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Praxisnachrichten

Corona-Schutzimpfung: Priorisierung aus Arztpraxen fernhalten

09.12.2020 - Die Praxen der niedergelassenen Ärzte dürfen nicht zum zentralen Ort von Entscheidungen und Diskussionen darüber werden, wer vorrangig geimpft werden soll. Das erklärte heute Dr. Stephan Hofmeister, stellvertretender Vorstandsvorsitzender der KBV. Damit bezog er Stellung zum Entwurf einer Coronavirus-Impfverordnung des Bundesgesundheitsministeriums.

„Eine Priorisierung darf nicht in den Arztpraxen erfolgen. Weder die Auslastung in den Praxen durch die Patientenversorgung noch die epidemiologische Lage lässt es zu, die Praxen mit dem millionenfachen Ausstellen von Impfberechtigungen zu belasten. Es ist daher zwingend erforderlich, dass die derzeit vorliegende Impfverordnung in diesem Punkt konkretisiert wird“, sagte Hofmeister.

Impfempfehlung der STIKO

Er begrüßte es, dass die Ständige Impfkommission (STIKO) nun eine erste Empfehlung zur Priorisierung ausgesprochen hat. „Dies ist ein wichtiger erster Schritt. Wenn dann die Menge der vorhandenen Impfstoffdosen steigt und insbesondere einfachere Lagerungsbedingungen bestehen, ist es angezeigt, die Impfungen von Zentren in die Arztpraxen zu verlagern. Spätestens bis dahin sollte die STIKO ihre Empfehlungen ergänzt haben“, führte er aus.

Nachbesserungen bei Priorisierung erforderlich

Ebenfalls dringend nachgebessert werden müsse die Einordnung des Personals des ambulanten Notdienstes und der vertragsärztlichen Praxen als prioritär zu impfende Kohorte. Insbesondere bei der Behandlung von unbekannten Patienten, deren Vorgeschichte und Diagnosen man nicht kenne, sei ein erhebliches Infektionsrisiko gegeben. „Ein drohender Ausfall von ambulantem Notdienst und Praxen hätte katastrophale Auswirkungen auf den Verlauf der Pandemie“, erklärte Hofmeister.

Priorisierung über Rechtsverordnung des BMG

Experten rechnen noch für dieses Jahr oder für Anfang 2021 mit ersten Zulassungen für einen Impfstoff gegen SARS-CoV-2 und die dadurch ausgelöste Erkrankung COVID-19 in Deutschland.

Die Teilnahme an der Impfung ist freiwillig. Aufgrund der zunächst nur begrenzt zur Verfügung stehenden Impfstoffdosen ist eine Priorisierung vorgesehen, welche Personengruppen zuerst geimpft werden sollen. Diese Priorisierung wird über eine Rechtsverordnung des Bundesministeriums für Gesundheit (BMG) unter Berücksichtigung der Impfempfehlung der STIKO vorgenommen. Ein Entwurf für die STIKO-Empfehlung ist kürzlich ins Stellungnahmeverfahren mit den Fachgesellschaften gegangen.

Die Impfung erfolgt zunächst in Impfzentren. Zudem soll es mobile Impfteams geben, beispielsweise für Pflegeheime. Steht zu einem späteren Zeitpunkt ausreichend Impfstoff zur Verfügung, soll die Impfung wie bei anderen Impfstoffen über die Vertragsarztpraxen verabreicht werden können.

Entwurf für die COVID-19-Impfempfehlung der STIKO

Dem Entwurf für die COVID-19-Impfempfehlung der STIKO zufolge soll die Impfung zunächst Personengruppen angeboten werden, die ein besonders hohes Risiko für schwere oder tödliche Verläufe einer COVID-19-Erkrankung haben oder die beruflich entweder besonders exponiert sind oder engen Kontakt zu vulnerablen Personengruppen haben. Dies sind laut Entwurf folgende Personengruppen:

  • Bewohner und Bewohnerinnen von Senioren- und Altenpflegeheimen
  • Personen im Alter von 80 Jahren und älter
  • Personal mit besonders hohem Expositionsrisiko in medizinischen Einrichtungen (z.B. in Notaufnahmen, in der medizinischen Betreuung von COVID-19-Patienten und -Patientinnen)
  • Personal in medizinischen Einrichtungen mit engem Kontakt zu vulnerablen Gruppen
  • Pflegepersonal in der ambulanten und stationären Altenpflege
  • Andere Tätige in Senioren- und Altenpflegeheimen mit Kontakt zu den Bewohnern und Bewohnerinnen

Diskussion zur Corona-Schutzimpfung mit Bundesgesundheitsminister Jens Spahn

Aufzeichnung der Live-Diskussion vom 5. Dezember mit Bundesgesundheitsminister Jens Spahn, RKI-Präsident Prof. Lothar H. Wieler und PEI-Präsident Prof. Klaus Cichutek. Ärztinnen und Ärzte konnten im Vorfeld ihre Fragen einreichen. Es ging u.a. um Zulassung, Nebenwirkungen und die Frage, wo geimpft wird.

