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Praxisnachrichten

Psychotherapeuten dürfen psychiatrische häusliche Krankenpflege verordnen

17.09.2020 - Eine psychiatrische häusliche Krankenpflege darf künftig auch von Psychologischen Psychotherapeuten und Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeuten verordnet werden. Bisher waren nur bestimmte Facharztgruppen sowie für einen begrenzten Zeitraum Hausärzte dazu befugt.

Mit dem Gesetz zur Reform der Psychotherapeutenausbildung wurden zum 1. September 2020 die Befugnisse der Psychologischen Psychotherapeuten und Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeuten in Bezug auf die Verordnung von psychiatrischer häuslicher Krankenpflege (pHKP) erweitert.

Der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) hat diese Erweiterung am Donnerstag in der Richtlinie zur Verordnung häuslicher Krankenpflege umgesetzt. Damit dürfen Psychotherapeuten und Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeuten Leistungen der pHKP analog der verordnungsberechtigten Fachärzte verordnen (siehe Übersicht).

Prüfung des Beschlusses und Anpassung des EBM

Der Beschluss des G-BA wird jetzt zunächst vom Bundesministerium für Gesundheit geprüft. Dazu hat es zwei Monate Zeit. Außerdem muss der EBM angepasst werden. Erst dann dürfen auch Psychologische Psychotherapeuten und Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeuten die Leistung verordnen.

Formular 12 zur Verordnung

Die Verordnung erfolgt auf dem vertragsärztlichen Formular 12 „Verordnung häuslicher Krankenpflege“. Darauf ist die Nummer 27a beziehungsweise „psychiatrische häusliche Krankenpflege“ unter „Behandlungspflege“ anzugeben. Das Formular 12 erhalten Psychotherapeuten über ihre reguläre Formularbestellung.

Psychiatrische häusliche Krankenpflege

Psychisch schwer erkrankte Menschen brauchen eine besondere Art der häuslichen Krankenpflege. Die sogenannte psychiatrische häusliche Krankenpflege hat zum Ziel, dass psychisch beeinträchtigte Menschen im Rahmen ihrer Möglichkeiten in ihrer Häuslichkeit leben können. Krankenhausaufenthalte sollen vermieden und Liegezeiten verkürzt werden. Die Patienten sollen angeleitet werden, ihr Leben so gut wie möglich selbst zu gestalten.

Diagnosen

Ohne nähere Begründung darf psychiatrische häusliche Krankenpflege bei folgenden Diagnosen verordnet werden:

  • F00.1  Demenz bei Alzheimer-Krankheit, mit spätem Beginn (Typ 1)  
  • F01.0  Vaskuläre Demenz mit akutem Beginn  
  • F01.1  Multiinfarkt-Demenz  
  • F01.2  Subkortikale vaskuläre Demenz  
  • F02.0  Demenz bei Pick-Krankheit  
  • F02.1  Demenz bei Creuztfeldt-Jakob-Krankheit  
  • F02.2  Demenz bei Chorea Huntington  
  • F02.3  Demenz bei primärem Parkinson-Syndrom  
  • F02.4  Demenz bei HIV-Krankheit  
  • F02.8  Demenz bei andernorts klassifizierten Krankheitsbildern  
  • F04.-  Organisches amnestisches Syndrom, nicht durch Alkohol oder andere psychotrope Substanzen bedingt  
  • F05.1  Delir bei Demenz  
  • F06.0  Organische Halluzinose  
  • F06.1  Organische katatone Störung  
  • F06.2  Organische wahnhafte Störung  
  • F06.3  Organische affektive Störung  
  • F06.4  Organische Angststörung  
  • F06.5  Organische dissoziative Störung  
  • F06.6  Organische emotional labile Störung  
  • F07.0  Organische Persönlichkeitsstörung  
  • F07.1  Postenzephalitisches Syndrom  
  • F07.2  Organisches Psychosyndrom nach Schädelhirntrauma  
  • F20.-  Schizophrenie  
  • F21.-  Schizotype Störung  
  • F22.-  Anhaltende wahnhafte Störung  
  • F24.-  Induzierte wahnhafte Störung  
  • F25.-  Schizoaffektive Störung  
  • F30.-  Manische Episode  
  • F31.-  Bipolare affektive Störung mit Ausnahme von: F31.7 bis F31.9  
  • F32.-  Depressive Episode mit Ausnahme von: F32.0, F32.1 und F32.9  
  • F33.-  Rezidivierende depressive Störung mit Ausnahme von: F33.0, F33.4, F33.8 und F33.9  
  • F41.0  Panikstörung, auch wenn sie auf sozialen Phobien beruht  
  • F41.1  Generalisierte Angststörung  
  • F42.1  Vorwiegende Zwangshandlungen  
  • F42.2  Zwangsgedanken und -handlungen, gemischt  
  • F43.1  Posttraumatische Belastungsstörung  
  • F53.1  Schwere psychische Verhaltensstörung im Wochenbett  
  • F60.3  Emotional instabile Persönlichkeitsstörung  

