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Praxisnachrichten

Mehr Maßnahmen zum Schutz vor Gewalt und Missbrauch - Angepasste QM-Richtlinie in Kraft

26.11.2020 - Um Kinder und Jugendliche oder hilfsbedürftige Personen vor Gewalt und Missbrauch zu schützen, sollen medizinische Einrichtungen entsprechende Maßnahmen vorsehen. Dazu hatte der Gemeinsame Bundesausschuss eine Ergänzung seiner Qualitätsmanagement-Richtlinie beschlossen, die jetzt in Kraft getreten ist.

Die angepasste QM-Richtlinie sieht vor, dass je nach Einrichtungsgröße, Leistungsspektrum und Patientenklientel über das spezifische Vorgehen zur Sensibilisierung des Teams sowie über weitere geeignete Maßnahmen entschieden wird. Dies können Infomaterialien, Kontaktadressen, Fortbildungen, Verhaltenskodizes, Handlungsempfehlungen, Interventionspläne oder umfassende Schutzkonzepte sein.

Prävention und Intervention

Einrichtungen, die Kinder und Jugendliche versorgen, sollen sich nach den Vorgaben der QM-Richtlinie gezielt mit Prävention und Intervention bei (sexueller) Gewalt und Missbrauch befassen. Zudem sollen Kinder und Jugendliche, die von Gewalt betroffen sind, in medizinischen Einrichtungen Unterstützung und Hilfe angeboten bekommen.

Der G-BA hatte mit der Anpassung auch die Empfehlung des Unabhängigen Beauftragten für Fragen des sexuellen Kindesmissbrauchs aufgegriffen, in Einrichtungen und Organisationen wie Schulen, Kitas oder Sportvereinen wirksame Schutzkonzepte zu entwickeln, um sexuelle Gewalt gegen Kinder und Jugendliche zu verhindern und Betroffenen zu helfen.

Informationen für Praxen

Die KBV stellt zu den Themen Intervention bei häuslicher Gewalt und Kindesmissbrauch ein vielfältiges Angebot für Ärzte und Psychotherapeuten auf ihrer Themenseite im Internet bereit. Dazu zählen unter anderem ein Qualitätszirkelmodul, eine Online-Fortbildung sowie Arbeitsmaterialien (siehe Übersicht unten).

Interventionen bei häuslicher Gewalt, sexuellem Missbrauch und Kindesmissbrauch: Informationsangebote

Kontaktdaten und Informationsmaterial

Eine Übersicht mit Kontaktdaten sowie bundesweiten und regionalen Hilfsangeboten finden Interessenten auf der Internetseite der KBV. Dort stehen auch Infomaterialien und Arbeitshilfen bereit.

Themenseite

Online-Fortbildung: Kinderschutz

Die Aufklärung und Prävention von Missbrauch an Kindern und Jugendlichen unterstützt die KBV unter anderem mit Fortbildungsangeboten für niedergelassene Ärzte und Psychotherapeuten. Sie sind häufig die erste Anlaufstelle für Betroffene sexueller Gewalt.

Thema der Fortbildungen ist die Entwicklung von Schutzkonzepten gegen Gewalt an Kindern für die vertragsärztliche Praxis. Schutzkonzepte dienen dazu, Risikofaktoren für Kindesmissbrauch zu erkennen. Andererseits sollen sie verhindern, dass die ambulante Praxis selbst zum Tatort wird.

Fortbildungsportal der KBV

Qualitätszirkel-Modul der KBV: Häusliche Gewalt

Ärzte sind häufig erster Ansprechpartner für Opfer häuslicher Gewalt. Die Thematisierung im Qualitätszirkel hilft, daraus resultierende schwierige Situationen im Praxisalltag besser bewältigen zu können.

Im Mittelpunkt der Zirkelarbeit stehen die Vermittlung von Hintergrundwissen, zum Beispiel zu den unterschiedlichen Formen häuslicher Gewalt, das Erkennen häuslicher Gewalt („Red Flags“), eine ergebnisorientierte Ansprache Betroffener, die rechtssichere Dokumentation sowie regionale Unterstützungsangebote.

Das Modul enthält praktische Übungen. Eine Checkliste unterstützt im Praxisalltag.

Modul Möglichkeiten der Intervention bei häuslicher Gewalt (PDF)
Moderationsmedien (zip-Ordner)

Initiativen des Unabhängigen Beauftragten für Fragen des sexuellen Kindesmissbrauchs

„Kein Raum für Missbrauch“ 

Die Initiative „Kein Raum für Missbrauch“ hat zum Ziel, dass alle Einrichtungen und Organisationen in Deutschland wie Schulen, Kindertagesstätten, Heime, Sportvereine, Praxen, Kliniken und Kirchengemeinden ebenso wie Anbieter von Kinder- und Jugendreisen Schutzkonzepte zur Prävention und Intervention einführen. Auf der Website gibt es neben Informationen auch Materialien zur Unterstützung der Initiative – zum Beispiel Plakate und Flyer.

