Logo-KBV

KBV Hauptnavigationen:

Sie befinden sich:

 

Praxisnachrichten

eAU: KBV drängt auf neuen Starttermin

29.10.2020 - Die KBV macht sich weiter für eine Verschiebung des Starttermins der elektronischen Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung stark. Es müsse sichergestellt werden, dass alle Beteiligten die erforderlichen Daten technisch annehmen können.

Wenn Ärzte, die im ersten oder zweiten Quartal 2021 von ihren Herstellern die nötige Technik bekämen, verpflichtet würden, die AU-Bescheinigung an die Krankenkassen zu übermitteln, dann müsse auch jede Krankenkasse diese annehmen können, forderte KBV-Vorstandsmitglied Dr. Thomas Kriedel in einem Video-Interview.  Aber das sei nicht „ganz sichergestellt“.

Kriedel: Die Frist macht vielen Praxen Sorge

Die Frist für die elektronische Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung mache vielen Praxen große Sorgen, sagte Kriedel. Denn es sei nicht sicher, dass alle Hersteller die erforderlichen Komponenten rechtzeitig bereitstellten. So gebe es Lieferschwierigkeiten bei den elektronischen Heilberufsausweisen (eHBA), weil eine hohe Anzahl produziert werden müsse. Auch das Konnektor-Update müsse von den Herstellern in den Praxen eingespielt werden.

Außerdem benötigten Praxen für die sichere Übermittlung der AU-Daten einen Dienst für Kommunikation in der Medizin (KIM), erläuterte Kriedel. Mit dem KIM-Dienst der KBV „kv.dox“ werde Mitte/Ende November zumindest ein zweiter Dienst auf dem Markt verfügbar ein. Dies hätte den Vorteil, dass der Arzt auswählen könne.

Alle diese Dinge müssten zum 1. Januar vorliegen, „sonst kann der Arzt keine elektronische AU in die TI und damit auf einen Server der Krankenkasse schicken“, sagte Kriedel. „Das macht große Sorgen und deshalb haben wir auch beim Bundesgesundheitsministerium (BMG) schon interveniert und auf eine Verschiebung hingedrängt, weil die Technik noch nicht vorliegt.“  

Das BMG hatte zwischenzeitlich die Möglichkeit eingeräumt, die Pflicht zur elektronischen Übermittlung der Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung an die Krankenkassen bis zum 30. September des nächsten Jahres auszusetzen, wenn die Technik noch nicht vorhanden ist. Dies würde eine schrittweise Einführung ab Januar 2021 bedeuten.

Übergangsregelung ohne Einschränkungen

Aufgrund der Probleme fordert die KBV, die Übergangsregelung ohne Einschränkungen bis Ende September 2021 gelten zu lassen. Bis dahin müsse die Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung „generell papierbasiert“ ausgestellt werden, egal ob die Praxis die technischen Voraussetzungen habe, betonte Kriedel und fügte hinzu: Im Gesetz stehe, dass „der Papierausdruck auch für nächstes Jahr juristisch verbindlich“ sei.

Denn nach den Plänen des Gesetzgebers zur Einführung der eAU ist der Arzt ohnehin zunächst weiterhin verpflichtet, die Durchschläge für den Patienten auszudrucken. „Der Patient bekommt ein Exemplar für sich selbst und ein weiteres zur Weiterleitung an den Arbeitgeber“, sagte Kriedel und forderte:  Nötig sei eine komplett elektronische Meldung.

SMC-B-Karten übergangsweise auch ohne eHBA erhältlich

Im Zusammenhang mit Problemen bei der Auslieferung von elektronischen Heilberufsausweisen wies Kriedel auf ein anderes Problem hin, dass die KBV zwischenzeitlich lösen konnte.

Nach den neuen Regeln des Patientendaten-Schutz-Gesetzes dürfen Ärzte und Psychotherapeuten die SMC-B-Karten künftig nur noch bestellen, wenn sie einen eHBA besitzen.

Die KBV konnte beim BMG eine Lösung durchsetzen, nach der Ärzte und Psychotherapeuten übergangsweise den Praxisausweis auch ohne eHBA erhalten. Für die Bestellung reicht der Nachweis darüber aus, dass ein eHBA beantragt wurde. Die Regelung gilt bis zum Ende des 1. Quartals 2021. Die SMC-B-Karte wird für den Anschluss der Praxen an die Telematikinfrastruktur benötigt.