EMA-Webinar zu COVID-19-Impfstoffen

Am Freitag, 11. Dezember, wird die Europäische Arzneimittel-Agentur (European Medicines Agency EMA) ein Web-Seminar veranstalten, in dem sie über das Zulassungsverfahren zu den COVID-19-Impfstoffen informiert. Das Seminar ist öffentlich und wird live im Internet gezeigt.

Vorbereitungen für Corona-Impfung laufen

Was ist bisher über das Vorgehen bei der Corona-Impfung bekannt?

Dr. Stephan Hofmeister, stellvertretender Vorstandsvorsitzender der KBV:
"Ja, wir wissen, dass vermutlich zwei, möglicherweise drei Impfstoffe wahrscheinlich Anfang des Jahres in noch nicht bekannter Menge nach Deutschland kommen. Vorbereitungen für die Verimpfung laufen. Wir wissen auch, dass die Impfstoffe, die zuerst auf den Markt kommen, die zuerst zu uns kommen, hohe Anforderungen an die Logistik stellen, zum Beispiel Lagerung bei -70 Grad und Transport bei -70 Grad, Mehr-Dosen-Behältnisse und eine Zubereitung des Impfstoffs, die gemacht werden muss. Das sind natürlich alles Dinge, die für eine etwas komplexe Anfangslogistik sprechen."

Wie sollte der Impfstoff verteilt werden?

Dr. Stephan Hofmeister, stellvertretender Vorstandsvorsitzender der KBV:
"Es gibt ja verschiedene Möglichkeiten. Wir haben definitiv vorgeschlagen, dass man nur Kohorten aufruft, in einer Anzahl, wie auch Impfstoff vorhanden ist, um den Run und den Wettkampf, geimpft zu werden, möglichst überschaubar zu halten. Das würde heißen, wenn identifizierbare Kohorten wie z.B. Ärzte und Pflegepersonal, Pflegepersonal in Alten- und Seniorenheimen, sonstige Risikogruppen geimpft werden nacheinander, dann ist relativ klar, wer gemeint ist. Es muss klare, identifizierbare Kohorten geben, für die dann auch ausreichend Impfstoff für 2 Impfungen zur Verfügung steht. Denn es muss ja am Tag 1 und dann am Tag 21 oder 28 das zweite Mal geimpft werden, um Impfschutz zu erreichen."

Sind sie mit den Empfehlungen der STIKO einverstanden?

Dr. Stephan Hofmeister, stellvertretender Vorstandsvorsitzender der KBV:

"Ja, es ist auf jeden Fall ein Schritt in die richtige Richtung. Wir sind etwas erschrocken oder deutlich erschrocken darüber, dass die Vertragsärzte und auch der vertragsärztliche ambulante Notdienst nicht priorisiert ist dort, nicht deutlich priorisiert ist. Das ist möglicherweise nur vergessen worden. Denn insbesondere die Ärzte, Hausärzte, Kinderärzte, aber auch die Notdienste sind ja wirklich die Frontline in der ganzen Sache und haben mit Patienten zu tun, die reinkommen, von denen wir noch gar nicht wissen, was sie haben und erst im Dialog und im weiteren Verlauf dann klar wird, ist das potenziell Corona, d. h. sie sind ausgesprochen exponiert und gleichzeitig auch Multiplikatoren, das heißt, die wiederum ja auch andere kranke Menschen behandeln. Und deswegen gehören die auf jeden Fall auch in diese Gruppe der zuerst zu Impfenden."

Was bedeutet die aktuelle Priorisierung für die Arztpraxis?

