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Praxisnachrichten

Neu im EBM: Tumortherapiefelder bei aggressiven Hirntumoren

12.11.2020 - Um bei aggressiven Hirntumoren das Wachstum zu verlangsamen, können ab 15. November Tumortherapiefelder eingesetzt werden. Für die neue Behandlungsmethode auf Basis elektrischer Wechselspannung hat der Bewertungsausschuss jetzt die Details zur Abrechnung und Vergütung festgelegt.

Mit Tumortherapiefeldern (TTF) sollen Patienten mit einem neu diagnostizierten Glioblastom (WHO Grad IV) behandelt werden können. Der Gemeinsame Bundesausschuss hatte im April beschlossen, dass diese neue Behandlungsmethode Kassenleistung wird (die PraxisNachrichten berichteten).

Zur Abrechnung werden drei Gebührenordnungspositionen (GOP) in den EBM aufgenommen: für die Indikationsstellung die GOP 30310, die Behandlung und/oder Betreuung die GOP 30311 sowie für die Ausrichtung der TTF die GOP 30312.

Die Vergütung erfolgt extrabudgetär, also zu festen Preisen. Außerdem wurde die Kostenübernahme für die Geräte zur Anwendung der TTF geregelt, welche als Medizinprodukt verordnet werden. Vertragsärzte verwenden dafür das Formular 16 „Verordnung von Hilfsmitteln“. Der Patient reicht die Verordnung zur Genehmigung bei seiner Krankenkasse ein.

GOP 30310 für Indikationsstellung

Die GOP 30310 (14,06 Euro) für die Indikationsstellung ist einmal im Krankheitsfall berechnungsfähig. Hämatoonkologen, Neurologen, Neurochirurgen und Strahlentherapeuten können die Leistung abrechnen. Voraussetzung für die Indikationsstellung ist die Empfehlung einer interdisziplinären Tumorkonferenz bestehend aus mindestens einem Hämatoonkologen, Neurologen, Neurochirurgen, Strahlentherapeuten und Radiologen (s. Infokasten).

GOP 30311 für Behandlung und Betreuung

Für die Behandlung und/oder Betreuung eines Patienten mit TTF ist die GOP 30311 (25,82 Euro) einmal im Behandlungsfall berechnungsfähig. Abrechnen können sie ebenfalls Hämatoonkologen, Neurologen, Neurochirurgen und Strahlentherapeuten. Zu beachten ist hier, dass sie im Arztfall nicht neben der GOP 13500 „Zusatzpauschale hämatologische, onkologische, immunologische Erkrankung“ berechnungsfähig ist.

GOP 30312 für TTF-Ausrichtung

Für die ärztliche Entscheidung über die Erst- und gegebenenfalls Neu-Ausrichtung der TTF wird die GOP 30312 in den EBM aufgenommen. Die Leistung ist bis zu dreimal im Behandlungsfall berechnungsfähig und wird jeweils mit 7,14 Euro vergütet. Abrechnen können sie Fachärzte für Neurologie, Neurochirurgie und Strahlentherapie.

Die Erst- beziehungsweise Neu-Ausrichtung der TTF wird derzeit – vor dem Hintergrund der in Deutschland bisher nicht zugelassenen Ausrichtungssoftware – vom Gerätehersteller übernommen. Dies erfolgt auf Basis einer Magnetresonanztomographie nach Abschluss der Radiochemotherapie.

Der Bewertungsausschuss hat festgelegt, dass spätestens in zwei Jahren geprüft wird, ob eine diesbezügliche Verlängerung beziehungsweise Anpassung der GOP 30312 erforderlich ist.

Verordnung auf Formular 16

Die Geräte zur Anwendung der TTF verordnen Vertragsärzte auf dem Formular 16 „Verordnung von Hilfsmitteln“. Derzeit ist der einzige Hersteller die Firma Novocure. Das angebotene Leistungspaket „Optune“ umfasst die monatliche Miete des Geräts mit Zubehör, die Transducer Arrays entsprechend Bedarf und Serviceleistungen.

Die neuen Leistungen im Überblick

GOP Beschreibung Vergütung Abrechnungshinweise
30310 Indikationsstellung zur Behandlung eines Patienten mit Tumortherapiefeldern 128 Punkte / 14,06 Euro 1x im Krankheitsfall*
30311 Zusatzpauschale für Behandlung und/oder Betreuung eines Patienten mit Tumortherapiefeldern 235 Punkte / 25,82 Euro 1x im Behandlungsfall**; im Arztfall nicht neben GOP 13500
30312 Zusatzpauschale für Entscheidung über Ausrichtung von Tumortherapiefeldern zur Behandlung des Glioblastoms 65 Punkte / 7,14 Euro bis zu 3x im Behandlungsfall**

Die Geräte zur Anwendung der TTF verordnen Vertragsärzte auf dem Formular 16 „Verordnung von Hilfsmitteln“. Sie geben darauf die Bezeichnung der Hilfsmittelleistung „Optune“ an. Der Patient reicht die Verordnung zunächst bei seiner Krankenkasse zur Genehmigung ein.

*Krankheitsfall: umfasst vier Quartale

**Behandlungsfall: umfasst ein Quartal

Tumortherapiefelder: Details zur Methode

Bei der Behandlungsmethode werden am Kopf Keramik‐Gelpads angebracht und darüber elektrische Wechselspannungsfelder übertragen, die lokal mit der Mitoseaktivität der Zellen interferieren.
Die nicht invasive Methode kann ambulant erfolgen und in den Alltag des Patienten integriert werden. Sie kann zusätzlich zur Standardtherapie angewendet werden und zielt primär auf die Verlängerung der Gesamtüberlebenszeit.

Zum Einsatz kommen kann die Methode bei Patientinnen und Patienten mit einem neu diagnostizierten Glioblastom, wenn nach Abschluss der Radiochemotherapie keine frühe Krankheitsprogression nachgewiesen wurde. Die Tumortherapiefelder können im Rahmen des Gesamtbehandlungskonzeptes bis zum zweiten Rezidiv angewendet werden.

Tumorkonferenz und Verordnung

Die Erstverordnung erfolgt auf Empfehlung einer interdisziplinären Tumorkonferenz. Hierbei gelten folgende Regelungen hinsichtlich der erforderlichen fachärztlichen Qualifikation.

Tumorkonferenz – Einbeziehung je einer Fachärztin oder eines Facharztes für:

  • Neurologie
  • Neurochirurgie
  • Radiologie
  • Strahlentherapie
  • Innere Medizin und Hämatologie und Onkologie

Verordnung – durch eine Fachärztin oder einen Facharzt für:

  • Neurologie oder
  • Neurochirurgie oder
  • Strahlentherapie oder
  • Innere Medizin und Hämatologie und Onkologie

Eine Folgeverordnung kann ausgestellt werden, sofern kein Verdacht auf ein Rezidiv vorliegt. Bei Verdacht auf ein Rezidiv ist die Indikation zum Einsatz des Verfahrens im Rahmen des Gesamtbehandlungskonzepts durch die interdisziplinäre Tumorkonferenz zu prüfen.

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