Logo-KBV

KBV Hauptnavigationen:

Sie befinden sich:

 

Praxisnachrichten

Vergütung von Hausbesuchen

KBV fordert dringend bessere Bewertung von Hausbesuchen

25.06.2020 - Die KBV hat ihre Forderung nach einer besseren Vergütung von Hausbesuchen erneut unterstrichen und zugleich scharfe Kritik an den Kassen geübt. Mit 23 Euro seien Hausbesuche nach wie vor „unzumutbar niedrig“ bewertet, kritisierte KBV-Vizechef Dr. Stephan Hofmeister.

Die Krankenkassen sind Hofmeister zufolge nicht bereit, mehr Geld für Hausbesuche bereitzustellen. „Wir hatten im Bewertungsausschuss ein Erlebnis der dritten Art, muss man fast sagen“, berichtete er in einem KV-on-Interview. Dort sei erneut vom GKV-Spitzenverband gesagt worden, dass es eigentlich keinen Aufwertungsbedarf für Hausbesuche gebe.

Die Kassen könnten sich lediglich vorstellen, „aus anderen Leistungen Geld herauszunehmen und in die Hausbesuchsleistung zu transferieren“, sagte Hofmeister und fügte hinzu: „Nun ist uns aber keine Leistung bekannt, die so überbewertet ist, dass man dafür Geld herausnehmen kann, um die Hausbesuche besser zu vergüten“.

Absoluter Affront

Hofmeister sieht das Verhalten der Kassen als „einen absoluten Affront“. In der Corona-Krise habe „die Vertragsärzteschaft sechs von sieben Patienten behandelt, sie identifiziert, Abstriche gemacht, hat sich gekümmert.“ Damit habe sie maßgeblich dazu beigetragen, „und in besonderer Weise die Hausärzte an vorderster Front“, dass die Corona-Situation in Deutschland bislang eher relativ glimpflich verlaufen sei was schwere und tödliche Verlaufsfälle angehe als in anderen europäischen Ländern.

Da sei es ein Schlag ins Gesicht, dass in Sachen Hausbesuche nicht in einen konstruktiven Dialog eingetreten und diese massiv unterbewertete Ziffer so aufgewertet werde, „dass die Besuche stattfinden können, ohne dass eine Praxis dadurch defizitär wird.“

Das Argument der Kassen, womit auf die hohen Ausgaben während der Corona-Krise verwiesen wird, lässt Hofmeister nicht gelten. Schließlich hätten die Ärzte auch „in Zeiten prall gefüllter Kassen nicht plötzlich ganz viel Honorar bekommen“. Es gehe hier nicht nach Kassenlage, sondern nach Sachgründen, „und hier haben wir einen Sachgrund“. Der deutlich zu schlecht bewertete Hausbesuch könne nicht mit „der Corona-Kassenlage gegengerechnet werden“.

Zahl der Hausbesuche sinkt

Mit einer angemessenen Vergütung will die KBV dafür sorgen, „dass die notwendigen ärztlichen Hausbesuche stattfinden können“, wie Hofmeister sagte. Dazu müsse sich der Arzt darauf verlassen können, dass der durch Hausbesuche entstehende Umsatzausfall in der Praxis durch die Hausbesuchsziffer aufgefangen werde.

Derzeit sinke die Zahl ärztlicher Hausbesuche. Das gelte nicht nur für Hausärzte, sondern auch für Fachärzte wie Neurologen, HNO-Ärzte und Psychiater, die insbesondere in der Heimversorgung dringend benötigt würden.

Hausbesuche müssen separat verhandelt werden

Die Vergütung der Hausbesuche wird nach den Worten Hofmeisters „auf keinen Fall Teil der jährlichen Honorarverhandlungen“. Da gehe es um Dinge wie Morbiditätsveränderung, um demographische Veränderungen und den Orientierungswert. „Und damit wollen wir das auf keinen Fall vermischen“, stellte der KBV-Vize klar. Die drastisch unterbezahlten Hausbesuche müssten anders bewertet werden. Das sei ein eigener Faktor, der separat verhandelt werden müsse.

Mehr zum Thema

zu den PraxisNachrichten