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Praxisnachrichten

Versandkosten für Arztbriefe seit 1. Juli neu geregelt

02.07.2020 - Seit 1. Juli wird der Versand elektronischer Arztbriefe stärker gefördert. Für Portokosten gibt es nur noch eine Pauschale, für das Fax eine neue Kostenpauschale. Mit dieser neuen Systematik sollen Praxen mehr Anreize erhalten, auf die elektronische Kommunikation umzusteigen.

Für jeden Brief, den Ärzte und Psychotherapeuten elektronisch versenden, erhalten sie 28 Cent (GOP 86900). Hinzu kommt seit 1. Juli eine Strukturförderpauschale (GOP 01660) von einem EBM-Punkt (10,99 Cent) je Brief. Für den Empfang (GOP 86901) gibt es weitere 27 Cent.

Die Vergütung für den Versand und Empfang von eArztbriefen (GOP 86900 und 86901) ist auf 23,40 Euro je Quartal und Arzt begrenzt. Unbegrenzt und extrabudgetär wird dagegen die Strukturförderpauschale gezahlt.

Porto- und Fax-Kostenpauschale

Wer Arztbriefe und andere Unterlagen per Post verschickt, erhält seit 1. Juli pro Sendung 81 Cent (GOP 40110) – unabhängig vom Umfang. Ebenfalls neu ist eine Fax-Kostenpauschale (GOP 40111). Sie ist mit zehn Cent je Telefax bewertet, ab 1. Juli 2021 nur noch mit fünf Cent.

Beide Kostenpauschalen unterliegen einem gemeinsamen Höchstwert, der arztgruppenspezifisch festgelegt wird.

Die bisherigen Kostenpauschalen 40120 bis 40126 für das Porto sowie die Kostenpauschale 40144 für Kopien wurden gestrichen.

Versand von eArztbriefe nur über KIM

Hintergrund für das neue Vergütungssystem ist die Vorgabe des Gesetzgebers, den Versand elektronischer Arztbriefe und Befunde stärker zu fördern mit dem Ziel, den Umstieg auf die digitale Kommunikation zu beschleunigen.

Dabei ist vorgeschrieben, dass Praxen für den Versand von eArztbriefen einen Dienst für Kommunikation im Medizinwesen, kurz KIM, nutzen müssen. Einen solchen Dienst benötigen sie unter anderem auch für den elektronischen Versand der AU-Bescheinigungen an die Krankenkassen, der ab 1. Januar 2021 Pflicht ist.

Bis entsprechende Dienste auf dem Markt sind, können Ärzte weiterhin KV-Connect nutzen – maximal ein halbes Jahr, nachdem der erste KIM-Dienst verfügbar ist. Noch im Sommer will auch die KBV den Praxen einen KIM-Dienst anbieten (die PraxisNachrichten werden berichten).

Erstattung von Kosten für den Versand von Arztbriefen

Gültig ab 1. Juli 2020

Elektronischer Versand

Bei elektronischer Post wird der Versand und der Empfang von Briefen abgerechnet und vergütet:  

  • Versand von Briefen: GOP 86900 für den Versand (0,28 Euro) plus GOP 01660 für die Strukturförderpauschale (1 Punkt / 0,1099 Euro)
  • Empfang von Briefen: GOP 86901 für den Empfang (0,27 Euro)

Hinweise

  • GOP 86900 und 86901: Für die Pauschalen 86900 und 86901 gilt ein gemeinsamer Höchstwert von 23,40 Euro je Quartal und Arzt. Das heißt: Mehr Geld bekommt der Arzt oder Psychotherapeut nicht erstattet, auch wenn er mehr eArztbriefe versandt und/oder empfangen hat. Für die GOP 01660 gibt es keinen Höchstwert.
  • GOP 01660: Der Versand des eArztbriefes wird in den nächsten drei Jahren zusätzlich mit einem EBM-Punkt (10,99 Cent) pro Brief gefördert. Die knapp elf Cent pro Brief werden auch gezahlt, wenn die Praxis den Höchstwert von 23,40 Euro erreicht hat.

