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Praxisnachrichten

Neuordnung der Notfallversorgung - KBV und Notfallmediziner im Gespräch

27.02.2020 - In der Notfallversorgung gibt es zwischen ambulantem und stationärem Bereich gemeinsame Schnittmengen sowie Kooperationsmöglichkeiten. Darin waren sich der KBV-Vorstandsvize Dr. Stephan Hofmeister und Professor André Gries von der Deutschen Interdisziplinären Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin am Mittwoch in der traditionellen Kontroversen Mittagspause der KBV einig. 

In der Diskussion zur „Neuordnung der Akut- und Notfallversorgung an Krankenhäusern: miteinander oder gegeneinander?“ zeichneten sich insgesamt mehr Gemeinsamkeiten als Differenzen ab. So sehen sowohl Gries als auch Hofmeister im vorliegenden Referentenentwurf zur Notfallgesetzgebung in einigen Punkten noch Klarstellungsbedarf.

Gries: Konturen für INZ schärfen

Für Gries, der die Zentrale Notaufnahme am Universitätsklinikum Leipzig leitet, müssten insbesondere für die im Gesetzentwurf vorgesehenen Integrierten Notfallzentren (INZ) die „Konturen geschärft“ und die Kooperationen konkreter ausgestaltet werden. Er könne sich „kein Konglomerat von stationärer und ambulanter Versorgung im Krankenhaus unter fachlicher Leitung der Kassenärztlichen Vereinigung vorstellen“.

Das sei auch nicht Ziel der Vertragsärzte, versicherte Hofmeister. Sie wollten nicht die Kontrolle über Stroke-Units übernehmen. Klinische Notfallversorgung gehöre in die Behandlung der Kliniker, betonte der KBV-Vorstandsvize. „Das können wir nicht und wollen wir nicht.“ Aber man benötige keinen Rettungshubschrauber, wenn der Patient noch klar seine Beschwerden schildern könne.

Hofmeister: Patienten effektiv steuern, regionale Strukturen erhalten

In diesem Zusammenhang verwies Hofmeister darauf, dass an vielen Standorten schon so etwas wie die INZ in Form von Portal- und Bereitschaftsdienstpraxen existieren. Es sei wichtig, die Patienten effektiv nach Behandlungsbedarf zu trennen und zu steuern – und das könnten die INZ.Mit dem softwaregestützten Einschätzungsverfahren SmED werden die Patienten seit 1. Januar unter der Patientenservicenummer 116117 in eine der Dringlichkeit angemessene ärztliche Versorgungsebene vermittelt. Laut Hofmeister seien bisher nur ein Viertel der Anrufer medizinische Notfälle gewesen (s. Übersicht).

Wichtig sei außerdem die Erhaltung regionaler Versorgungsstrukturen. „Wir müssen die vorhandenen Ressourcen sinnvoll nutzen“, so Hofmeister. Beispielsweise müsse es den Kassenärztlichen Vereinigungen weiterhin möglich sein, fachspezifische Leistungen, zum Beispiel einen augenärztlichen Bereitschaftsdienst, anzubieten. Darauf hatte die KBV in ihrer Stellungnahme hingewiesen (die PraxisNachrichten berichteten). Zudem müssten auch Portal- oder Notdienstpraxen weiterbetrieben werden dürfen.

Reform der Notfallversorgung

Nach monatelangen Diskussionen um die Notfallversorgung hatte Bundesgesundheitsminister Jens Spahn zu Jahresbeginn einen Entwurf zur Notfallgesetzgebung vorgelegt. Ein Kernbereich ist die Einrichtung von Integrierten Notfallzentren, die von den Kassenärztlichen Vereinigungen gemeinsam mit den Krankenhäusern betrieben werden sollen.

Fakten zur ambulanten Notfallversorgung

  • Kassenärztliche Vereinigungen (KVen) betreiben 809 Bereitschaftspraxen – davon sind 471 im Krankenhaus und 135 am Krankenhaus 
  • Mehr als 83 Prozent der Bevölkerung erreichen eine Bereitschaftsdienst-Praxis innerhalb von 30 Minuten
  • Rund 1.000 Kooperationsvereinbarungen gibt es zwischen KVen und Krankenhäusern
  • Die Patientenservicenummer 116117 verzeichnete 2019 rund acht Millionen Anrufe, was seit 2013 eine Verdoppelung bedeutet 

Empfehlungen nach telefonischer Ersteinschätzung (SmED)

  • Arzttermin/Beratung: 74 Prozent (davon „schnellstmöglich“: 19 Prozent, binnen 24 Stunden: 33 Prozent, später: 22 Prozent)
  • Notaufnahme: 25 Prozent
  • Rettungsdienst: 1 Prozent

Hinweis: Die Angaben basieren auf einer Auswertung von 14 Kassenärztlichen Vereinigungen im Rahmen des Probebetriebs von April 2019 bis Dezember 2019. Auswertungen seit dem offiziellen Starttermin 1. Januar 2020 liegen noch nicht vor.

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