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Praxisnachrichten

Schutz vor Gewalt und Missbrauch wird Teil des Qualitätsmanagements in Praxen

23.07.2020 - Um vulnerable Patientengruppen, wie Kinder und Jugendliche oder hilfsbedürftige Personen, vor Gewalt und Missbrauch zu schützen, sollen medizinische Einrichtungen künftig entsprechende Maßnahmen vorsehen. Das hat der Gemeinsame Bundesausschuss beschlossen und seine Qualitätsmanagement-Richtlinie ergänzt.

Gerade Einrichtungen wie Kliniken und Praxen komme eine „besondere Rolle als Schutz- und Kompetenzort“ zu, betonte der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) in seiner Begründung. Institutionelle Strukturen und Abläufe müssten so gestaltet werden, dass Übergriffe erkannt, benannt und Maßnahmen ergriffen werden können, um diese zu stoppen beziehungsweise zu verhindern. 

Praxen sollen ihr QM erweitern

Die angepasste QM-Richtlinie sieht vor, dass je nach Einrichtungsgröße, Leistungsspektrum und Patientenklientel über das spezifische Vorgehen zur Sensibilisierung des Teams sowie über weitere geeignete Maßnahmen entschieden wird. Dies können Informationsmaterialien, Kontaktadressen, Schulungen/Fortbildungen, Verhaltenskodizes, Handlungsempfehlungen, Interventionspläne oder umfassende Schutzkonzepte sein. 

Einrichtungen, die Kinder und Jugendliche versorgen, müssen sich nach den Vorgaben der QM-Richtlinie gezielt mit Prävention und Intervention bei (sexueller) Gewalt und Missbrauch befassen.

Zudem sollen Kinder und Jugendliche, die von Gewalt betroffen sind, in medizinischen Einrichtungen Unterstützung und Hilfe angeboten bekommen. Diese Ziele können laut G-BA durch die Entwicklung eines „Schutzkonzeptes“ erreicht werden, das an die unterschiedlichen Rahmenbedingungen der Einrichtungen angepasst ist. 

Der G-BA greift mit diesem Beschluss auch die Empfehlung des Unabhängigen Beauftragten für Fragen des sexuellen Kindesmissbrauchs auf, in Einrichtungen und Organisationen wie Schulen, Kitas oder Sportvereinen wirksame Schutzkonzepte zu entwickeln, um sexuelle Gewalt gegen Kinder und Jugendliche zu verhindern und Betroffenen Unterstützung und Hilfe zu ermöglichen.

Informationen für Praxen

Die KBV stellt zu den Themen Intervention bei häuslicher Gewalt und Kindesmissbrauch ein vielfältiges Angebot für Ärzte und Psychotherapeuten auf ihrer Themenseite im Internet bereit. Hierzu zählen unter anderem ein Qualitätszirkelmodul, eine Online-Fortbildung sowie Arbeitsmaterialien (siehe Übersicht unten). 

Erhebung zum einrichtungsinternen QM angepasst

Der G-BA hat außerdem die Vorgaben und den Fragebogen der Stichprobenerhebung zur Umsetzung des einrichtungsinternen Qualitätsmanagements überarbeitet. Die erste Erhebung nach den neuen Vorgaben wird 2021 erfolgen, danach alle zwei Jahre. 

BMG prüft Beschluss

Das Bundesgesundheitsministerium hat nun zwei Monate Zeit, den Beschluss des G-BA vom 16. Juli zu prüfen. Er tritt nach erfolgter Nichtbeanstandung und Veröffentlichung im Bundesanzeiger in Kraft.
 

Interventionen bei häuslicher Gewalt, sexuellem Missbrauch und Kindesmissbrauch: Informationsangebote

KBV-Themenseite: Interventionen bei Gewalt

Übersicht mit Kontaktdaten und Hilfsangeboten (bundesweite sowie regionale Angebote), Infomaterialien und Arbeitshilfen.

KBV-Themenseite Intervention bei Gewalt

Qualitätszirkel-Modul der KBV: Häusliche Gewalt

Ärzte sind häufig erster Ansprechpartner für Opfer häuslicher Gewalt. Die Thematisierung im Qualitätszirkel hilft, daraus resultierende schwierige Situationen im Praxisalltag besser bewältigen zu können. 

Im Mittelpunkt der Zirkelarbeit stehen die Vermittlung von Hintergrundwissen, zum Beispiel zu den unterschiedlichen Formen häuslicher Gewalt, das Erkennen häuslicher Gewalt („Red Flags“), eine ergebnisorientierte Ansprache Betroffener, die rechtssichere Dokumentation sowie regionale Unterstützungsangebote. 

Das Modul enthält praktische Übungen. Eine Checkliste unterstützt im Praxisalltag. 

Modul Möglichkeiten der Intervention bei häuslicher Gewalt (PDF)
Moderationsmedien (zip-Ordner)

KBV-Fortbildung: Kinderschutz

Die Aufklärung und Prävention von Missbrauch an Kindern und Jugendlichen ist eines der wichtigsten Ziele des Runden Tisches Sexueller Kindesmissbrauch, den die Bundesregierung 2010 berufen hatte. 
Die KBV unterstützt die Vorhaben unter anderem mit Fortbildungsangeboten für niedergelassene Ärzte und Psychotherapeuten. Sie sind häufig die erste Anlaufstelle für Betroffene sexueller Gewalt.

