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Was sich ab Januar ändert - Serviceangebote zur neuen Heilmittel-Richtlinie

05.11.2020 - Zwei Monate vor dem Start der neuen Heilmittel-Richtlinie hat die KBV erste Serviceangebote online bereitgestellt. Damit können sich Praxen bereits jetzt schnell und unkompliziert mit den neuen Regelungen vertraut machen.

Am 1. Januar wird die Verordnung von Krankengymnastik, Ergotherapie oder Logopädie bundesweit vereinfacht. Dann lösen klare und einfache Vorgaben die komplizierte Regelfallsystematik ab, der Heilmittelkatalog wird überschaubarer und zur Verordnung gibt es nur noch ein Formular.

„Trotz der Vereinfachung bedeutet jede neue Regelung, dass man sich damit erst einmal vertraut machen muss“, sagte der stellvertretende KBV-Vorstandsvorsitzende Dr. Stephan Hofmeister. „Dabei möchten wir die Praxen unterstützen“, betonte er.

Serviceheft für Praxen

In der Reihe PraxisWissen bietet die KBV ein Serviceheft mit allen Neuerungen zur Verordnung von Heilmitteln an. Das 24-seitige Heft kann ab sofort als Webversion abgerufen werden, bevor es am 11. Dezember dem Deutschen Ärzteblatt beiliegt (Ausgabe 50).

Erläutert werden unter anderem die neue Verordnungssystematik und wie das neue Formular auszufüllen ist. Für jedes Heilmittel gibt es Hinweise zur Verordnung und Praxisbeispiele. „Damit wollen wir anschaulich und praxisnah informieren“, betonte Hofmeister.

Neue Richtlinie mit Katalog und Diagnoselisten

Ergänzend zu dem Serviceheft erscheint eine weitere Publikation: Sie enthält die Richtlinie, den Heilmittelkatalog und die Diagnoselisten für den langfristigen Heilmittelbedarf und den besonderen Verordnungsbedarf. Das Angebot „Die Heilmittel-Richtlinie“ steht zunächst nur online bereit.
Der neue Heilmittelkatalog wird ab Januar auch in der App KBV2GO! enthalten und damit jederzeit mobil abrufbar sein.

Online-Fortbildungen

Geplant hat die KBV außerdem zwei Online-Fortbildungen „Heilmittel: Grundsätze und Rahmenbedingungen“ sowie „Anwendung der Heilmittel-Richtlinie“, die jeweils mit drei CME-Punkten zertifiziert sind. Die Fortbildungen werden Anfang Dezember im Fortbildungsportal der KBV bereitstehen.

Neue Regelungen kennenlernen

Alle Materialien sowie weitere Informationen zur neuen Heilmittel-Richtlinie finden Praxisteams auf einer KBV-Themenseite im Internet. Dort stehen auch ein Ansichtsexemplar und die Vordruckerläuterungen des neuen Formulars bereit.

Liste der zertifizierten Software

Die KBV hat eine Liste der zertifizieren Heilmittelverordnungssoftware veröffentlicht. Dort können Praxen sehen, ob ihre Software zertifiziert ist und gegebenenfalls bei ihrem Softwareanbieter nachfragen, wenn das verwendete Produkt nicht auf der Liste steht.

Seit 2017 dürfen Ärzte nur eine von der KBV zertifizierte Heilmittelverordnungssoftware einsetzen. Da nicht alle Softwareprodukte rechtzeitig zur Zertifizierung eingereicht worden waren, musste der Start der Heilmittel-Richtlinie vom 1. Oktober 2020 auf den 1. Januar 2021 verschoben werden (die PraxisNachrichten berichteten).

Heilmittel-Verordnung: Das ändert sich für Praxen ab 1. Januar 2021

Klare und einfache Vorgaben lösen die komplizierte Regelfallsystematik und die aufwändige und trotzdem unsichere Bemessung der behandlungsfreien Intervalle ab. Außerdem wird der Heilmittelkatalog überschaubarer. Zur Verordnung gibt es nur noch ein Formular für alle Heilmittel und nicht mehr drei verschiedene. Insgesamt sind die neuen Vorgaben zur Verordnung von Heilmitteln wesentlich besser zu überblicken. So sollen die verordnenden Ärztinnen und Ärzte entlastet werden.

