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Praxisnachrichten

Behandlung eines Glioblastoms mit Tumortherapiefeldern wird Kassenleistung

09.04.2020 - Um das Wachstum von aggressiven Hirntumoren zu verlangsamen, kann künftig eine neue Methode auf Basis von elektrischer Wechselspannung eingesetzt werden. Das hat der Gemeinsame Bundesausschuss beschlossen. Die Vergütung muss noch festgelegt werden.

Mit den sogenannten Tumortherapiefeldern (TTF) sollen Patienten mit einem neu diagnostizierten Glioblastom (WHO Grad IV) behandelt werden können. Die Erstverordnung erfolgt auf Empfehlung einer interdisziplinären Tumorkonferenz durch einen Neurologen, Neurochirurgen, Strahlentherapeuten oder einen Hämatoonkologen (s. Infokasten unten).

Vergütung wird geregelt

Das Bundesgesundheitsministerium hat zunächst zwei Monate Zeit, den Beschluss des Gemeinamen Bundesausschusses vom 20. März zu prüfen. Nach erfolgter Nichtbeanstandung wird er im Bundesanzeiger veröffentlicht und tritt am Folgetag in Kraft.

Danach hat der Bewertungsausschuss sechs Monate Zeit, um über die Vergütung zu verhandeln. Erst dann können Kassenpatienten die neue vertragsärztliche Leistung in Anspruch nehmen.

Tumortherapiefelder: Details zur Methode

Bei der Behandlungsmethode werden am Kopf Keramik‐Gelpads angebracht und darüber elektrische Wechselspannungsfelder übertragen, die lokal mit der Mitoseaktivität der Zellen interferieren.
Die nicht invasive Methode kann ambulant erfolgen und in den Alltag des Patienten integriert werden. Sie kann zusätzlich zur Standardtherapie angewendet werden und zielt primär auf die Verlängerung der Gesamtüberlebenszeit.

Zum Einsatz kommen kann die Methode bei Patientinnen und Patienten mit einem neu diagnostizierten Glioblastom, wenn nach Abschluss der Radiochemotherapie keine frühe Krankheitsprogression nachgewiesen wurde. Die Tumortherapiefelder können im Rahmen des Gesamtbehandlungskonzeptes bis zum zweiten Rezidiv angewendet werden.

Tumorkonferenz und Verordnung

Die Erstverordnung erfolgt auf Empfehlung einer interdisziplinären Tumorkonferenz. Hierbei gelten folgende Regelungen hinsichtlich der erforderlichen fachärztlichen Qualifikation.

Tumorkonferenz – Einbeziehung je einer Fachärztin oder eines Facharztes für:

  • Neurologie
  • Neurochirurgie
  • Radiologie
  • Strahlentherapie
  • Innere Medizin und Hämatologie und Onkologie

Verordnung – durch eine Fachärztin oder einen Facharzt für:

  • Neurologie oder
  • Neurochirurgie oder
  • Strahlentherapie oder
  • Innere Medizin und Hämatologie und Onkologie

Eine Folgeverordnung kann ausgestellt werden, sofern kein Verdacht auf ein Rezidiv vorliegt. Bei Verdacht auf ein Rezidiv ist die Indikation zum Einsatz des Verfahrens im Rahmen des Gesamtbehandlungskonzepts durch die interdisziplinäre Tumorkonferenz zu prüfen.

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