis achten Monat durchgeführt.

Der Zeitpunkt für den Test auf eine Hepatitis‐B‐Infektion wird aktuell möglichst nah am Geburtstermin durchgeführt. Bisher gibt es zur Umsetzung der empfohlenen Screenings und den daraus resultierenden Infektions- beziehungsweise Erkrankungsraten keine kontinuierlichen und bundesweiten Auswertungen.

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