Darüber hinaus darf sie in begründeten Einzelfällen bei Diagnosen nach F00 bis F99 verordnet werden, wenn folgende Voraussetzungen aus der Verordnung hervorgehen:

  • Der GAF-Wert (Erklärung siehe unten) muss kleiner gleich 40 sein.
  • Es liegen Fähigkeitsstörungen in einem Maß vor, dass das Leben im Alltag nicht mehr selbständig bewältigt oder koordiniert werden kann.
  • Es besteht eine ausreichende Behandlungsfähigkeit. Es ist zu erwarten, dass die Therapieziele der pHKP erreicht werden können.
  • pHKP kann dazu beitragen, dass der Patient das Leben im Alltag selbständig bewältigen und koordinieren kann.

Verordnungsberechtigte Ärzte und Psychotherapeuten

Psychiatrische häusliche Krankenpflege darf laut Richtlinie des G-BA nur von bestimmten Facharztgruppen verordnet werden:

  • Fachärzte für Nervenheilkunde, Neurologie, Psychiatrie und Psychotherapie, Psychosomatische Medizin und Psychotherapie
  • Fachärzte für Kinder-und Jugendpsychiatrie, Kinder- und Jugendpsychotherapie
  • Fachärzte in psychiatrischen Institutsambulanzen

Darüber hinaus können – für einen begrenzten Zeitraum in der Regel sechs Wochen – Hausärzte sowie Fachärzte mit der Zusatzbezeichnung Psychotherapie psychiatrische häusliche Krankenpflege verordnen, wenn eine fachärztlich gesicherte Diagnose vorliegt.

Durch den Beschluss des G-BA vom 17. September 2020 können künftig auch Psychologische Psychotherapeuten sowie Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeuten psychiatrische häusliche Krankenpflege verordnen. Der Beschluss wird derzeit zunächst vom Bundesgesundheitsministerium geprüft.

Verordnung auf Formular 12

Zur Verordnung der psychiatrischen häuslichen Krankenpflege muss das Formular 12 „Verordnung häuslicher Krankenpflege“ verwendet werden. Darauf ist unter Behandlungspflege die Nummer 27a einzutragen. Die Nummer 27a steht im Leistungsverzeichnis der häuslichen Krankenpflege für die Leistung „psychiatrische häusliche Krankenpflege“.

Auf Verordnung GAF-Wert angeben

Auf der Verordnung muss der GAF-Wert angegeben werden. Die sogenannte GAF-Skala („Global Assessment of Functioning Scale“) gibt Auskunft über das Ausmaß der Fähigkeitsstörungen. Bei den „Regelindikationen“ muss der GAF-Wert kleiner gleich 50 sein.

Häufigkeit und Dauer der Verordnung

Die Verordnungsdauer ist grundsätzlich je nach Einzelfall und in Abhängigkeit des individuellen Bedarfs zu bemessen.

Die Dauer der Erstverordnung kann auf 14 Tage beschränkt werden, wenn der Arzt zum Beispiel nicht einschätzen kann, ob der Patient über eine ausreichende Behandlungsfähigkeit verfügt.

Sofern dann keine abschließende Einschätzung möglich, kann eine weitere Folgeverordnung für 14 Tage ausgestellt werden.

Bis zu vier Monate können Maßnahmen der psychiatrischen häuslichen Krankenpflege verordnet werden.
Falls eine Notwendigkeit für psychiatrische häusliche Krankenpflege über vier Monate hinaus besteht, muss der Arzt dies begründen.

Behandlungsplan ist Bestandteil der Verordnung

Bestandteil der Verordnung ist ein Behandlungsplan, den der verordnende Arzt – beziehungsweise künftig Psychotherapeut – erstellt. Dieser Behandlungsplan umfasst

  • die Indikation,
  • die Fähigkeitsstörungen,
  • die Zielsetzung der Behandlung und
  • die Behandlungsschritte.

Digitales Leistungsverzeichnis zur häuslichen Krankenpflege

Als Service bietet die KBV das Leistungsverzeichnis für die häusliche Krankenpflege in digitaler Form auf ihrer Internetseite an. Damit müssen Ärzte und Psychotherapeuten das 30‐seitige Verzeichnis nicht über die Richtlinie zur häuslichen Krankenpflege als PDF aufrufen, um nach einer Leistung oder entsprechenden Verordnungshinweisen zu suchen. Praxen können das Angebot im Internet nutzen und über die App "KBV2GO!".

Digitalisiertes Leistungsverzeichnis zur häuslichen Krankenpflege mit Suchfunktion

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