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Psychotherapeutische Versorgung in der Gruppe wird ausgebaut

26.11.2020 - Zur Förderung der Gruppenpsychotherapie wird ein neues niedrigschwelliges Versorgungsangebot eingeführt: die Gruppenpsychotherapeutische Grundversorgung. Außerdem dürfen künftig bestimmte Gruppensitzungen auch zu zweit geleitet werden. Diese und weitere Neuerungen hat der Gemeinsame Bundesausschuss beschlossen.

Damit soll die Gruppentherapie in der psychotherapeutischen Versorgung einen höheren Stellenwert erhalten. Denn obwohl sie genauso hilfreich sein kann wie eine Einzeltherapie, bestehen oftmals Vorbehalte, teilte der Gemeinsame Bundesausschuss (G BA) zu seinem Beschluss mit.

Die Neuerungen werden voraussichtlich bis Mitte 2021 eingeführt, da der Beschluss zunächst vom Bundesministerium für Gesundheit geprüft wird und bei neuen Leistungen der EBM anzupassen ist.

Neues niedrigschwelliges Versorgungsangebot in der Gruppe

Die Gruppenpsychotherapeutische Grundversorgung ist ein neues niedrigschwelliges Angebot für psychisch Kranke. Damit können Versicherte vor einer Richtlinien-Psychotherapie für sich selbst prüfen, ob eine Gruppentherapie für sie infrage kommt. Außerdem können hier Hemmschwellen abgebaut, Gruppenfähigkeiten aufgebaut und an einer ersten Symptomlinderung gearbeitet werden. Hierzu nutzen die Therapeutinnen und Therapeuten psychotherapeutische Interventionen aus den anerkannten Psychotherapieverfahren und -methoden.

Die Gruppenpsychotherapeutische Grundversorgung kann im Anschluss an die Sprechstunde bis zu viermal je Krankheitsfall mit jeweils 100 Minuten durchgeführt werden (oder achtmal 50 Minuten). Um den niedrigschwelligen Zugang abzusichern, hat der G-BA kein Anzeige- oder Antragsverfahren bei der Krankenkasse vorgesehen.

Eine weitere Neuerung ist, dass probatorische Sitzungen auch in der Gruppe erfolgen können. Bisher sind probatorische Sitzungen ausschließlich im Einzelsetting möglich.

Gruppensetting zu zweit leiten

Der G-BA hat außerdem beschlossen, dass Richtlinien-Gruppentherapie ab sechs Patientinnen beziehungsweise Patienten auch zu zweit geleitet werden kann. Einer von beiden ist dabei für jedes Gruppenmitglied „hauptverantwortlich“. Die gemeinsame Durchführung kann laut G-BA praxisübergreifend organisiert werden.

Durch die gemeinsame Leitung kann der fachliche Austausch intensiviert werden und in kritischen Situationen verschiedene Perspektiven eingebracht werden, was den Gruppenprozess für die Patienten insgesamt befördern kann.

Weitere Neuerungen

Zu den weiteren Neuerungen gehört, dass Gruppensitzungen nicht mehr standardmäßig 100 Minuten umfassen müssen, sondern auch in 50-Minuten-Schritten durchgeführt werden können. Die wichtigsten Neuerungen hat die KBV in einer Übersicht zusammengefasst (siehe Infokasten).

Vereinfachungen im Gutachterverfahren

Neu ist auch, dass neben der Richtlinien-Gruppentherapie auch die Kombinationsbehandlung aus überwiegend Gruppen- und Einzeltherapie nicht mehr regelhaft begutachtet werden muss. Mit seinem Beschluss stellt der G-BA aber auch klar, dass eine Begutachtung in Einzelfällen in allen Settings weiterhin zulässig ist, zum Beispiel bei Überschreitung der Kontingentgrenzen.

Gruppenangebote: Wichtige Neuerungen

Zur Förderung der Gruppentherapie hat der Gemeinsame Bundesausschuss am 20. November mehrere Neuerungen beschlossen. Diese werden voraussichtlich bis Mitte 2021 eingeführt, da der Beschluss zunächst vom Bundesministerium für Gesundheit geprüft wird und aufgrund neuer Leistungen der EBM anzupassen ist.

Gruppenpsychotherapeutische Grundversorgung

  • Gänzlich neues Versorgungsangebot für psychisch Kranke
  • Niedrigschwellige psychotherapeutische Intervention, Vorbereitung auf Gruppenpsychotherapie, erste Symptomlinderung
  • Erwachsene: bis zu 4 Einheiten à 100 Minuten (400 Minuten) je Krankheitsfall (oder 8 x 50 Minuten)
  • Kinder- und Jugendliche / Menschen mit geistiger Behinderung bei Einbezug von Bezugspersonen: bis zu 100 Minuten je Krankheitsfall zusätzlich möglich (oder 2 x 50 Minuten)
  • Keine Anrechnung auf nachfolgende Kontingente der Richtlinien-Psychotherapie

Probatorische Sitzungen im Gruppensetting

  • Ausweitung der Probatorik auf Gruppensitzungen
  • Erwachsene: bis zu 4 Therapieeinheiten je Krankheitsfall, maximal 3 Therapieeinheiten im Gruppensetting
  • Mit vorheriger Sprechstunde: bis zu 3 Therapieeinheiten à 100 Minuten je Krankheitsfall (oder 6 x 50 Minuten)
  • Ohne vorherige Sprechstunde: bis zu 2 Therapieeinheiten à 100 Minuten je Krankheitsfall (oder 4 x 50 Minuten)
  • Kinder und Jugendliche / Menschen mit geistiger Behinderung: bis zu 6 Therapieeinheiten je Krankheitsfall, maximal 5 Therapieeinheiten im Gruppensetting
  • Mit vorheriger Sprechstunde: bis zu 5 Therapieeinheiten à 100 Minuten je Krankheitsfall (oder 10 x 50 Minuten)
  • Ohne vorherige Sprechstunde: bis zu 4 Therapieeinheiten à 100 Minuten je Krankheitsfall (oder 8 x 50 Minuten)

Gemeinsame Leitung der Richtlinien-Gruppentherapie

  • Psychotherapeutische Gruppensitzung kann zu zweit geleitet werden, auch praxisübergreifend
  • Einer beziehungsweise eine von beiden ist dabei für ein jeweils fest zugeordnetes Gruppenmitglied „hauptverantwortlich“, beispielsweise für die schriftliche Dokumentation
  • Gruppengröße bei gemeinsamer Leitung: mindestens 6 bis zu 14 Patientinnen beziehungsweise Patienten
  • Pro Therapeutin oder Therapeut: mindestens 3 bis zu 9 Patientinnen beziehungsweise Patienten

Richtlinien-Gruppentherapie zeitlich flexibler

  • Gruppentherapie in allen Verfahren auch in 50-minütigen Sitzungen (Standard: 100 Minuten)
  • Gesamtsitzungszahl vermehrt sich entsprechend

Vereinfachung im Gutachterverfahren

  • Gruppentherapie und Kombinationsbehandlung mit überwiegend Gruppentherapie sind von der regelhaften Begutachtung ausgenommen

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