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Praxisnachrichten

Kryokonservierung von Ei- und Samenzellen wird Kassenleistung

23.07.2020 - Die Kosten für die Kryokonservierung von Ei- und Samenzellen werden künftig unter bestimmten Voraussetzungen von den gesetzlichen Krankenkassen übernommen. Damit soll Versicherten die Erfüllung eines Kinderwunsches nach keimzellschädigender Therapie durch künstliche Befruchtung ermöglicht werden.

Die Einführung dieser Leistung geht auf das vor gut einem Jahr verabschiedete Terminservice- und Versorgungsgesetz zurück. Mit einer neuen Richtlinie hat der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) nun den Anspruch auf eine Kryokonservierung von Keimzellen für eine spätere Fertilitätsbehandlung konkretisiert. 

In zwei Schritten

Damit Betroffene die neue Leistung möglichst zügig in Anspruch nehmen können, hat der G-BA ein zweistufiges Verfahren gewählt: Danach wurden jetzt zunächst Regelungen zur Kryokonservierung von Ei- und Samenzellen einschließlich der testikulären Spermienextraktion (TESE) getroffen, da diese Verfahren als etabliert und standardisiert gelten. Im zweiten Schritt wird dann die Aufnahme der Kryokonservierung von Keimzellengewebe beraten, weil hier die Erkenntnislage noch nicht sicher ist.

Strahlentherapie und spezielle Medikationen schädigen

Zu keimzellschädigenden Behandlungen zählen insbesondere die operative Entfernung von Keimdrüsen, eine Strahlentherapie mit zu erwartender Schädigung der Keimdrüsen sowie potentiell fertilitätsschädigende Medikationen. Ob eine Therapie keimzellschädigend sein kann, entscheidet der Facharzt, der auch die Grunderkrankung diagnostiziert oder behandelt. 

Umfassende Beratung der Betroffenen

Die Richtlinie sieht eine umfassende Beratung der Patienten vor. Bei Frauen ist das ein Facharzt für Frauenheilkunde und Geburtshilfe mit Schwerpunkt Gynäkologische Endokrinologie und Reproduktionsmedizin. 
Bei Männern ist ein Facharzt mit der Zusatzweiterbildung Andrologie berechtigt, wenn dieser sämtliche in der Richtlinie für Männer genannten Maßnahmen anbietet.

Der Anspruch auf Entnahme und Kryokonservierung von Ei- oder Samenzellen besteht für Frauen bis zur Vollendung des 40. Lebensjahres, bei männlichen Versicherten bis zur Vollendung des 50. Lebensjahres. 
Eine untere Altersgrenze, wie sie bei der künstlichen Befruchtung auf 25 Jahre festgelegt wurde, gibt es nicht.

Vergütung steht noch aus

Der Beschluss des G-BA tritt erst nach Nichtbeanstandung des Bundesgesundheitsministeriums in Kraft. 
Danach hat der Bewertungsausschuss sechs Monate Zeit, die Höhe der Vergütung festzulegen. Erst dann kann diese Leistung in Anspruch genommen werden.

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