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Weitere Biomarker-Tests bei Brustkrebs werden Kassenleistung

22.10.2020 - Drei weitere Biomarker-Test zur Ermittlung des Rezidivrisikos bei Brustkrebs werden Kassenleistung. Einen entsprechenden Beschluss hatte der Gemeinsame Bundesausschuss kürzlich gefasst. Damit konnte sich die KBV mit ihrer Position durchsetzen.

Insgesamt stehen nunmehr vier biomarkerbasierte Tests bei Brustkrebs zur Verfügung. Einen ersten Test hatte der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) bereits im vorigen Jahr aufgenommen. Die Biomarker-Tests sollen die Entscheidung für oder gegen eine adjuvante systemische Chemotherapie unterstützen.

Der nunmehr vom G-BA gegen die Stimmen des GKV-Spitzenverbandes getroffene Beschluss umfasst die Tests EndoPredict®, MammaPrint® und Prosigna®. Damit stehen Ärzten nach der Zulassung von OncotypeDX im vergangenen Jahr künftig vier verschiedene Verfahren zur Verfügung.

Die Tests können nur bei Patientinnen mit einem primären Hormonrezeptor-positiven, HER2/neu-negativen, nodalnegativen und nicht metastasierten Mammakarzinom eingesetzt werden.

Bestimmte Voraussetzungen

Zudem dürfen die Biomarker-Tests nur angewendet werden, wenn die Empfehlung für oder gegen eine adjuvante systemische Chemotherapie beim primären Mammakarzinom aufgrund klinischer und pathologischer Kriterien allein nicht eindeutig getroffen werden kann. Zudem müssen die Patientinnen im ärztlichen Gespräch über den Test aufgeklärt worden sein.

Aufklärung mit Merkblatt

Dabei sollen Ärzte das vom G-BA veröffentlichte und nunmehr aktualisierte Merkblatt für Patientinnen „Biomarkerbasierte Tests beim frühen Brustkrebs“ einbeziehen. Darin werden Fragen wie „Welche Zusatzinformationen liefern die Tests?“ und „Sorgen die Tests für eine klare Empfehlung?“ beantwortet.

Bestimmte Fachgruppen dürfen aufklären

Zu den Fachgruppen, die die Test-Aufklärung durchführen dürfen, gehören Gynäkologen mit dem Schwerpunkt gynäkologische Onkologie, Fachärzte für Innere Medizin und Hämatologie und Onkologie sowie Internisten oder Gynäkologen mit dem Nachweis der Zusatzweiterbildung „Medikamentöse Tumortherapie“. Bei Teilnahme an der Onkologie-Vereinbarung können auch Angehörige anderer Fachgruppen die Aufklärung übernehmen.

Keine klare Therapieentscheidung für 20.000 Patientinnen

Jährlich erkranken in Deutschland etwa 70.000 Frauen an frühem Brustkrebs. Experten schätzen, dass cirka 20.000 dieser Patientinnen von ihren behandelnden Ärzten allein aufgrund der klinisch-pathologischen Kriterien keine eindeutige Therapieempfehlung für oder gegen eine adjuvante Chemotherapie erhalten können.

Vergütung des Tests noch festzulegen

Das Bundesgesundheitsministerium prüft jetzt den Beschluss. Wird er nicht beanstandet, tritt er einen Tag nach Veröffentlichung im Bundesanzeiger in Kraft. Danach hat der Bewertungsausschuss sechs Monate Zeit, die Vergütung zu regeln. Erst dann besteht Anspruch auf den Test als Kassenleistung.

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