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Praxisnachrichten

Deutlicher Rückgang der ambulanten Behandlungsfälle im ersten Halbjahr

12.11.2020 - Mit dem Beginn der Corona-Pandemie im März ist die Zahl der ambulanten Behandlungsfälle bis Ende Mai im Vergleich zum Vorjahr um bis zu 23 Prozent gesunken. Das geht aus dem aktuellen Trendreport des Zentralinstituts für die kassenärztliche Versorgung hervor. Erst Ende Mai normalisierte sich die Lage wieder.

Der Report basiert auf den Frühinformationen aus den ärztlichen Abrechnungsdaten von 16 der 17 Kassenärztlichen Vereinigungen. Konkret liegen die Gesamtfallzahlen im Zeitraum vom 1. bis 28. April und vom 29. April bis 26. Mai um 23 beziehungsweise 15 Prozent unter denen des Vorjahreszeitraums.

Die stärksten Rückgänge sind in den selben Zeiträumen mit 34 Prozent beziehungsweise 26 Prozent in der kinder- und fachärztlichen Versorgung mit persönlichem Arzt-Patienten-Kontakt zu verzeichnen. Mit drei Prozent liegt die Gesamtfallzahl von Ende Mai bis 30. Juni dann wieder leicht über der Fallzahl des Vorjahreszeitraums.

Ausgeprägte Nachholeffekte bei Behandlungsfällen mit persönlichem Arzt-Patienten-Kontakt sind im Vergleich zum Vorjahreszeitraum bei Haus- und Fachärzten (jeweils zehn Prozent), bei den Kinderärzten (16 Prozent) und bei den Psychotherapeuten (23 Prozent) zu erkennen.

Auswirkungen der zweiten Pandemiewelle zu erwarten

„Die Pandemie hat einen deutlichen Effekt auf die vertragsärztliche und psychotherapeutische Versorgung“, resümierte der Vorstandsvorsitzende des Zentralinstituts für die kassenärztliche Versorgung, Dr. Dominik von Stillfried. Der Trendreport lasse zudem erkennen, dass sich auch die zweite Pandemiewelle auswirken werde.

Einerseits würden telemedizinische Behandlungsmöglichkeiten immer stärker genutzt, um persönliche Kontakte zu minimieren, erläuterte Stillfried. Andererseits müsse weiter beobachtet werden, wie sich die bei steigenden Infektzahlen deutlich rückläufigen Behandlungsfallzahlen für Patienten mit chronischen Krankheiten mittelfristig auswirkten.

Bei der Normalisierung des Versorgungsgeschehens ab Ende Mai seien steigende Fallzahlen vor allem bei den Psychotherapeuten sowie bei einzelnen Facharztgruppen wie Nervenärzten und Schmerztherapeuten zu erkennen.

Telefonische Beratung und Videosprechstunde

Während die Zahl der Behandlungsfälle mit persönlichem Arzt-Patienten-Kontakt dem Trendreport zufolge bis Ende Mai gegenüber dem Vorjahr gesunken ist, sind die Fälle mit telefonischer Beratung oder per Videosprechstunde mit Beginn der Kontaktbeschränkungen ab März im Vorjahresvergleich deutlich gestiegen.

So wurden im Zeitraum vom 4. März bis 30. Juni insgesamt rund 3,1 Millionen ausschließlich telefonische Beratungen abgerechnet. Das sind gut 1,6 Millionen mehr als im Vorjahreszeitraum. Hinzu kamen rund 500.000 Stunden für telefonische Beratung, die über die im zweiten Quartal in den EBM eingeführten Zuschläge vergütet wurden.

Auch die Videosprechstunde wurde von März bis Juni immer stärker in Anspruch genommen: In den vier Monaten wurden insgesamt 1,24 Millionen Videosprechstunden abgehalten, im Vorjahreszeitraum lag diese Zahl bei wenigen tausend.

Prävention blieb im ersten Quartal auf der Strecke

Die Krankheitsfrüherkennung war im ersten Quartal 2020 erwartungsgemäß stark rückläufig:  So ist die Zahl der Behandlungsfälle beim Mammographie-Screening in der letzten Märzwoche im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 83 Prozent, beim Hautkrebsscreening um 70 Prozent, bei der Früherkennungskoloskopie um 43 Prozent sowie bei der Früherkennung von Erkrankungen im Kinder- und Jugendalter um 23 Prozent gesunken.

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