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Praxisnachrichten

Start der neuen Heilmittel-Richtlinie verschiebt sich auf 2021

03.09.2020 - Der zum 1. Oktober geplante Start der neuen Heilmittel-Richtlinie wird um ein Quartal verschoben. Das hat der Gemeinsame Bundesausschuss heute beschlossen. Damit gelten die vereinfachten Vorgaben zur Verordnung von Heilmitteln erst ab Januar 2021.

Hintergrund für die Verschiebung ist, dass nicht alle Softwarehäuser rechtzeitig bis zum 1. Oktober die neuen Vorgaben umsetzen und bereitstellen können. Die KBV hatte daraufhin einen entsprechenden Antrag in die Gremien des Gemeinsamen Bundesausschusses (G-BA) eingebracht.

Der G-BA hat den Beschluss am Donnerstag gefasst. Das Bundesgesundheitsministerium muss diesen noch prüfen, hat aber bereits Zustimmung signalisiert.

Hinweis zu den Formularen 13, 14 und 18

Durch die neue Heilmittel-Richtlinie soll die ärztliche Verordnung von Krankengymnastik oder Logopädie vereinfacht werden. Außerdem brauchen Ärzte ab Januar nur noch ein Formular ausfüllen, während es bisher drei verschiedene gibt.

Mit der Verschiebung des Inkrafttretens der neuen Richtlinie behalten die bisherigen Verordnungsformulare 13, 14 und 18 bis zum Jahresende ihre Gültigkeit.

Ab 1. Januar 2021 müssen Praxen dann das neue Formular 13 einsetzen, das für die Verordnung sämtlicher Heilmittel gilt: Physiotherapie, Podologische Therapie, Stimm-, Sprech-, Sprach- sowie Schlucktherapie, Ergotherapie, Ernährungstherapie (Ansichtsexemplar siehe unten).

Serviceprodukte für die Praxis

Zum Start der neuen Heilmittel-Richtlinie hat die KBV mehrere Serviceprodukte geplant. Dazu gehört die Servicebroschüre „Heilmittel“ aus der Reihe PraxisWissen, die am 11. Dezember dem Deutschen Ärzteblatt beiliegen wird, sowie ein Video, das die wichtigsten Kernpunkte der Broschüre zusammenfasst. Der Heilmittelkatalog wird mobil in der App KBV2GO! zur Verfügung stehen.

Geplant sind außerdem zwei CME-zertifizierte Online-Fortbildungen „Heilmittel: Grundsätze und Rahmenbedingungen“ sowie „Anwendung der Heilmittel-Richtlinie“. Bei erfolgreicher Teilnahme gibt es jeweils drei CME-Punkte. Die Fortbildungen werden zum Start der neuen Richtlinie im Fortbildungsportal der KBV bereitstehen.

Vereinfachte Verordnung von Heilmitteln

Ob Physiotherapie, Ergotherapie oder Logopädie: Die Regelungen zur ärztlichen Verordnung von Heilmitteln sind über die Jahre immer komplexer geworden und kaum noch zu überblicken. Der Gemeinsame Bundesausschuss hat die Vorgaben daher grundlegend überarbeitet und 2019 eine neue Heilmittel-Richtlinie beschlossen. Die neuen Vorgaben, die wesentlich einfacher sind und nicht nur den verordnenden Ärzten, sondern auch den Heilmitteltherapeuten und Patienten zugutekommen, sollten ursprünglich zum 1. Oktober 2020 starten, dies erfolgt nun zum 1. Januar 2021.

Heilmittel-Verordnung: Das ändert sich für Praxen ab 1. Januar 2021

Klare und einfache Vorgaben lösen die komplizierte Regelfallsystematik und die aufwändige und trotzdem unsichere Bemessung der behandlungsfreien Intervalle ab. Außerdem wird der Heilmittelkatalog überschaubarer. Zur Verordnung gibt es nur noch ein Formular für alle Heilmittel und nicht mehr drei verschiedene. Insgesamt sind die neuen Vorgaben zur Verordnung von Heilmitteln wesentlich besser zu überblicken. So sollen die verordnenden Ärztinnen und Ärzte entlastet werden.

