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Digitalisierung und Corona

Digitalisierungsschub durch Corona - Kriedel fordert mehr praxistaugliche Anwendungen

28.05.2020 - Die Corona-Krise hat nach Einschätzung der KBV zu einem Digitalisierungsschub in den Praxen geführt. Viele Ärzte und Psychotherapeuten hätten erkannt, dass es sinnvoll sei, digitale Anwendungen einzusetzen, sagte Vorstandsmitglied Dr. Thomas Kriedel in einem Videointerview.

Als ein Beispiel führte Kriedel die Videosprechstunde an, deren Nutzerzahl in den vergangenen Wochen enorm gestiegen ist. So seien in einer Kassenärztlichen Vereinigung vor Beginn der Corona-Maßnahmen nur vier Genehmigungen für Videosprechstunden ausgestellt gewesen, ein bis zwei Wochen später über 700.

„Wenn sinnvolle Werkzeuge vorhanden sind, werden sie auch genutzt“, betonte Kriedel und forderte, geplante Anwendungen wie das elektronische Rezept oder die elektronische Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung (eAU) praxistauglicher umzusetzen. Bei der eAU beispielsweise sei das Problem, dass der Arzt dem Patienten einen Papierausdruck aushändigen und parallel eine digitale Variante an die Krankenkasse schicken solle. „Hier würden wir uns nur einen digitalen Weg vorstellen, also keine Hybrid-Lösung aus Papier und Elektronik“, sagte Kriedel.

KBV erwartet praktische Lösungen bei Signaturen

Auch hinsichtlich elektronischer Signaturen erwartet die KBV von der gematik, die für die Telematikinfrastruktur (TI) und die Einführung der elektronischen Gesundheitskarte zuständig ist, praktische Lösungen. Mit der sogenannten Stapelsignatur hätten Ärzte beispielsweise die Möglichkeit, alle AU-Bescheinigungen des Tages am Abend gleichzeitig  mit einer einzigen Signatur elektronisch zu unterschreiben und dann über die TI an die Krankenkassen zu verschicken.

Beim elektronischen Rezept favorisiert die KBV dagegen die sogenannte Komfortsignatur. Hier könne der Arzt nicht bis abends warten, denn der Patient wolle das Rezept ja sofort mitnehmen, sagte Kriedel. Die KBV habe in der gematik massiv für die Komfortsignatur geworben und auch Druck ausgeübt. „Und es sieht so aus, dass in der Tat eine solche Komfortsignatur für das Rezept kommen soll“, betonte er.

Bei der Komfortsignatur würde der Arzt einmal morgens seine Signatur an einem persönlichen Arbeitsplatz eingeben und diesen damit für einen gewissen Zeitraum freischalten. Immer dann, wenn er ein eRezept signieren möchte, müsse er das nur noch einmal bestätigen. Kriedel: „Wir halten das für eine grundsätzlich praxistaugliche Lösung und erwarten, dass die gematik die auch so schnell wie möglich umsetzt.“

Umfrage zur Digitalisierung in diesem Jahr besonders wichtig

Damit die digitalen Möglichkeiten des Gesundheitswesens ausgeschöpft werden können, wünscht sich Kriedel, dass sich Praxen rechtzeitig darauf vorbereiten und die nötigen Voraussetzungen schaffen. Das könne zum Beispiel bedeuten, sich einen elektronischen Heilberufeausweis zu beschaffen oder die notwendigen Updates einzuspielen.

Um zu erfahren, wie KBV und KV-System Praxen auf dem Weg zu einer sinnvollen Digitalisierung unterstützen können, wird es auch in diesem Jahr eine Umfrage zu dem Thema geben, das PraxisBarometer Digitalisierung. „Das ist ganz wichtig, weil sich gerade durch die Corona-Problematik gezeigt hat, dass viele Ärzte jetzt den Wert von Digitalisierung anders einschätzen und neu bewerten“, sagte Kriedel.

Mehr Möglichkeiten zur Videosprechstunde

Die Möglichkeiten zur Behandlung per Video wurden in den vergangenen Monaten stark ausgeweitet. So können Ärzte die Videosprechstunde flexibel in allen Fällen nutzen, in denen sie es für therapeutisch sinnvoll halten. Möglich ist das sowohl bei bekannten als auch unbekannten Patienten.

