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RESIST: Weniger Verordnungen von Antibiotika

17.09.2020 - Eine bessere Kommunikation zwischen Arzt und Patient trägt zu einem Rückgang der Verordnungen von Antibiotika bei Atemwegserkrankungen bei. Dies zeigt die aktuelle Studie zum Modellprojekt „RESISTenzvermeidung durch adäquaten Antibiotikaeinsatz bei akuten Atemwegsinfektionen“, die am Montag in Berlin vorgestellt wurde.

Bei RESIST handelt es sich um ein Projekt des Verbandes der Ersatzkassen e. V. (vdek), der KBV und acht Kassenärztlichen Vereinigungen (KVen), das vom Innovationsfonds gefördert wurde. Daran beteiligten sich von Juli 2017 bis Juli 2019 rund 2.460 Haus-, Kinder- und HNO-Ärzte sowie Fachärzte für Innere Medizin. Versorgt wurden mehr als eine Million Kassenpatienten.

Der stellvertretende KBV-Vorstandsvorsitzende Dr. Stephan Hofmeister hob die hohe Akzeptanz der beteiligten Ärzte an dem Projekt hervor. Bei RESIST handele es sich um das bisher größte, unter realen Versorgungsbedingungen umgesetzte Projekt.

Ebenso erfreulich seien die Ergebnisse, resümierte Hofmeister. „So konnte RESIST in einem im internationalen Vergleich klaren Niedrigverordnungsland wie Deutschland mit generell sinkenden Verordnungszahlen eine weitere Senkung der Verordnungszahlen erzielen: ein Minus von 3,1 Prozent bei Atemwegsinfekten.“

Vdek-Vorstandsvorsitzende Ulrike Elsner kündigte angesichts des erzielten Rückgangs der Verordnungszahlen an: „Wir werden uns dafür einsetzen, dass das Konzept zukünftig dauerhaft in allen KV-Regionen und für alle GKV-Versicherten angeboten werden kann.“

Verordnungsrate sank von 26 auf 20 Prozent

Während in der Wintersaison 2016/2017 noch 29 Prozent der Patienten von Haus-, Kinder- und HNO-Ärzten mit akuten Atemwegsinfekten ein Antibiotikum erhielten, waren es in der Wintersaison 2018/2019 nur noch 24 Prozent.

Dieser ohnehin positive Trend machte sich bei den RESIST-Teilnehmern noch stärker bemerkbar: Hier sank die Verordnungsrate im selben Zeitraum von 26 Prozent in der Wintersaison 2016/2017 auf 20 Prozent in der Saison 2018/2019.

Der rationale Einsatz von Antibiotika bezieht sich jedoch nicht nur auf die Quantität des Einsatzes, sondern auch auf die Qualität der Wirkstoffauswahl, wobei für RESIST der Ansatz „so schmal wie möglich, so breit wie nötig“ verfolgt wurde.

In Deutschlands Arztpraxen werden pro Jahr Schätzungen zufolge zwischen 38 und 40 Millionen Antibiotika-Verordnungen ausgestellt. Allerdings sind immer mehr Bakterien gegen die vorhandenen Antibiotika resistent. Damit die Wirksamkeit bestehen bleibt, ist ein behutsamer rationaler Einsatz notwendig. Akute Atemwegserkrankungen werden in 90 Prozent der Fälle durch Viren ausgelöst, gegenüber denen Antibiotika wirkungslos sind.

„RESISTenzvermeidung durch adäquaten Antibiotikaeinsatz bei akuten Atemwegsinfektionen“

Das Projekt RESIST setzt auf Aufklärung und auf die Arzt-Patienten-Kommunikation. Der Innovationsfonds hat für das Modellvorhaben von vdek, Ersatzkassen, KBV und KVen rund 14 Millionen Euro zur Verfügung gestellt.

Im Zentrum des Projekts stehen die Arzt-Patienten-Kommunikation und die gemeinsame Entscheidungsfindung bei der Arzneimitteltherapie. Diese wird unterstützt durch Online-Schulungen für Mediziner sowie durch Infopakete für Patienten.

RESIST wurde wissenschaftlich begleitet und evaluiert, und zwar durch das Institut für Allgemeinmedizin der Universitätsmedizin Rostock in Zusammenarbeit mit dem Zentralinstitut für die kassenärztliche Versorgung.

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