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Praxisnachrichten

KBV soll Praxen beim Kodieren unterstützen

18.06.2020 - Ärzte und Psychotherapeuten sollen durch ihre Praxissoftware bei der Anwendung der ICD-10 unterstützt werden. Die KBV hat den gesetzlichen Auftrag, bis Ende Juni entsprechende Voraussetzungen zu definieren. „Wir schaffen keine neuen Regelungen. Es geht darum, vorhandene einzuhalten“, sagte KBV-Chef Dr. Andreas Gassen.

Die Vertreterversammlung der KBV hat den Entwurf für die ambulante Kodierunterstützung am vergangenen Freitag beschlossen. Damit kann die weitere Ausgestaltung beginnen. 

Ab 1. Januar 2022 müssen die Funktionalitäten zur Unterstützung der Kodierung in den Praxisverwaltungssystemen (PVS) zur Verfügung stehen, damit ausreichend Zeit für die Zertifizierung und Implementierung bereit steht.

Dann sind sie verbindlich von allen ambulant tätigen Ärzten und Psychotherapeuten in Praxen, Medizinischen Versorgungszentren und Krankenhäusern sowie in sonstigen Einrichtungen, die an der ambulanten ärztlichen Versorgung zulasten der gesetzlichen Krankenversicherung teilnehmen, anzuwenden. 

Diskussion um Kodierqualität

Den Auftrag hat der Gesetzgeber der KBV mit dem Terminservice- und Versorgungsgesetz erteilt. Hintergrund sind wiederkehrende Diskussionen um die Kodierqualität. 

Von der korrekten Verschlüsselung der Krankheiten hängt ab, wieviel Geld die Krankenkassen aus dem Gesundheitsfonds erhalten und wieviel Geld sie für die medizinische Versorgung ihrer Versicherten bereitstellen müssen. „Die Krankenkassen wollen jeden Euro, den wir mehr fordern, belegt haben”, betonte Gassen. 

Hofmeister: Kein neues Bürokratiemonster

„Wir wollen kein neues Bürokratiemonster“, sagte Vize-KBV-Chef Dr. Stephan Hofmeister. Die Kodierunterstützung müsse so einfach wie möglich sein. So wird es Hofmeister zufolge auch kein mehrseitiges Werk geben, das Ärzte und Psychotherapeuten zusätzlich zur ICD-10 studieren müssen.  

Bei den jetzt erarbeiteten Vorgaben zur Kodierunterstützung geht es um ausgewählte praxisrelevante Regelungen, die in das PVS implementiert werden sollen. Hinterlegte Informationen oder angezeigte Hinweise sollen auf das Nötigste beschränkt und so in die Software eingebaut werden, dass sie nicht „nerven“, sondern helfen. Basis bildet die ICD-10-GM, nach der Ärzte und Psychotherapeuten bereits seit 2000 sämtliche Krankheiten verschlüsseln müssen.

Fokus liegt auf ausgewählten Krankheiten 

Der Fokus liegt vorerst auf dem richtigen Verschlüsseln von Herz-Kreislauf- und Stoffwechselerkrankungen, zum Beispiel Herzinfarkt und Diabetes mellitus. Nur bei diesen Krankheitsbildern sollen dem Arzt Hinweise angezeigt werden, wenn der ausgewählte Kode nicht korrekt oder nicht spezifisch genug ist. Der Arzt hat dann die Möglichkeit, die Kodierung anzupassen.

Beim Kodieren Dauerdiagnosen prüfen

Ein weiteres Thema ist die Angabe von Akut- und Dauerdiagnosen sowie anamnestischen Diagnosen. Der akute Herzinfarkt, gesichert, oder die Penicillinallergie sollten nicht über Jahre dauerhaft jedes Quartal in den Abrechnungsdaten übernommen werden. „Das ergibt keinen Sinn“, sagte Hofmeister.

So ist beispielsweise nicht der akute Herzinfarkt vor vielen Jahren, sondern der Zustand nach Herzinfarkt mit blutgerinnungshemmender Medikation im aktuellen Behandlungskontext einer Hämaturie relevant.

Auch hierbei strebt die KBV eine für die Vertragsärzte aufwandsarme Lösung an: Es ist vorgesehen, dass Ärzte bereits beim Kodieren bestimmter Diagnosen einen Hinweis erhalten, ob diese als Dauerdiagnose geeignet sind.
Wie gehabt, prüfen Ärzte ihre Dauerdiagnosen, um nur diese in die Abrechnung zu übernehmen, die im aktuellen Behandlungskontext relevant sind. Das geht dann weiterhin en bloc. Es gehe nicht darum, alle alten und neuen Dauerdiagnosen bis zu einem Stichtag zu sichten und zu sortieren, betonte Hofmeister. „Diesen Aufwand wollen wir den Kolleginnen und Kollegen ersparen.“

Nach der Verabschiedung der Vorgaben zur ambulanten Kodierunterstützung in der KBV-Vertreterversammlung haben die Softwarehersteller ausreichend Zeit, die Inhalte und Funktionen in ihre PVS-Produkte zu implementieren und durch die KBV zertifizieren zu lassen. Dabei sind auch Tests eingeplant, um die Anwenderfreundlichkeit der Softwareumsetzung zu prüfen.

Schulungsmaterial für Praxen

In den Vorgaben selbst wird auf Fall- und Kodierungsbeispiele verzichtet. Dafür wird es rechtzeitig vor dem Start zusätzlich zur Kodierunterstützung im PVS Informations- und Schulungsmaterial für Praxen geben.

Zeitplan zur Einführung der ambulanten Kodierunterstützung

Den Auftrag hat der Gesetzgeber der KBV mit dem Terminservice- und Versorgungsgesetz erteilt und die Frist zum 1. Januar 2022 vorgegeben (vgl. § 295 Absatz 4 SGB V).

Dabei ist mit dem GKV-Spitzenverband und dem Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte „Stabstelle Klassifikationssysteme, Semantikzentrum“ (ehemals Deutsches Institut für medizinische Dokumentation und Information) das Benehmen und mit der Deutschen Krankenhausgesellschaft das Einvernehmen hergestellt worden. Die Berufsverbände wurden in einer Kommentierungsphase ebenfalls mit einbezogen.

  • 12. Juni 2020: Beschluss der Vertreterversammlung der KBV
  • 30. Juni 2020: Vorgaben zur ambulanten Kodierunterstützung müssen vorliegen – technische Anforderungen an PVS-Hersteller werden erstellt
  • 1. Januar 2022: Kodierunterstützung ist in den Praxisverwaltungssystemen eingestellt und in den Praxen anzuwenden

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