Thema der Fortbildungen ist die Entwicklung von Schutzkonzepten gegen Gewalt an Kindern für die vertragsärztliche Praxis. Schutzkonzepte dienen dazu, Risikofaktoren für Kindesmissbrauch zu erkennen. Andererseits sollen sie verhindern, dass die ambulante Praxis selbst zum Tatort wird. 

Fortbildungsportal der KBV

Initiativen des Unabhängigen Beauftragten für Fragen des sexuellen Kindesmissbrauchs

„Kein Raum für Missbrauch“ 

Die Initiative „Kein Raum für Missbrauch“ hat zum Ziel, dass alle Einrichtungen und Organisationen in Deutschland wie Schulen, Kindertagesstätten, Heime, Sportvereine, Kliniken und Kirchengemeinden ebenso wie Anbieter von Kinder- und Jugendreisen Schutzkonzepte zur Prävention und Intervention einführen. Auf der Website gibt es neben Informationen auch Materialen zur Unterstützung der Initiative – zum Beispiel Plakate und Flyer.

Website "Kein Raum für Missbrauch"
Online-Shop "Kein Raum für Missbrauch"

„Kein Kind alleine lassen“: Schwerpunkt Coronakrise

Auf der Website www.kein-kind-alleine-lassen.de können Interessierte Flyer und Plakate, unter anderem mit Adressen von Beratungsstellen, herunterladen und ausdrucken (weitere Formate sind auf Anfrage an kontakt@kein-kind-alleine-lassen.de jederzeit erhältlich). 

Daneben gibt es einen Info-Bereich speziell für Kinder und Jugendlichen sowie für Erwachsene mit Hinweisen zur Soforthilfe in Zeiten von Corona.

Website „Kein Kind alleine lassen“
Online-Shop „Kein Kind alleine lassen“

Hilfetelefon Sexueller Missbrauch

Das „Hilfetelefon Sexueller Missbrauch“ ist die bundesweite, kostenfreie und anonyme Anlaufstelle für Betroffene von sexueller Gewalt, für Angehörige sowie Personen aus dem sozialen Umfeld von Kindern, für Fachkräfte und für alle Interessierten.

Zur Auslage im Wartezimmer gibt es Klappkarten mit der Telefonnummer des Hilfetelefons Sexueller Missbrauch sowie kostenfreie Broschüren (per E-Mail bestellen: mail@nina-info.de).

Website des Hilftelefons

Hilfeportal zu sexuellem Missbrauch

Das Portal bietet neben Informationen zum Thema sexueller Missbrauch auch eine Datenbank mit Hilfsangeboten vor Ort. 

Die KBV ruft alle Ärzte und Psychotherapeuten dazu auf, sich kostenfrei einzutragen, wenn sie Hilfe für Betroffene anbieten können.

Website des Hilfeportals
Registrierung für Ärzte und Psychotherapeuten

Medizinische Kinderschutzhotline: Arbeitshilfe Schwerpunkt Coronakrise

Die Medizinische Kinderschutzhotline stellt Fachkräften im Gesundheitswesen eine kostenlose Arbeitshilfe zur Verfügung. Diese soll die Beratung von Familien erleichtern, die durch die Pandemie und die damit verbundenen Maßnahmen besonderen Belastungen ausgesetzt sind. 

Die Arbeitshilfe und eine extra Karte für Eltern stehen zum Download verfügbar (siehe unten) oder können in gedruckter Form per E-Mail bestellt werden: kinderschutzhotline.KJP@uniklinik-ulm.de.

Zusätzlich bietet die Kinderschutzhotline an, bei Bedarf weitere Arbeitshilfen zu schicken, um so Fachkräfte im Gesundheitswesen mit Informationen zu unterstützen. 

Unverändert steht die Hotline rund um die Uhr telefonisch für Beratungen unter 0800 19210 00 zur Verfügung.
 

Website der Kinderschutzhotline
Kitteltaschenkarte zum Thema Covid-19 Für Fachkräfte (PDF)
Karte zum Thema Covid-19 für Eltern (PDF)

Qualitätsmanagement

Qualitätsmanagement (QM) unterstützt die Praxisleitung und das Team dabei, Arbeitsabläufe zu strukturieren, Verantwortlichkeiten festzulegen und Risiken frühzeitig zu erkennen. Ziel ist es, alle Tätigkeiten konsequent an fachlichen, gesetzlichen und vertraglichen Grundlagen auszurichten – und sich dabei möglichst nah an den Bedürfnissen von Patienten und Mitarbeitern zu orientieren. So kann für alle Beteiligten eine größtmögliche Sicherheit und Zufriedenheit erreicht werden.

Vertragsärzte und Vertragspsychotherapeuten sind seit 2004 gesetzlich verpflichtet, ein sogenanntes einrichtungsinternes Qualitätsmanagement einzuführen und weiterzuentwickeln (§ 135a Sozialgesetzbuch V). In der QM-Richtlinie des Gemeinsamen Bundesausschusses sind die Ziele, Grundsätze, Instrumente sowie Anwendungsbereiche inklusive des Zeitrahmens für eine Einführung und Weiterentwicklung festgelegt. Beim Aufbau eines internen QM-Systems helfen Qualitätsmanagement-Verfahren wie QEP, KPQM, KTQ oder EPA.

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