Website "Kein Raum für Missbrauch"
Online-Shop "Kein Raum für Missbrauch"

„Kein Kind alleine lassen“: Schwerpunkt Coronakrise

Auf der Website www.kein-kind-alleine-lassen.de können Interessierte Flyer und Plakate, unter anderem mit Adressen von Beratungsstellen, herunterladen und ausdrucken (weitere Formate sind auf Anfrage an kontakt@kein-kind-alleine-lassen.de jederzeit erhältlich). 

Daneben gibt es einen Info-Bereich speziell für Kinder und Jugendlichen sowie für Erwachsene mit Hinweisen zur Soforthilfe in Zeiten von Corona.

Website „Kein Kind alleine lassen“
Online-Shop „Kein Kind alleine lassen“

Hilfetelefon Sexueller Missbrauch

Das „Hilfetelefon Sexueller Missbrauch“ ist die bundesweite, kostenfreie und anonyme Anlaufstelle für Betroffene von sexueller Gewalt, für Angehörige sowie Personen aus dem sozialen Umfeld von Kindern, für Fachkräfte und für alle Interessierten.

Zur Auslage im Wartezimmer gibt es Klappkarten mit der Telefonnummer des Hilfetelefons Sexueller Missbrauch sowie kostenfreie Broschüren (per E-Mail bestellen: mail@nina-info.de).

Website des Hilftelefons

Hilfeportal zu sexuellem Missbrauch

Das „Hilfeportal Sexueller Missbrauch“ bietet neben Informationen zum Thema sexueller Missbrauch auch eine Datenbank mit Hilfsangeboten vor Ort.

Die KBV ruft alle Ärzte und Psychotherapeuten dazu auf, sich kostenfrei einzutragen, wenn sie Hilfe für Betroffene anbieten können.

Website des Hilfeportals
Registrierung für Ärzte und Psychotherapeuten

Medizinische Kinderschutzhotline: Arbeitshilfe Schwerpunkt Coronakrise

Die Medizinische Kinderschutzhotline stellt Fachkräften im Gesundheitswesen eine kostenlose Arbeitshilfe zur Verfügung. Diese soll die Beratung von Familien erleichtern, die durch die Pandemie und die damit verbundenen Maßnahmen besonderen Belastungen ausgesetzt sind. 

Die Arbeitshilfe und eine extra Karte für Eltern stehen zum Download verfügbar (siehe unten) oder können in gedruckter Form per E-Mail bestellt werden: kinderschutzhotline.KJP@uniklinik-ulm.de.

Zusätzlich bietet die Kinderschutzhotline an, bei Bedarf weitere Arbeitshilfen zu schicken, um so Fachkräfte im Gesundheitswesen mit Informationen zu unterstützen. 

Unverändert steht die Hotline rund um die Uhr telefonisch für Beratungen unter 0800 19210 00 zur Verfügung.
 

Website der Kinderschutzhotline
Kitteltaschenkarte zum Thema Covid-19 Für Fachkräfte (PDF)
Karte zum Thema Covid-19 für Eltern (PDF)

Qualitätsmanagement

Das Qualitätsmanagement (QM) unterstützt die Praxisleitung und das Team dabei, Arbeitsabläufe zu strukturieren, Verantwortlichkeiten festzulegen und Risiken frühzeitig zu erkennen. Ziel ist es, alle Tätigkeiten konsequent an fachlichen, gesetzlichen und vertraglichen Grundlagen auszurichten – und sich dabei möglichst nah an den Bedürfnissen von Patienten und Mitarbeitenden zu orientieren. So kann für alle Beteiligten eine größtmögliche Sicherheit und Zufriedenheit erreicht werden.

Vertragsärzte und Vertragspsychotherapeuten sind seit 2004 gesetzlich verpflichtet, ein sogenanntes einrichtungsinternes Qualitätsmanagement einzuführen und weiterzuentwickeln (§ 135a SGB V). In der QM-Richtlinie des Gemeinsamen Bundesausschusses sind die Ziele, Grundsätze, Instrumente sowie Anwendungsbereiche inklusive des Zeitrahmens für eine Einführung und Weiterentwicklung festgelegt. Beim Aufbau eines internen QM-Systems helfen unter anderem Qualitätsmanagement-Verfahren wie QEP, KPQM, KTQ oder EPA.

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