Auch Psychotherapeuten können die Videosprechstunde grundsätzlich dann nutzen, wenn es bereits einen persönlichen Erstkontakt zur Eingangsdiagnostik, Indikationsstellung und Aufklärung gab und aus therapeutischer Sicht kein unmittelbarer persönlicher Kontakt erforderlich ist. In Ausnahmefällen kann eine Psychotherapie derzeit auch ohne unmittelbaren persönlichen Kontakt mit einer psychotherapeutischen Sprechstunde oder einer probatorischen Sitzung per Videosprechstunde begonnen werden, beispielsweise wenn dem Patienten ein Aufsuchen der Praxis infolge von Corona nicht zumutbar ist.

Aktuell keine Mengenbegrenzung

Angesichts der weiteren Ausbreitung des Coronavirus gelten für das zweite Quartal 2020 keine Begrenzungsregelungen bei der Videosprechstunde. Normalerweise dürfen Ärzte und Psychotherapeuten pro Quartal maximal jeden fünften Patienten ausschließlich per Video behandeln. Auch dürfen nur 20 Prozent der Leistungen per Videosprechstunde durchgeführt werden. Die Begrenzungsregelung sind vorübergehend ausgesetzt.

Rechtssicher elektronisch unterschreiben

Wenn papierbasierte Prozesse digitalisiert werden, sind auch sichere elektronische Signaturverfahren gefragt.
Die qualifizierte elektronische Signatur (QES) dokumentiert auf einem sehr hohen Sicherheitsniveau, zu wem die digitale Unterschrift gehört und dass das signierte Dokument nicht mehr verändert wurde. Für das Versenden eines eArztbriefs oder das Ausstellen eines digitalen Laborauftrags ist die QES bereits Pflicht. Mit dem Notfalldatensatz, dem elektronischen Rezept (eRezept) und der elektronischen Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung (eAU) kommen demnächst weitere Anwendungen mit QES-Pflicht hinzu.

Ärzte und Psychotherapeuten benötigen für die QES eine – meist im Praxisverwaltungssystem integrierte – Signatursoftware und einen eigenen elektronischen Heilberufsausweis. Letzterer dient als sogenannte Signaturkarte, bei welchem die digitale Unterschrift eindeutig einem Arzt beziehungsweise Psychotherapeuten zugeordnet werden kann. Sie darf nur von dafür zertifizierten Anbietern ausgestellt werden. Um eine QES zu erstellen, muss der Arzt oder Psychotherapeut den eHBA in das Lesegerät stecken und ihn zusätzlich mit einer sechsstelligen PIN freigeben.

Bei Rezepten und AU-Bescheinigungen, die in der Praxis sehr häufig vorkommen, würde eine QES bei jedem einzelnen elektronischen Dokument die Abläufe jedoch verzögern. Die KBV hat sich deshalb dafür eingesetzt, sichere, aber praxistaugliche Signaturverfahren dafür zu finden.

Die Stapelsignatur ermöglicht das gleichzeitige Signieren von mehreren Dokumenten. Arzt oder Psychotherapeut erzeugen hierbei einmal mit ihrem eHBA und ihrer PIN eine QES und signieren damit den gesamten vorbereiteten elektronischen Dokumentenstapel. Dies ist etwa bei der eAU sinnvoll. Hier ist die Ärztin oder der Arzt ab dem kommenden Jahr verpflichtet, diese elektronisch an die Krankenkassen zu verschicken. Es reicht aber aus, dies gesammelt einmal am Tag zu erledigen.

Die Komfortsignatur ist ein Verfahren, um weiterhin einzelne Dokument zu verschiedenen Zeitpunkten sicher, aber einfacher zu signieren. Notwendig ist das beispielsweise beim eRezept, das die Patientin oder der Patient direkt mitnehmen möchte. Ärztin oder Arzt geben mit ihrem eHBA und ihrer PIN einen persönlichen Arbeitsplatz für einen gewissen Zeitraum für die Signatur frei. Soll ein eRezept signiert werden, müssen sie oder er dies nur noch bestätigen.

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