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Nationale Demenzstrategie soll Initiativen bündeln

17.09.2020 - Für die kürzlich von der Bundesregierung beschlossene Nationale Demenzstrategie beginnt jetzt die Umsetzung. Der Startschuss fällt am 23. September in der Woche der Demenz. Ziel ist es, mit einem breiten Bündnis Deutschland demenzfreundlich zu gestalten.

Menschen mit Demenz sollen in der Mitte der Gesellschaft bleiben, heißt es im Vorwort zur Demenzstrategie. Ihnen solle mehr Teilhabe und ihren Angehörigen stärkere Unterstützung ermöglicht werden. Es gibt bereits zahlreiche Initiativen, Programme und Organisationen, die sich dem Thema widmen. Die nationale Initiative soll nunmehr das Wissen vieler Spezialisten bündeln und die Akteure besser vernetzen.

Auch wenn derzeit noch keine Heilung möglich sei, könne den Erkrankten und ihren Angehörigen durch medizinische Behandlung, soziale Betreuung sowie fachkundige Pflege geholfen werden, betonte der stellvertretende KBV-Vorstandsvorsitzende Dr. Stephan Hofmeister. Wichtig sei, den Betroffenen solange wie möglich die Selbständigkeit zu erhalten. Vor allem durch eine frühzeitige Diagnose könne der Prozess verzögert werden. Aber auch die Angehörigen benötigten Unterstützung, denn die Pflege sei eine körperlich und emotional sehr belastende Aufgabe.

Vier Handlungsfelder im Fokus

Die Demenzstrategie ist bundesweit ausgerichtet und langfristig angelegt. Im Fokus stehen vier Handlungsfelder (siehe Infokasten). Es wurden insgesamt 27 Ziele formuliert und 162 Maßnahmen vereinbart, welche in den kommenden Jahren umgesetzt werden sollen. Die Evaluation ist für 2025 geplant.

Der Prozess zur Verbesserung der Lebenssituation von Menschen mit Demenz und ihrer Angehörigen war im Jahr 2012 mit der „Allianz für Menschen mit Demenz“ angestoßen worden.

Federführend bei der Entwicklung der Strategie waren das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend sowie das Bundesgesundheitsministerium. Für den Bereich Demenzforschung war das Bundesforschungsministerium zuständig. Den Co-Vorsitz hatte die Deutsche Alzheimer Gesellschaft e.V. Selbsthilfe Demenz.

KBV beteiligt sich an zahlreichen Projekten

Die KBV wird sich an zahlreichen Projekten und Maßnahmen der Demenzstrategie beteiligen. Dazu gehören die Sensibilisierung der Haus- und Fachärzte zu rechtlichen Fragen im Zusammenhang mit der Erkrankung oder die bessere Koordinierung der ambulanten pflegerischen Versorgung. Zudem wird die KBV beispielsweise Empfehlungen zur ambulanten Notfallversorgung mitentwickeln.

„Demenz – wir müssen reden!“

Bundesweit sind 1,7 Millionen Menschen von Demenz betroffen. Jährlich werden mehr als 300 000 Neuerkrankungen registriert.

Der Welt-Alzheimertag am 21. September und die Woche der Demenz vom 21. bis 27. September stehen in diesem Jahr unter dem Motto „Demenz – wir müssen reden!“. Die Erkrankung soll aus der Tabu-Zone geholt und die Öffentlichkeit dafür sensibilisiert werden.

In Deutschland organisieren die örtlichen Alzheimer-Gesellschaften und Selbsthilfegruppen alljährlich Vorträge, Tagungen, Gottesdienste sowie Benefizkonzerte, um auf die Situation von Menschen mit Demenz und Alzheimer sowie deren Angehörigen aufmerksam zu machen.

Die vier Handlungsfelder der Nationalen Demenzstrategie

Strukturen zur gesellschaftlichen Teilhabe von Menschen mit Demenz an ihrem Lebensort aus- und aufbauen

  • Mobilitätskonzepte für Menschen mit Demenz sensibilisieren
  • Sozialräume für Menschen mit Demenz auf- und ausbauen
  • Spirituelle und religiöse Unterstützung
  • Freiwilliges Engagement und informelle Unterstützung fördern
  • Wohnkonzepte gestalten

Menschen mit Demenz und ihre Angehörigen unterstützen

  • Beratung und Begleitung für Menschen mit Demenz und ihre Angehörigen verbessern
  • Unterstützung in rechtlichen Fragen
  • Beratungs- und Unterstützungsangebote für Menschen mit Demenz im Erwerbsalter ausweiten
  • Kultursensible Beratungsofferten aus- und aufbauen
  • Schulungen für Angehörige zum Thema Pflege und Demenz
  • Vereinbarkeit von Pflege und Beruf verbessern
  • Bei Bewältigung von familiären Konflikten unterstützen
  • Angebote zur gesundheitlichen Prävention und Rehabilitation für Angehörige von Demenz-Erkrankten aus- und aufbauen
  • Angehörige von Menschen mit Demenz bei der Sterbebegleitung unterstützen

Medizinische und pflegerische Versorgung von Menschen mit Demenz weiterentwickeln

  • Ambulante und teilstationäre Pflege sowie Kurzzeitpflege fördern
  • Demenzsensible Gestaltung vollstationärer Pflegeeinrichtungen fördern
  • Medizinische Versorgung von Menschen mit Demenz verbessern
  • Zusammenarbeit im Versorgungsnetz fördern
  • Präventive und rehabilitative Angebote stärken

Exzellente Forschung zu Demenz fördern

  • Nationale und internationale Infrastruktur in der Demenzforschung stärken
  • Forschung zu Prävention und Therapie der Demenz fördern
  • Versorgungsforschung zu Demenz fördern
  • Partizipation in der Demenzforschung verbessern

Welt-Alzheimertag: 21. September

Der Welt-Alzheimertag wurde 1994 von Alzheimer’s Disease International, dem Dachverband von 95 nationalen Alzheimer-Gesellschaften gemeinsam mit der WHO ins Leben gerufen. Dieser Tag soll weltweit auf die Krankheit und ihre Folgen für die betroffenen Menschen und ihre Familien aufmerksam machen. Am Welt-Alzheimertag und in der Woche der Demenz finden auch in Deutschland zahlreiche Veranstaltungen statt.

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