Logo-KBV

KBV Hauptnavigationen:

Sie befinden sich:

 

Praxisnachrichten

G-BA plant Aussetzung des QS-Verfahrens Wundinfektion

22.10.2020 - Der Gemeinsame Bundesausschuss plant die Aussetzung des sektorenübergreifenden Qualitätssicherungsverfahrens Wundinfektion und hat dazu das Stellungnahmeverfahren eingeleitet. Es ist davon auszugehen, dass das Qualitätssicherungsverfahren für das Kalenderjahr 2021 ausgesetzt werden wird.

Die KBV hatte sich dafür intensiv eingesetzt und begrüßt nun das Vorhaben des Gemeinsamen Bundesausschusses (G-BA) ausdrücklich. Das Erprobungsverfahren war 2017 bereits mit erheblichen Schwierigkeiten gestartet, worauf die KBV im Vorfeld wiederholt hingewiesen hatte.

Kriedel: Justierung dringend notwendig

„Ziel der sektorenübergreifenden Qualitätssicherungsverfahren ist eine gleich hohe Qualität im ambulanten und stationären Bereich, da immer mehr medizinische Leistungen sowohl ambulant als auch stationär und andere sektorenübergreifend erbracht werden“, betont KBV-Vorstandsmitglied Dr. Thomas Kriedel. Entstanden sei „allerdings ein hochkomplexes System, welches extrem hohen Aufwand“ erfordere. Zudem lägen bislang keine belastbaren Ergebnisse im Sinne einer Aufwand-Nutzen-Bewertung vor. Deshalb sei „eine Justierung dringend notwendig“.

Fragen unspezifisch formuliert

Das sektorenübergreifende Qualitätssicherungsverfahren (sQS) „Vermeidung nosokomialer Infektionen – postoperative Wundinfektionen“ beinhaltet unter anderem eine Einrichtungsbefragung, in der aus Sicht der KBV die Fragen unspezifisch formuliert sind. Auch gibt es zu wenig Daten zur Ermittlung einer Wundinfektionsrate.

Dem schließt sich das Institut für Qualitätssicherung und Transparenz im Gesundheitswesen (IQTIG) an und sieht ebenfalls einen umfangreichen Weiterentwicklungsbedarf. Nach Diskussionen in den Gremien des G-BA befürworten nun alle Beteiligten mit Ausnahme der Patientenvertretung eine entsprechende Richtlinienänderung.

Keine Dokumentation für 2020

Danach könnte für 2020 die einrichtungsbezogene QS-Dokumentation ausgesetzt werden, das heißt, dass die beteiligten Vertragsärzte im Januar und Februar 2021 nicht für das Jahr 2020 dokumentieren müssen.  Für die Krankenhäuser soll zusätzlich die nur dort erforderliche fallbezogene QS-Dokumentation für das Kalenderjahr 2021 entfallen. Ebenso sollen 2021 die Sozialdatenlieferungen durch die Krankenkassen ausgesetzt werden.

Kosten- und Zeitaufwand reduzieren

Zunächst haben das Robert Koch-Institut und der Bundesbeauftragte für den Datenschutz und die Informationsfreiheit nun vier Wochen Gelegenheit sich zu positionieren. Im Anschluss ist davon auszugehen, dass das Verfahren vom G-BA voraussichtlich mit Beschluss im Dezember für das Jahr 2021 ausgesetzt wird.

Eine Weiterentwicklung dieses sQs-Verfahrens bedeutet für die KBV, dass die Inhalte an die Rahmenbedingungen in der vertragsärztlichen Versorgung angepasst und auf wirklich Notwendiges fokussiert sowie der Kosten- und Zeitaufwand auf ein vertretbares Maß reduziert werden.

Grundsätzlich sollten künftig nur noch solche Verfahren auf den Weg gebracht werden, deren Machbarkeit festgestellt wurde und die ein belegtes Verbesserungspotenzial aufweisen, was nach der Einführung anhand eines schlanken Sets von Qualitätsindikatoren gezielt nachgewiesen werden muss. Darüber hinaus sollte es darum gehen, vorrangig Qualität zu fördern und nicht primär Ärzte zu sanktionieren.

Mehr zum Thema

zu den PraxisNachrichten