Beispiele

  • Beispiel 1: Ein Arzt versendet 25 eArztbriefe und empfängt 75 eArztbriefe. Er erhält den Höchstbetrag von 23,40 Euro zuzüglich der Strukturförderpauschale für den Versand von rund 2,75 Euro (25 x 10,99 Cent)
  • Beispiel 2: Ein Psychotherapeut versendet 20 eArztbriefe und empfängt 30. Er erhält 13,70 Euro zuzüglich der Strukturförderpauschale von rund 2,20 Euro (20 x 10,99 Cent).

Versand per Post und per Fax

Per Post

Für den Versand von Briefen gibt es nur noch eine Kostenpauschale:

  • Porto-Kostenpauschale 40110: 0,81 Euro

Die bisherigen Porto-Kostenpauschalen 40120 bis 40126 sowie die Pauschale 40144 für Kopien werden gestrichen.

Die neue Pauschale 40110 kann nur abgerechnet werden, wenn der Brief per Post verschickt wird.

Per Fax

Die Abrechnung von Telefaxen erfolgt über die neue

  • Fax-Kostenpauschale 40111: 0,10 Euro

Zum 1. Juli 2021 wird die Bewertung auf 0,05 Euro pro Fax-Versand gesenkt.

Höchstwert für Post-Pauschale und Fax-Pauschale

Die Kostenpauschalen 40110 für das Briefporto und 40111 für das Fax unterliegen einem gemeinsamen Höchstwert je Arzt / Psychotherapeut. Der Höchstwert ist arztgruppenspezifisch festgelegt. Wie hoch er ab 1. Juli 2020 ist, haben wir in einer Übersicht zusammengestellt:

Arztgruppe Höchstwert in Euro*
Ermächtige Ärzte, Institute und Krankenhäuser 34,83
Allgemeinmedizin, hausärztliche Internisten und praktische Ärzte 38,88
Kinder- und Jugendmedizin 38,88
Anästhesiologie 29,97
Augenheilkunde 42,12
Chirurgie 115,02
Gynäkologie 45,36
Hals-Nasen-Ohrenheilkunde 68,85
Dermatologie 53,46
Humangenetik 93,96
Innere Medizin

ohne Schwerpunkt

198,45

Angiologie

239,76

Endokrinologie

294,03

Gastroenterologie

264,06

Hämatologie/Onkologie

278,64

Kardiologie

309,42

Nephrologie

126,36

Pneumologie

367,74

Rheumatologie

317,52
Kinder- und Jugendpsychiatrie und -psychotherapie 22,68
Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie 23,49
Neurologie, Neurochirurgie 149,04
Nuklearmedizin 405,81
Orthopädie 150,66
Sprach-, Stimm- und kindliche Hörstörungen 108,54
Psychiatrie 51,84

Nervenheilkunde, Neurologie und Psychiatrie

141,75
Psychosomatische Medizin und Psychotherapie 5,67
Psychotherapie 6,48
Radiologie 445,50
Strahlentherapie 133,65
Urologie 140,94
Physikalische und Rehabilitative Medizin 73,71
*Der Höchstwert wird zum 1. Juli 2021 und zum 1. Juli 2022 angepasst.

 

Pandemie-Kostenpauschale entfällt – Ausnahme NRW

Mit dem Auslaufen mehrerer Sonderregelungen zur Corona-Pandemie Ende Juni, ist die Kostenpauschale (GOP 40122) für Versand von AU-Bescheinigungen oder Folgeverordnungen wegfallen.

Allerdings: Ärzte in den Kreisen Gütersloh und Warendorf in Nordrhein-Westfalen (NRW) dürfen angesichts des Infektionsgeschehens vorerst bis zum 14. Juli wieder telefonisch AU-Bescheinigungen ausstellen. Für die Versandkosten können sie die neue GOP 88122 (90 Cent) abrechnen.

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