TI-Update: Aktuelles zur eAU

Wie ist der aktuelle Stand bei der Digitalisierung?

Dr. Thomas Kriedel, Mitglied des Vorstands der KBV:
"Alle Beteiligten arbeiten mit Hochdruck daran. Insbesondere ist es positiv zu vermerken, dass die KBV, das KV-System einen eigenen KIM-Dienst hat. KIM ist Kommunikation im Medizinwesen, der jetzt ausgerollt werden wird. Es ist bei der bei der gematik durch, das wird da genehmigt, muss zertifiziert werden und wir gehen davon aus, dass die KBV ihren KIM-Dienst, das ist kv.dox, Mitte bis Ende November auf den Markt bringen kann. Der Vorteil ist dann, der Arzt kann dann auswählen, die Praxis kann auswählen. Bisher gab es ja nur einen zugelassenen Dienst von einem großen Anbieter. Der Arzt kann dann ab Ende November, wenn unser Dienst auf dem Markt ist, auswählen zwischen zwei Anbietern."

Wofür benötigt man einen KIM-Dienst?

Dr. Thomas Kriedel, Mitglied des Vorstands der KBV:
"Der KIM-Dienst ist deshalb notwendig, damit man in der TI sicher kommunizieren kann. Es bedeutet ganz konkret, der Arzt kann dann, die Praxis kann dann über diesen KIM-Dienst mit anderen Praxen Daten austauschen, Arztbriefe, Befunde, je nachdem, wie wie weit die Interoperabilität der Daten schon gegeben ist. Aber das ist ein sicherer Übertragungsdienst. Man kann auch ganz banal vielleicht als einen E-Mail-Dienst bezeichnen, aber ein sicherer, der in der TI läuft und deshalb muss er erst zertifiziert werden. Und es gibt eben auch erst diese beiden Anbieter: kv.dox vom KV-System und von einem großen Softwarehersteller einen Dienst. Also er ist notwendig unter anderem für die Übermittlung der elektronischen Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung, die der Gesetzgeber ja ab Beginn des nächsten Jahres fordert."

Bleibt es bei dieser Frist?

Dr. Thomas Kriedel, Mitglied des Vorstands der KBV:
"Diese Frist für die elektronische Arbeitsunfähigkeit macht vielen Praxen große Sorgen, weil sie nicht sicher sind, dass alle Hersteller die erforderlichen Komponenten ihnen rechtzeitig und funktionabel in die Praxis stellen. Das heißt konkret: Er braucht, der Arzt, die Praxis braucht einen elektronischen Heilberufsausweis. Da gibt es besonders bei den Psychotherapeuten, aber auch bei vielen Ärztekammern zurzeit Lieferschwierigkeiten, weil eine hohe Anzahl von elektronischen Heilberufsausweise produziert werden muss. Das ist ein Problem. Dann muss der Arzt ein Konnektor-Update bekommen und zwar von seinem Hersteller. Es gibt da drei oder vier Konnektoren-Hersteller. Das muss produziert werden, muss eingespielt werden, muss voll getestet werden, eingespielt werden in die Praxis, muss funktionieren. Und er braucht wie gesagt diesen eben erwähnten KIM-Dienst. Den muss er auch einspielen, der muss auch funktionieren. Und last not least braucht er auch eine Anbindung zwischen dem neuen Konnektor mit dem Update in sein PVS-System, in sein Praxisverwaltungssystem. Alle diese drei Dinge, also diese vier Dinge, müssen zum 1. Januar vorliegen, sonst kann der Arzt keine elektronische AU in die TI und damit auf einen Server der Krankenkasse schicken. Das macht große Sorgen und deshalb haben wir auch beim BMG schon interveniert und auf eine Verschiebung hingedrängt, weil die Technik noch nicht vorliegt. Und das BMG hat auch diese Probleme gesehen und grundsätzlich uns die Möglichkeit eingeräumt, die elektronische Übermittlung bis zum 30.9. des nächsten Jahres auszusetzen, wenn die Technik noch nicht vorhanden ist."

