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EU-Gesundheitskonferenz: Spahn kündigt Corona-Impfzentren an

01.10.2020 - Deutschland ist bislang dank seines leistungsfähigen und robusten Gesundheitswesens gut durch die Covid-19-Pandemie gekommen. Diese Bilanz zog Bundesgesundheitsminister Jens Spahn am Donnerstag auf der EU-Gesundheitskonferenz der KBV. Mit Blick auf den erwarteten Impfstoff plant er die Einrichtung von Impfzentren.

Unter dem Motto „Starke Gesundheitssysteme 2020“ – „Resilient Health Systems 2020“ (#healsy20) ging es auf dem Web-Kongress unter anderem um Versorgungskonzepte, die sich in der Pandemie bewährt haben sowie welche Konsequenzen zu ziehen sind. Hierzu gab es mehrere Fachforen mit internationaler Beteiligung.

Als eine wichtige Lehre aus der Pandemie zog der Minister, dass es zu große Abhängigkeiten bei sensiblen Produkten gebe. „Es darf sich nicht in China entscheiden, ob wir in Berlin, Amsterdam oder Warschau Schutzmasken für unsere Ärzte und Pflegekräfte haben.“ Noch dramatischer seien solche Abhängigkeiten bei Wirkstoffen für Medikamente. Es gehe darum, ein „richtiges Maß an Globalisierung“ zu finden.

Spahn schließt Impfpflicht aus

Beim Impfstoff gegen das Virus waren sich Spahn und KBV-Vorstandsvorsitzender Dr. Andreas Gassen einig, dass hier nicht auf Schnellzulassungen gesetzt werden dürfe. Vielmehr gehe es dabei um hohe Sicherheit durch Phase-III-Studien.  

Zudem müsse neben nationaler Interessen auch „immer für die europäische und internationale Dimension mitgedacht werden, damit möglichst für alle Länder dann anteilmäßig möglichst früh Impfstoffe zur Verfügung stehen“, betonte Spahn.  Darüber hinaus werde auf verschiedene Hersteller und Technologien gesetzt, denn heute könne noch keiner wissen, welcher Impfstoff zur Zulassung komme. Deshalb würden mit sechs bis acht Herstellern als EU Verträge vereinbart. In diesem Zusammenhang schloss Spahn eine Impfpflicht eindeutig aus: „Es bleibe beim Impfangebot“, denn er sei sicher, man komme hier freiwillig zum Ziel.

Für die Verabreichung des Impfstoffs kündigte Spahn die Einrichtung von Impfzentren an. Als Gründe nannte er, dass der Impfstoff voraussichtlich bei extrem niedrigen Minusgrade transportiert und gelagert werden müsse. Zudem gehe es um die Priorisierung. Ein Konzept, welche Gruppen zuerst geimpft werden sollen, werde derzeit entwickelt.

Für die Finanzierung stellte er in Aussicht, dass der Bund „tendenziell“ den Impfstoff bezahlt. Die Kosten für die Struktur der Impfzentren sollten sich aus seiner Sicht die Krankenkassen und der Öffentliche Gesundheitsdienst teilen.

Gassen: Impfen ist Standardgeschäft der Ärzte

Logistisch könnten die Vertragsärzte eine solche Impfaktion leisten. „Impfen ist für Ärzte ein Standardgeschäft, da sind Praxen gut darauf vorbereitet“, betonte der KBV-Chef und verwies auf die jährlichen Grippeimpfungen. Allerdings komme es darauf an, „wie verimpft wird“. Generell seien die Ärzte aber in der Lage, viele Personen zu impfen.

Reserven sind für Krisen da

Zu den Kosten der Pandemie sagte die Vorstandsvorsitzende des GKV-Spitzenverbandes, Dr. Doris Pfeiffer, dass die Krankenkassen in diesem Jahr „relativ gut weggekommen“ seien, unter anderem wegen der Bundeszuschüsse für Krankenhäuser. Spannend werde es für 2021 nicht zuletzt wegen der angespannten wirtschaftlichen Situation. Schätzungen zufolge könnten den Kassen dann 16 Milliarden fehlen. Pfeiffer beklagte, dass ein Großteil davon aus den Kassenreserven finanziert werden müssten.

Spahn machte in diesem Zusammenhang ganz klar, dass aus seiner Sicht Reserven für Krisenzeiten wie diese da seien. „Ein starkes Gesundheitssystem gibt es nicht umsonst.“, betonte er.

Starke Strukturen in der Fläche

Zu den Stärken des deutschen Systems gehören aus Sicht Spahns neben den hohen Laborkapazitäten in der Fläche der ambulante Bereich. Immerhin seien 19 von 20 Corona-Patienten ambulant behandelt worden. Damit wurden die Krankenhäuser entlastet und zudem die Patienten dem dort herrschenden hohen Infektionsrisiko nicht ausgesetzt.

In England habe sich jeder achte stationär behandelte Patient im Krankenhaus angesteckt, ergänzte KBV-Chef Gassen. Er verwies im Zusammenhang auf die bislang gute Bewältigung der Covid-19-Pandemie in Deutschland neben dem gut aufgestellten dezentralen ambulanten System auch auf die früh und großzügig durchgeführten Tests. Durch die klug eingesetzte derzeitige Testkapazität könne das Pandemiegeschehen auch künftig sehr gut kontrolliert werden.

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