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Praxisnachrichten

Neues Vergütungsmodell für Chlamydienscreening - Auch die Beratung wird jetzt bezahlt

20.05.2020 - Ein neues Vergütungsmodell soll die Teilnahmerate am Chlamydienscreening für Frauen unter 25 Jahren erhöhen. Es sieht für Ärzte eine zusätzliche Vergütung vor, wenn sich etwa jede dritte Patientin nach dem Beratungsgespräch für einen Test auf Chlamydien entscheidet.

Die neue Vergütungsregelung wurde im Zuge der EBM-Weiterentwicklung vereinbart und gilt seit 1. April. Seitdem erhalten Ärzte 50 Punkte (5,49 Euro, neue GOP 01823) für die Chlamydienscreening-Beratung und zusätzlich 50 Punkte (5,49 Euro, neue GOP 01824), wenn die Praxis im Quartal eine Durchführungsquote von 30 Prozent erreicht.

Lassen sich also 30 Prozent der Frauen unter 25 Jahre in einer Praxis, die eine Beratung zum Chlamydienscreening im Rahmen der Empfängnisregelung erhalten haben, im selben Quartal auf Chlamydien testen, erhält die Praxis für jeden Fall eine zusätzliche Vergütung von 5,49 Euro.

Dafür geben die Ärzte bei Veranlassung der Untersuchung der Urinprobe auf Chlamydia trachomatis die GOP 01824 in ihrer Abrechnung an. Ob die Quote in der Praxis erreicht wurde und die GOP 01824 letztlich vergütet wird, berechnet die jeweilige Kassenärztliche Vereinigung je Quartal.

Zuschlag soll Anreiz schaffen

Hintergrund für die Einführung des neuen Vergütungsmodells sind die derzeitigen Screening-Raten in Deutschland. Sie liegen unter 20 Prozent und sind niedriger als in anderen Ländern. So erreicht etwa Großbritannien eine Rate von 35 Prozent, die USA kommen auf 45 Prozent.

Mit der Vergütung soll ein zusätzlicher Anreiz geschaffen werden, mehr Frauen von der Teilnahme zu überzeugen. Dazu stellen die Krankenkassen ab dem 1. April 2020 zusätzliche Finanzmittel in Höhe von 25,2 Millionen Euro pro Jahr innerhalb der morbiditätsbedingten Gesamtvergütung (MGV) zur Verfügung.

Die zusätzlichen Gelder sind eingeplant für den erwarteten Mehrbedarf bei der Vergütung der Beratungsleistungen, veranlassten Untersuchungen sowie der daraus resultierenden Laboruntersuchungen.

Durchführungsquote wird bis 2022 jährlich angepasst

Die für die zusätzliche Vergütung zu erreichende Durchführungsquote wird in den nächsten zwei Jahren stufenweise angehoben. Sie steigt von jetzt 30 Prozent auf 40 Prozent im Jahr 2021 und auf 50 Prozent im Jahr 2022.

Am Labortest auf Chlamydien ändert sich nichts. Um die Erreger nachweisen zu können, wird weiterhin eine Morgenurinprobe der Patientin untersucht, hierfür kann die GOP 01840 berechnet werden.  

Jährliche Untersuchung

Frauen bis zum abgeschlossenen 25. Lebensjahr soll einmal jährlich die Untersuchung einer Probe auf genitale Chlamydia trachomatis-Infektionen angeboten werden. Als Hilfestellung für die Information der Frau zu diesem Screening ist das Merkblatt mit dem Titel „Warum wird mir ein jährlicher Chlamydientest angeboten?“ zur Verfügung zu stellen.

Klarstellung zur GOP 01822

Mit der EBM-Weiterentwicklung wurde außerdem klargestellt, dass eine Untersuchung im Rahmen der Empfängnisregelung nicht bei jeder Beratung und allenfalls alle sechs Monate erforderlich ist (gemäß der Richtlinie zur Empfängnisregelung und zum Schwangerschaftsabbruch). Bei einer Beratung ohne Untersuchung ist die GOP 01821 anzugeben, bei einer Beratung mit Untersuchung die GOP 01822. Die GOP 01822 darf nunmehr höchstens zweimal im Krankheitsfall abgerechnet werden. Der Krankheitsfall umfasst das aktuelle sowie die drei folgenden Quartale.

Der KBV liegen Informationen vor, dass es bei der Abrechnung aufgrund der Umstellung der Abrechnungsregeln zu einer Auffälligkeit beziehungsweise zur Meldung eines Regelverstoßes im Praxisverwaltungssystem kommen kann, wenn die GOP 01822 in den letzten ein bis drei Quartalen vor dem 1. April 2020 bereits abgerechnet wurde. Eine Übertragung der GOP 01822 in die Abrechnung gegenüber der Kassenärztlichen Vereinigung kann entgegen dieser Meldung trotzdem erfolgen.

Übersicht: Vergütung Chlamydienscreening seit 1. April 2020

GOP Vergütung
GOP 01823 – Zuschlag zu den GOP 01821 und 01822 für die Beratung zum Chlamydienscreening bei Patientinnen bis zum vollendeten 25. Lebensjahr

50 Punkte / 5,49 Euro

GOP 01824 – Veranlassung der Untersuchung der Urinprobe auf Chlamydia trachomatis nach der GOP 01840, Vergütung abhängig von der Erreichung der Durchführungsquote

50 Punkte /
5,49 Euro

Die GOP 01840 – Untersuchung auf Chlamydia trachomatis - Nachweis im Urin

67 Punkte /
7,36 Euro

Erläuterungen

Zuschlag für Beratung: GOP 01823

Über die neue GOP 01823 erhalten Ärzte seit 1. April 2020 die Beratung zum Chlamydienscreening vergütet.
Sie wird als Zuschlag zu den Leistungen der Empfängnisregelung (GOP 01821 und 01822) bei Patientinnen bis zum vollendeten 25. Lebensjahr gezahlt. Sie kann einmal jährlich abgerechnet werden.

Zur Beratung zum Chlamydienscreening gehören unter anderem die Aufklärung über Sinn, Zweck und Ziel einer Untersuchung auf Chlamydien sowie die Aushändigung einer Patienteninformation des Gemeinsamen Bundesausschusses.

Veranlassung der Untersuchung: GOP 01824

Die neue GOP 01824 rechnen Ärzte bei jeder Veranlassung des Labortests ab, egal ob als Überweisung an ein Labor oder bei Durchführung im eigenen Labor.

Ob die GOP 01824 vergütet wird, ist von der Durchführungsquote der Praxis abhängig. Sie beträgt aktuell 30 Prozent und steigt in 2021 auf 40 und in 2022 auf 50 Prozent.

Die Durchführungsquote wird je Praxis und Quartal ermittelt. Dabei berechnet die Kassenärztliche Vereinigung den Anteil der Veranlassung der Untersuchung im Verhältnis zur Anzahl an Chlamydienscreening-Beratungen. Wird die Quote nicht erreicht, wird die GOP 01824 nicht vergütet.

Die Untersuchung: GOP 01840  

Für die Untersuchung des Urins auf Chlamydia trachomatis rechnen Ärzte weiterhin die GOP 01840 ab.

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