Können denn alle Beteiligten die eAU verarbeiten?

Dr. Thomas Kriedel, Mitglied des Vorstands der KBV:
"In der Tat, aber das ist auch noch ein Punkt, der uns auch noch Sorge macht. Wenn der Arzt, der jetzt die technischen Voraussetzungen von mir aus im ersten oder zweiten Quartal von seinen Herstellern geschaffen bekommt, dann verpflichtet wird, an die Krankenkasse zu übermitteln, dann müsste aus unserer Sicht auch sichergestellt sein, dass jede Krankenkasse diese elektronische AU auch annehmen kann. Auch das ist nicht ganz sichergestellt, wie wir hören. Und deshalb haben wir die Forderung auch an das BMG, doch dass man die gesamte Regelung möglichst bis zum 30.6., noch besser bis zum 30. 9. so wie jetzt belässt, papierbasiert. Und das wäre gar nicht so schlimm, weil im Gesetz drin steht, dass auch für das nächste Jahr juristisch noch verbindlich ist der Papierausdruck. Das heißt auch im nächsten Jahr trotz der Verpflichtung, parallel in die TI elektronisch zu melden an die Krankenkasse, hat der Arzt noch die Verpflichtung, die Durchschläge wie heute auszudrucken und dem Patient mitzugeben. Der Patient bekommt ein Exemplar für sich selbst, aber ein weiteres aber auch zur Weiterleitung an den Arbeitgeber. Das wird alles noch so bleiben wie in diesem Jahr. Und deshalb unsere Forderung, zur Sicherheit und Sicherstellung auch des Aufwandes und der Technik in den Praxen, auch diese Frist so zu verlängern, dass erst am 1. 10. nächsten Jahres komplett elektronisch so gemeldet wird, wie es im Gesetz steht."

Wie ist der Stand beim eHBA?

Dr. Thomas Kriedel, Mitglied des Vorstands der KBV:
"Ja, da gibt es offensichtlich Lieferschwierigkeiten beim elektronischen Heilberufsausweis. Das betrifft sowohl die Ärzte, die über die Kammern ihren Ausweis bestellen, wie auch die Psychotherapeuten, die das auch über ihre Kammern machen. Und da die Kapazitäten erst langsam hochgefahren worden sind bei den Herstellern, bei den Trust-Centern, ist es so, dass wir am Jahresende mit einer großen Welle von Beantragungen rechnen. Und dann können die Ausweise auch nicht wahrscheinlich zeitgerecht ausgestellt werden. Ein zweites Problem ist noch hinzugekommen durch das PDSG, was gerade in Kraft getreten ist, das Patientendatenschutzgesetz. Da steht nämlich die Bestimmung drin, dass ein Arzt oder Psychotherapeut erst dann eine SMCB, einen Praxisausweis bestellen darf, wenn er über einen Heilberufssusweis verfügt. So und das ist es ein Circulus vitiosus: Hat man keinen eHBA, kann man keine SMCB bestellen und kann damit auch nicht in die TI kommen. Man dürfte eigentlich gar nicht als Vertragsarzt oder Psychotherapeut tätig werden. Auch das hat das BMG erkannt, dass es da Lieferschwierigkeiten gibt. Und wir haben es erreicht beim BMG, dass es eine Übergangsfrist gibt für das vierte Quartal dieses Jahres und das erste des nächsten Jahres, also bis zum 30.3. des nächsten Jahres reicht es aus, wenn ein Arzt oder Psychotherapeut seiner KV gegenüber bei der Zulassung z.B. bescheinigt, dass er einen eHBA beantragt hat, dann kann er sehr wohl auch eine SMCB erhalten. Das halten wir für unbedingt notwendig, damit die Versorgung weitergeht."

Die Digitalisierung der Praxen geht weiter. 2021 sollen weitere Anwendungen in die Praxen kommen. Eine wesentliche ist die eAU, auch wenn es hier um den elektronischen Versand an die Krankenkassen geht. Wie hier und bei der dafür notwendigen Technik der aktuellen Stand ist, erläutert Dr. Thomas Kriedel, Vorstandsmitglied der KBV.

Mehr zum Thema

zu den PraxisNachrichten