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Praxisnachrichten

Zi-Umfrage: Hohe Mehraufwendungen in Praxen

08.10.2020 - In den Praxen der niedergelassenen Ärzte und Psychotherapeuten sind seit 2019 erhebliche Zusatzkosten entstanden. Gründe sind die COVID-19-Pandemie, das Terminmanagement sowie die Praxis-IT und der Datenschutz. Das ergab eine aktuelle Umfrage zu besonderen Kosten im Praxismanagement des Zentralinstituts für die kassenärztliche Versorgung.

Bislang hat der Umfrage zufolge jede Praxis von März bis August im Durchschnitt mehr als 1.300 Euro für persönliche Schutzausrüstung und weitere Hygienemaßnahmen wie Plexiglastrennwände zum Infektionsschutz gegen die COVID-19-Pandemie aufgewendet. Die erweiterten Hygienemaßnahmen haben die gewohnten Arbeitsabläufe im Praxisalltag in knapp 90 Prozent aller Praxen verändert. Dies war insgesamt mit über sechs Stunden durchschnittlicher wöchentlicher Mehrarbeit verbunden.

Datenschutz und IT schlugen zu Buche 

Zur Umsetzung der Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) mussten Praxen den Wissenschaftlern des Zentralinstituts für die kassenärztliche Versorgung (Zi) zufolge 2018 im Schnitt insgesamt 2.487 Euro für entsprechende Maßnahmen aufwenden. 2019 sind diese um rund 18 Prozent auf 2.932 Euro gestiegen. 

Insgesamt schlugen die Kosten für die Informationstechnologie (IT) in den Praxen 2019 mit rund 6.000 Euro zu Buche, die Steigerung betrug hier 60 Prozent im Vergleich zu 2017. Für das Terminmanagement sind den Praxen – vor allem mit den Regelungen des Terminservice- und Versorgungsgesetzes (TSVG) seit Mai 2019 – Aufwendungen für IT und Mitarbeiterschulung zur Terminvergabe in Höhe von 885 Euro entstanden. 

Dabei verursachten kurzfristig nicht wahrgenommene Termine Ausfälle, insbesondere in der fachärztlichen und psychotherapeutischen Versorgung, deren entgangene Honorare auf durchschnittlich rund 3.500 Euro in 2019 geschätzt werden.

Mehraufwendungen des „ambulanten Schutzwalls“ auch vergüten

„Alleine diese zusätzlichen Kostenbelastungen sind geeignet, die für 2020 vereinbarte Preisanpassung für ärztliche Leistungen von 1,5 Prozent oder rechnerisch 3.900 Euro pro Praxis weitestgehend zu absorbieren – sofern diese Zahlungen bei pandemiebedingt rückläufigen Fallzahlen in den Praxen überhaupt ankommen“, resümierte der Zi-Vorstandsvorsitzende Dr. Dominik von Stillfried. 

Dagegen hätten die Kliniken „gerade erst ein vier Milliarden schweres Gesetzespaket zur Finanzierung von IT-Kosten zugestellt bekommen, obwohl die Niedergelassenen die Hauptlast der Versorgung während der Corona-Pandemie tragen“, kritisierte der Zi-Chef und fügte hinzu: „Wer den ambulanten Schutzwall lobt, sollte die Mehraufwendungen der Praxen auch vergüten.“

Lieferengpässe bei Arzneimitteln

Die Ergebnisse der Zi-Erhebung zeigen außerdem, dass über 80 Prozent der befragten Praxen von Lieferengpässen von Arzneimitteln betroffen waren – besonders in der hausärztlichen Versorgung. Bei der Suche nach geeigneten Alternativpräparaten oder die Medikationsumstellung entstand ebenfalls ein Mehraufwand von rund vier Stunden pro Woche. 

1.900 Praxen nahmen an der Online-Befragung teil

Im Erhebungszeitraum vom 2. Juli bis 31. August 2020 haben knapp 1.900 Praxen an der Online-Befragung teilgenommen. Ausgewertet wurden 1.744 Rückmeldungen, davon 455 Hausärzte, 774 Fachärzte und 515 Psychotherapeuten. Rund 55.000 Vertragsärzte und Vertragspsychotherapeuten sind persönlich zur Teilnahme an der Online-Befragung eingeladen worden. Die Praxen wurden aus dem Bundesarztregister auf Grundlage einer Stichprobe ausgewählt. 

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