Die wichtigsten Neuerungen betreffen:

  • die Systematik,
  • den Heilmittelkatalog,
  • die Verordnungsoptionen,
  • das Formular.

Systematik

  • Systematisch sind drei Begriffe wichtig:
    • der Verordnungsfall,
    • die orientierende Behandlungsmenge,
    • das Verordnungsdatum.
  • Bezugsgröße ist nicht mehr der Regelfall, sondern der Verordnungsfall. Er bezieht sich auf den verordnenden Arzt, die Erkrankung seines Patienten und das Verordnungsdatum.
  • Ärzte müssen damit nicht mehr in Erfahrung bringen, wieviel Heilmittel andere Kolleginnen oder Kollegen demselben Patienten verordnet haben.
  • Ein Verordnungsfall endet sechs Monate nach dem Verordnungsdatum – sofern der Arzt in dieser Zeit keine weitere Verordnung aufgrund derselben Erkrankungen für denselben Patienten ausstellt.
  • Für jede Diagnosegruppe ist im Heilmittelkatalog eine sogenannte orientierende Behandlungsmenge angegeben. Mit ihr soll das Behandlungsziel erreicht werden. Sofern medizinisch notwendig, können Ärzte weitere Verordnungen ausstellen. Eine Begründung ist nicht mehr auf der Verordnung notwendig, sondern nur noch in der Patientenakte zu dokumentieren.
  • Allerdings: Wie bisher gibt es für jede Verordnung Höchstmengen. Diese Höchstmenge je Verordnung dürfen Ärzte nur in Ausnahmefällen überschreiten – etwa bei einem langfristigen Heilmittelbedarf oder bei einem besonderen Verordnungsbedarf, wo der Bedarf für bis zu 12 Wochen bemessen werden darf.
  • Sowohl die orientierende Behandlungsmenge als auch die Höchstmenge je Verordnung finden Ärzte im Heilmittelkatalog – ebenso wie die jeweils empfohlene Therapie-Frequenz.

Heilmittelkatalog

  • Insgesamt ist der Heilmittelkatalog übersichtlicher. Die Diagnosegruppen wurden zusammengefasst, vor allem im Bereich Physiotherapie.
  • Innerhalb der Diagnosegruppen wird nicht mehr unterschieden zwischen kurzfristigem oder mittelfristigem beziehungsweise langfristigem Behandlungsbedarf.
  • Was ebenfalls entfällt: das Aufrechnen der Verordnungsmengen von Vor-Verordnungen für verwandte Diagnosegruppen. Und: Ärzte brauchen nicht mehr formell zu wechseln zwischen verwandten Diagnosegruppen.

Verordnungsoptionen

  • Auf der Verordnung können neuerdings mehrere Leitsymptomatiken angegeben oder bis zu drei vorrangige Heilmittel zugleich verordnet werden.
  • Auch können Ärzte die Verordnung als dringlich markieren.
  • Besteht kein dringlicher Behandlungsbedarf, behält die Verordnung nun länger ihre Gültigkeit: nämlich 28 Tage lang, früher waren es nur 14 Tage. Das soll Patienten mehr Zeit geben, den richtigen Heilmitteltherapeuten zu finden und einen Termin zu vereinbaren.

Formular

  • Das neue Formular 13 ist eine weitere Vereinfachung. Es löst die alten Formulare 13, 14 und 18 ab und wird zur Verordnung sämtlicher Heilmittel eingesetzt.
  • Das Verordnungsformular ist übersichtlich aufgebaut und kann wie die anderen vertragsärztlichen Formulare regulär bestellt beziehungsweise über die Praxissoftware abgerufen werden.

Vereinfachte Verordnung von Heilmitteln

Ob Physiotherapie, Ergotherapie oder Logopädie: Die Regelungen zur ärztlichen Verordnung von Heilmitteln sind über die Jahre immer komplexer geworden und kaum noch zu überblicken. Der Gemeinsame Bundesausschuss hat die Vorgaben daher grundlegend überarbeitet und 2019 eine neue Heilmittel-Richtlinie beschlossen. Die neuen Vorgaben, die wesentlich einfacher sind und nicht nur den verordnenden Ärzten, sondern auch den Heilmitteltherapeuten und Patienten zugutekommen, sollten ursprünglich zum 1. Oktober 2020 starten, dies erfolgt nun zum 1. Januar 2021.

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