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Praxisnachrichten

Umfrage: Hohe Wertschätzung der Patienten für ihre Ärzte

30.07.2020 - Die Wertschätzung der Patienten für die niedergelassenen Ärzte ist unverändert hoch. Das ergab die alljährliche Versichertenbefragung der KBV. „91 Prozent der Befragten gaben an, ein gutes oder sehr gutes Vertrauensverhältnis zu ihrem Arzt zu haben“, resümierte KBV-Vorstandsvorsitzender Dr. Andreas Gassen am Mittwoch vor Journalisten.

Das Vertrauensverhältnis steht der Befragung zufolge in deutlichem Zusammenhang mit der Fachkompetenz des Arztes: 92 Prozent bewerteten diese ebenfalls mit gut oder sehr gut. 

Wartezeiten kaum noch ein Problem

Die Erhebung hat zudem wiederum gezeigt, dass zu lange Wartezeiten auf einen Termin beim Arzt kaum noch ein Problem sind. Acht von zehn Befragten (80 Prozent) hat es demnach nicht zu lange gedauert, bis sie einen Termin bekamen. Bei der Frage nach den größten Herausforderungen der Zukunft im Gesundheitssystem spielt das Thema Wartezeiten und verfügbare Termine mit lediglich drei Prozent fast keine Rolle.  

„Zudem ergab die Befragung, dass sich die Wartezeiten von gesetzlich und privat Versicherten – entgegen manchen Behauptungen – immer mehr angleichen“, konstatierte der KBV-Chef. Der Anteil der gesetzlich Versicherten, die ohne Wartezeit einen Termin bekamen, sei mit 31 Prozent nahezu identisch mit dem Anteil der privat Versicherten mit 30 Prozent. Weitere 14 Prozent der Befragten waren ohne Vereinbarung direkt zum Arzt gegangen und jeweils zwei Prozent gaben an, dass ein Termin nicht notwendig war.

Ärztemangel als großes Problem

Große Sorgen machten sich die Versicherten dagegen über einen Ärztemangel, allgemein über einen Mangel an medizinischem und pflegerischem Personal, verdeutlichte Gassen und forderte: Die Arbeitsbedingungen in den Praxen müssten so gestaltet werden, „dass sich junge Ärzte niederlassen und die älteren nicht vorzeitig in den Ruhestand fliehen“.  Das kündigten immer mehr ältere Kollegen an, weil sie die restriktiven Eingriffe der Politik in die Praxen, etwa bei der Digitalisierung, nicht länger hinnehmen wollten. Die Sorge um die „Ressource Arzt“ sei bei den Versicherten längst angekommen.

Weniger Arzt-Patienten-Kontakte

Im Vergleich zu früheren Befragungen ist die Zahl der Menschen, die überhaupt nicht beim Arzt waren, bei der diesjährigen Umfrage um sechs Prozent gestiegen. „Hier ist ein Zusammenhang mit coronabedingten Lockdown-Maßnahmen zu vermuten, da die Befragung genau in diese Zeit fiel“, sagte Gassen. 

Dennoch sei der Löwenanteil von Corona-Patienten von niedergelassenen Ärzten versorgt worden, hob der stellvertretende KBV-Vorstandsvorsitzende Dr. Stephan Hofmeister hervor. Das gelte sowohl für die Testungen als auch für die Behandlung. Von bislang 205.000 gemeldeten Infizierten seien etwa 30.000 im Krankenhaus behandelt worden, was bedeute, dass sechs von sieben Patienten ambulant versorgt wurden.

Hausärzte erste Ansprechpartner bei Corona

Hofmeister verwies in diesem Zusammenhang auf die Ergebnisse einer weiteren Online-Umfrage im Mai unter 2.500 Personen. Davon gaben drei Viertel an, dass der Hausarzt für sie erster Ansprechpartner bei Anzeichen einer Infektion mit dem Corona-Virus sei. Über die Hälfte der Befragten zeigte sich mit der Arbeit der Ärzte während der Pandemie zufrieden. Nur knapp acht Prozent waren unzufrieden.

Mehrheit befürwortet umfassenden Impfschutz

Erste Ansprechpartner bleiben die Vertragsärzte auch beim Thema Impfen. Der Befragung zufolge befürworte die Mehrzahl einen umfassenden Impfschutz, betonte Hofmeister. „Nur sieben Prozent möchten sich gar nicht impfen lassen.“ Das sei ein „wohltuendes Gegenbild zum lautstarken Erscheinungsbild sogenannter Impfgegner“. Immerhin gaben 67 Prozent aller Befragten an, dass ihr Impfschutz auf einem aktuellen Stand sei.

Digitalisierung sehen Versicherte skeptisch   

Die zunehmende Digitalisierung im Gesundheitswesen sehen mit 51 Prozent mehr als die Hälfte der Befragten zwar eher als Vorteil, aber zugleich befürchten 39 Prozent eine Verschlechterung ihres Verhältnisses zum Arzt.  Der persönliche Kontakt mit dem Arzt bleibe „der Goldstandard und wird von Patienten auch so gewünscht“, ist sich Hofmeister sicher.

Die Tatsache, dass 58 Prozent der Smartphone-Nutzer unter den Patienten die Empfehlung von Gesundheits-Apps am liebsten von ihrem Arzt möchten, sei ebenfalls ein „Zeichen des Vertrauens in die Kompetenz der Niedergelassenen“. 

Nummer 116117 deutlich bekannter

Die Befragung zeigte auch, dass immer mehr Bürger die Telefonnummer für den Patientenservice 116117 kennen. Während im Vorjahr 37 Prozent der Befragten die 116117 als Nummer für die ärztliche Versorgung auch nachts und an Wochenenden kannten, waren es jetzt 45 Prozent.

In der Corona-Hochphase im März und April sei die Nummer in der Öffentlichkeit oft als „Corona-Hotline“ bezeichnet worden, sagte Gassen und fügte hinzu: „Die 116117 war und ist die einzige bundesweit erreichbare Nummer, die 24/7 Informationen und Hilfe bei medizinischen Problemen bietet.“

Wegen Corona nur etwa 2.000 Bürger befragt

Die Forschungsgruppe Wahlen führt im Auftrag der KBV die repräsentativen Versichertenbefragungen seit 2006 durch. In diesem Jahr wurden aufgrund der Corona-Pandemie vom 16. bis 25. März 2020 insgesamt lediglich 2.036 zufällig ausgewählte Bürger telefonisch befragt. In den Vorjahren waren es jeweils etwa 6.000, um auch repräsentative Ergebnisse für die Ebene der KVen zu generieren.
 

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