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Praxisnachrichten

Bevor der Schmerz chronisch wird - Innovationsfondsprojekt erprobt neue Form der interdisziplinären Versorgung

27.02.2020 - Patienten mit chronischen Schmerzen haben oft einen langen Leidensweg hinter sich. In dem Innovationsfondsprojekt PAIN2020 wird aktuell ein neues ganzheitliches Versorgungkonzept erprobt, um eine Chronifizierung zu vermeiden.

Ziel des Projekts ist es, ein neues Angebot für Schmerzpatienten zu etablieren, bei dem an Diagnostik und Therapie beteiligte Fachleute künftig schneller und enger zusammenarbeiten. Dazu entstehen derzeit bundesweit mehrere Anlaufstellen, in denen Teams aus ärztlichen, psychologischen und physiotherapeutischen Disziplinen die Patienten untersuchen und Therapieempfehlungen erarbeiten. 

„Handeln, bevor Schmerzen chronisch werden – das ist die Devise des Projekts PAIN2020, mit dem Patienten über eine ambulante interprofessionelle Therapie vor chronischen Schmerzen bewahrt werden sollen“, erläuterte die Präsidentin der Deutschen Schmerzgesellschaft, Professor Claudia Sommer. 

Finanzierung durch Innovationsfonds

Die Deutsche Schmerzgesellschaft ist gemeinsam mit der BARMER Initiator des Projektes. Es wird durch den Innovationsfonds des Gemeinsamen Bundesausschusses mit sieben Millionen Euro über drei Jahre finanziell gefördert.  

Laut Schmerzgesellschaft haben neben der BARMER bereits weitere Krankenkassen Interesse signalisiert, das neue Versorgungsangebot ihren Versicherten anzubieten. Die Bezeichnung PAIN steht für Patientenorientiert Abgestuft Interdisziplinär Netzwerk. 

Patient wird ausführlich untersucht und erhält Empfehlungen

Kern der neuen Versorgungsform ist die umfassende Untersuchung der Patienten mit Hilfe eines interdisziplinären Assessments. Dabei stellt ein multiprofessionelles Team gemeinsam Diagnosen und empfiehlt Therapien. Mit einem ausführlichen Befundbericht kommen die Patienten dann zurück zu ihrem behandelnden Arzt, der die weitere Therapie koordiniert. 

PAIN2020 bietet darüber hinaus zwei begleitende ambulante Therapien an. Dabei handelt es sich um eine interdisziplinäre Schmerzbehandlung in Form von Gruppentherapien und um Gruppenschulungen mit Informationen zur Erkrankung und zu Methoden der Schmerzbewältigung.

Zielgruppe: Über sechs Wochen Schmerzen

Zielgruppe sind Menschen mit Schmerzen, die ein erhöhtes Risiko für eine Chronifizierung haben. Dazu gehören Patienten, die mehr als sechs Wochen über Schmerzen oder Schmerz-Rezidive trotz fachspezifischer Behandlung klagen.  

Ein weiteres Kriterium ist, dass Patienten bereits seit vier Wochen arbeitsunfähig sind oder mindestens sechs Wochen in den vergangenen zwölf Monaten krankgeschrieben waren. 

Vertragsärzte, die Patienten behandeln, die die Kriterien erfüllen und somit für das Projekt geeignet sind, können diese an ein PAIN2020 Zentrum überwiesen. Nähere Informationen dazu stehen auf der Internetseite des Projektes PAIN2020 zur Verfügung (www.pain2020.de / Kooperierende Ärzte).  

Bundesweite Anlaufstellen für Schmerzpatienten 

Das Innovationsfondsprojekt PAIN2020 soll insgesamt 5.000 Patienten mit Schmerzen und Chronifizierungsrisiko betreuen. 28 medizinische Einrichtungen mit besonderer Kompetenz in der Schmerzversorgung sind aktuell als feste Anlaufstellen in 13 Bundesländern für Schmerzpatienten an dem Projekt beteiligt. 

Nach Angaben des Robert Koch-Instituts erleben nur neun Prozent der Bevölkerung ein ganzes Jahr völlig schmerzfrei. Demnach leiden mehr als 36 Prozent der Frauen mindestens einmal wöchentlich unter Kopf- und rund 30 Prozent der Männer unter Rückenschmerzen. Bei bis zu acht Millionen Deutschen würden die Schmerzen chronisch.

Die Deutsche Schmerzgesellschaft e.V. ist mit über 3.600 Mitgliedern die größte wissenschaftlich-medizinische Fachgesellschaft im Bereich Schmerz in Europa. Sie ist interdisziplinär sowie interprofessionell und besteht aus Schmerzexperten aus Praxis, Klinik, Psychologen, Pflege, Physiotherapie und wissenschaftlich ausgewiesenen Schmerzforschern.

Der bundesweite „Aktionstag gegen den Schmerz" wird jährlich von der Deutschen Schmerzgesellschaft e.V. und ihren Partnerorganisationen veranstaltet. Sie findet in diesem Jahr am 2. Juni statt.

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