Die wichtigsten Neuerungen betreffen:

  • die Systematik,
  • den Heilmittelkatalog,
  • die Verordnungsoptionen,
  • das Formular.

Systematik

  • Systematisch sind drei Begriffe wichtig:
    • der Verordnungsfall,
    • die orientierende Behandlungsmenge,
    • das Verordnungsdatum.
  • Bezugsgröße ist nicht mehr der Regelfall, sondern der Verordnungsfall. Er bezieht sich auf den verordnenden Arzt, die Erkrankung seines Patienten und das Verordnungsdatum.
  • Ärzte müssen damit nicht mehr in Erfahrung bringen, wieviel Heilmittel andere Kolleginnen oder Kollegen demselben Patienten verordnet haben.
  • Ein Verordnungsfall endet sechs Monate nach dem Verordnungsdatum – sofern der Arzt in dieser Zeit keine weitere Verordnung aufgrund derselben Erkrankungen für denselben Patienten ausstellt.
  • Für jede Diagnosegruppe ist im Heilmittelkatalog eine sogenannte orientierende Behandlungsmenge angegeben. Mit ihr soll das Behandlungsziel erreicht werden. Sofern medizinisch notwendig, können Ärzte weitere Verordnungen ausstellen. Eine Begründung ist nicht mehr auf der Verordnung notwendig, sondern nur noch in der Patientenakte zu dokumentieren.
  • Allerdings: Wie bisher gibt es für jede Verordnung Höchstmengen. Diese Höchstmenge je Verordnung dürfen Ärzte nur in Ausnahmefällen überschreiten – etwa bei einem langfristigen Heilmittelbedarf oder bei einem besonderen Verordnungsbedarf, wo der Bedarf für bis zu 12 Wochen bemessen werden darf.
  • Sowohl die orientierende Behandlungsmenge als auch die Höchstmenge je Verordnung finden Ärzte im Heilmittelkatalog – ebenso wie die jeweils empfohlene Therapie-Frequenz.

Heilmittelkatalog

  • Insgesamt ist der Heilmittelkatalog übersichtlicher. Die Diagnosegruppen wurden zusammengefasst, vor allem im Bereich Physiotherapie.
  • Innerhalb der Diagnosegruppen wird nicht mehr unterschieden zwischen kurzfristigem oder mittelfristigem beziehungsweise langfristigem Behandlungsbedarf.
  • Was ebenfalls entfällt: das Aufrechnen der Verordnungsmengen von Vor-Verordnungen für verwandte Diagnosegruppen. Und: Ärzte brauchen nicht mehr formell zu wechseln zwischen verwandten Diagnosegruppen.

Verordnungsoptionen

  • Auf der Verordnung können neuerdings mehrere Leitsymptomatiken angegeben oder bis zu drei vorrangige Heilmittel zugleich verordnet werden.
  • Auch können Ärzte die Verordnung als dringlich markieren.
  • Besteht kein dringlicher Behandlungsbedarf, behält die Verordnung nun länger ihre Gültigkeit: nämlich 28 Tage lang, früher waren es nur 14 Tage. Das soll Patienten mehr Zeit geben, den richtigen Heilmitteltherapeuten zu finden und einen Termin zu vereinbaren.

Formular

  • Das neue Formular 13 ist eine weitere Vereinfachung. Es löst die alten Formulare 13, 14 und 18 ab und wird zur Verordnung sämtlicher Heilmittel eingesetzt.
  • Das Verordnungsformular ist übersichtlich aufgebaut und kann wie die anderen vertragsärztlichen Formulare regulär bestellt beziehungsweise über die Praxissoftware abgerufen werden.

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