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Praxisnachrichten

Seit 1. April Zweitmeinung vor Schulterarthroskopie – Künftig auch vor Amputation beim diabetischen Fußsyndrom

07.05.2020 - Für das Zweitmeinungsverfahren Schulterarthroskopie wurde die Vergütung im EBM geregelt, sodass Ärzte die Aufklärung und Beratung jetzt abrechnen können. Außerdem wurde ein weiteres Zweitmeinungsverfahren auf den Weg gebracht: planbare Amputationen beim diabetischen Fußsyndrom.

Mit der Anpassung im EBM können seit 1. April auch Fachärzte, die ihren Patienten zu einer Schulterarthroskopie raten, die GOP 01645 für die Aufklärung und Beratung abrechnen. Denn indikationsstellende Ärzte (Erstmeiner) sind verpflichtet, Patienten vor einem solchen Eingriff über die Möglichkeit einer Zweitmeinung aufzuklären und nötige Unterlagen für den Zweitmeiner bereitzustellen. Dazu rechnen sie die GOP 01645 ab.

Erstmeiner bei der Schulterarthroskopie können alle Ärzte sein, die die Indikation zur Schulterarthroskopie stellen dürfen, in der Regel Orthopäden und Unfallchirurgen. Zweitmeiner benötigen eine Genehmigung ihrer Kassenärztlichen Vereinigung. Beantragen können dies Fachärzte für Orthopädie und Unfallchirurgie, Fachärzte für Orthopädie, Fachärzte für Chirurgie mit Schwerpunkt Unfallchirurgie sowie Fachärzte für Physikalische und Reha-Medizin.

Zweitmeinung vor Amputationen

Künftig haben auch Patienten mit diabetischem Fußsyndrom vor einer planbaren Amputation das Recht auf eine zweite ärztliche Meinung. Der Gemeinsame Bundesausschuss hat dazu jetzt die Details geregelt (s. Infokasten).

Anspruch auf diese Zweitmeinung haben Diabetiker aber erst dann, wenn der Beschluss in Kraft getreten ist und auch hier der EBM angepasst wurde. Derzeit wird der Beschluss vom Bundesgesundheitsministerium geprüft. Sobald die Nichtbeanstandung des Ministeriums vorliegt, erfolgt die Umsetzung im EBM.

Telemedizinische Beratung

Der Gemeinsame Bundesausschuss hat zudem geregelt, dass künftig für jedes Zweitmeinungsverfahren, bei dem eine telemedizinische Beratung möglich ist, diese auch erfolgen kann.

Die bisherige Vorgabe, dass dies nur dann erfolgen darf, wenn es für das konkrete Verfahren festgelegt wurde, wurde aus der Richtlinie gestrichen. Auch diese Neuerung gilt aber erst ab Inkrafttreten des Beschlusses.

Anspruch auf Zweitmeinung

Gesetzlich Versicherte haben vor bestimmten planbaren Eingriffen einen Anspruch auf eine zweite ärztliche Meinung als Kassenleistung. Damit soll die Anzahl bestimmter planbarer „mengenanfälliger“ Eingriffe, die nicht immer medizinisch geboten sind, verringert werden.

Möglich ist eine Zweitmeinung bislang vor Gebärmutterentfernungen, Mandeloperationen und Schulterarthroskopien. Weitere Indikationen werden folgen.

Details zum neuen Zweitmeinungsverfahren: planbare Amputation beim diabetischen Fußsyndrom

Hinweis: noch nicht in Kraft

Das neue Zweitmeinungsverfahren bezieht sich auf planbare Minoramputationen (bis unterhalb des Knöchels) oder Majoramputationen (bis oberhalb des Knöchels) bei Diabetikern.

Diese können sich bei einem qualifizierten Zweitmeiner zur Notwendigkeit einer Amputation oder zu alternativen Behandlungsmöglichkeiten ohne Amputation beraten lassen.

Notfallmäßige Amputationen, zum Beispiel aufgrund einer akut drohenden Sepsis, sind von der Zweitmeinung ausgenommen.

Erstmeiner müssen Patienten informieren

Wie bei den anderen Indikationen, bei denen eine Zweitmeinung möglich ist, müssen Erstmeiner auch hier die Patienten über ihren Rechtsanspruch informieren. Dies soll wie bei den anderen Verfahren mindestens zehn Tage vor dem geplanten Eingriff erfolgen, damit Patienten Zeit haben zu entscheiden, ob sie einen zweiten Arzt konsultieren möchten.

Zweitmeiner benötigen Genehmigung

Um als Zweitmeiner tätig zu werden, benötigen Ärzte eine Genehmigung ihrer Kassenärztlichen Vereinigung. Folgende Fachärzte können diese Genehmigung für Zweitmeinungen beim diabetischen Fußsyndrom beantragen:

  • Innere Medizin und Angiologie
  • Innere Medizin und Endokrinologie und Diabetologie
  • Gefäßchirurgie
  • Allgemeinmedizin mit Zusatzbezeichnung Diabetologie
  • Innere Medizin mit Zusatzbezeichnung Diabetologie

Die genannten Fachärzte müssen entweder in einer für die Behandlung des diabetischen Fußsyndroms qualifizierten Einrichtung tätig sein (vgl. Anlage 1 zur DMP-Anforderungen-Richtlinie des G-BA „Anforderungen an strukturierte Behandlungsprogramme für Diabetes mellitus Typ 2“).

Oder sie müssen regelmäßig mit einer solchen Einrichtung zusammenarbeiten. Infrage kommen hier unter anderem Ärzte, die am DMP Diabetes teilnehmen, die regelmäßig Patienten an entsprechende Zentren oder qualifizierte Schwerpunktpraxen überweisen oder die in einer diabetologischen Schwerpunktpraxis tätig sind.

Zu den generellen Anforderungen gehört der Nachweis einer geeigneten Weiterbildungsermächtigung und die Erklärung, dass keine Interessenkonflikte vorliegen, die einer unabhängigen Erbringung der Zweitmeinung entgegenstehen.

Die Zweitmeinung umfasst die Durchsicht vorliegender Befunde des behandelnden Arztes und ein Anamnesegespräch. Hinzu kommen ärztliche Untersuchungen, sofern sie zur Befunderhebung und Überprüfung der Indikationsstellung zwingend erforderlich sind.

So werden die Leistungen vergütet

„Erstmeiner“: Der Arzt, der die Indikation für einen der definierten Eingriffe stellt, kann für die Aufklärung und Beratung im Zusammenhang mit dem ärztlichen Zweitmeinungsverfahren die Gebührenordnungsposition (GOP) 01645 einmal im Krankheitsfall (vier Quartale) abrechnen. Sie ist mit 75 Punkten (8,24 Euro) bewertet. Die Leistung beinhaltet auch die Zusammenstellung aller erforderlichen Unterlagen für den Patienten.

„Zweitmeiner“: Die Abrechnung der Zweitmeinung ist im neuen Abschnitt 4.3.9 „Ärztliche Zweitmeinung“ im Allgemeinen Teil des EBM geregelt. Danach rechnet der Arzt, der die Zweitmeinung abgibt, für den Patienten seine jeweilige arztgruppenspezifische Versicherten-, Grund- oder Konsiliarpauschale ab. Sind für seine Beurteilung ergänzende Untersuchungen notwendig, kann er diese ebenfalls durchführen, muss sie aber medizinisch begründen.

Extrabudgetäre Vergütung: Die Vergütung erfolgt für alle Leistungen extrabudgetär – befristet bis Ende 2021.
Kennzeichnung: Ärzte müssen alle Leistungen des Zweitmeinungsverfahrens bei der Abrechnung nach bundeseinheitlichen Vorgaben eingriffsspezifisch kennzeichnen. Die genaue Art der Kennzeichnung wird durch die jeweilige KV festgelegt.

Informationen der KBV und Arztsuche

Die KBV stellt auf ihrer Themenseite weiterführende Informationen zum Zweitmeinungsverfahren bereit – etwa gesetzliche Grundlagen sowie Links zum Patientenmerkblatt des Gemeinsamen Bundesausschusses. Um nach Zweitmeinern zu suchen, bietet die KBV eine spezielle Arztsuche: www.116117.de/zweitmeinung. Die Arztsuche wird künftig um Zweitmeiner für Amputationen beim diabetischen Fußsyndrom ergänzt.

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