Dr. Stephan Hofmeister, stellvertretender Vorstandsvorsitzender der KBV:

"Je ungenauer die Priorisierung ist, je unpräziser oder je mehr auf bestimmte sogenannte schwere Fälle rekurriert wird, muss ja etabliert werden, wer ist ein solcher schwerer Fall. Und das würde heißen, dass in jedem Einzelfall möglicherweise dann ein Arzt entscheiden muss, ist dieser Mensch schwer genug krank, um tatsächlich priorisiert geimpft zu werden. Das darf nicht passieren. Die Impf-Priorisierung darf nicht in die Arztpraxen verlagert werden. Das ist dort nicht zu leisten. Das ist nicht zu leisten aus Zeitgründen. Das ist aber auch nicht zu leisten aus ethischen Gründen, solange es zu wenig Impfstoff gibt. Wenn es Impfstoff gibt, der wie z.B. Grippe-Impfstoff in den Praxen verfügbar ist, der dort gelagert werden kann, von dem es Nachschub gibt und es gibt dann Impf-Empfehlungen der STIKO, so wie z.B. bei Grippe oder bei anderen Impf-Krankheiten oder Impfstoffen. Auch dann kann in den Praxen natürlich geimpft werden und dann kann dort auch vor Ort mit dem jeweils vorhandenen Patienten über die Impfung gesprochen und aufgeklärt und auch entsprechend die Impf-Beratung und die Impf-Einteilung gemacht werden."


Sollten Praxen eine Impf-Berechtigung ausstellen?

Dr. Stephan Hofmeister, stellvertretender Vorstandsvorsitzender der KBV:

"Die Ausstellung einer Impf-Berechtigung, die darf überhaupt nicht in die Praxen gehen, das haben wir auch von Anfang an gefordert. Das ist eine absolut sinnlose Aktion, weil es hier ja darum geht, das millionenfach - Die Kanzlerin hat gesagt, 30 bis 40 Millionen Menschen könnten potenziell als Risikogruppe klassifiziert werden - das heißt, es würde jetzt millionenfach an die Ärzte herangetreten werden, telefonisch oder in sonstiger Form, um ein solches Attest zu bekommen. Das würde die Praxen fluten. Die Ärzte würden nichts anderes mehr zu tun haben als zu telefonieren, müssten dann diskutieren mit dem Patienten, ob tatsächlich in dem Fall die Indikation so ist, wie sie der Patient sieht oder ob der Arzt vielleicht sagt, naja, so schlimm ist es bei ihnen gar nicht. Dann kann man am Ende noch drüber diskutieren. Dann müssten diese Atteste eingetütet und per Brief an den Patienten geschickt werden. Wenn man Krankheiten und Alter zusammennimmt, dann kann z.B. eine gesetzliche Krankenkasse, die ja die Diagnosen vorliegen hat, ohne weiteres in Serienbriefen - Krankenkassen sind Verwaltungen, die können sowas. - die Patienten anschreiben, die ein gewisses Alter haben und mit bestimmten Krankheiten beim Arzt gewesen sind. Das könnte wunderbar ein Einladungssystem über die Krankenkassen sein. Die Praxen haben kranke Menschen zu versorgen und sind keine Post-Ident-Stellen. Das heißt also, dieses Thema kann technisch nicht in die Praxen. Es kann aber auch ethisch nicht in die Praxen. Die Priorisierung und die Attestierung einer Impf-Berechtigung in den Arztpraxen hat dort nichts zu suchen."

Wie sollen die Impf-Termine vergeben werden?

Dr. Stephan Hofmeister, stellvertretender Vorstandsvorsitzender der KBV:

"Naja, die Bevölkerung ist ja noch nicht aufgerufen und wie gesagt, solange es nicht ausreichend Impfstoffe gibt, kann man auch nicht aufrufen, denn das gibt ein Riesengedränge, um dann ganz vielen zu sagen: "Wir können sie noch nicht impfen!" Sondern man kann im Grunde erst dann aufrufen, wenn klar ist, wir haben genug Dosen für die Gruppe, die man aufruft. Wenn man jetzt sagt, man impft zuerst Alten- und Pflegeheim-Bewohner und die entsprechenden Mitarbeitenden dort, Krankenhausärzte und Personal und Personal in Arztpraxen, dann hab ich eine Zahl, dann weiß ich, wer das ist. Die sind klar zu identifizieren, die muss niemand aufrufen. Da muss niemand Termine machen, weil das institutionell gemacht wird. Da wird im Krankenhaus geimpft, im Altenpflegeheim geimpft, da kann man Termine machen. Wenn dann die Bevölkerung an sich aufgerufen wird und wir immer noch komplexen Impfstoff haben und wenig Impfstoff, der nur in Zentren verimpft werden kann. Dann müssten klar identifizierbare Gruppen aufgerufen werden, also z.B. Jahrgänge, die dann zum Impfen Termine bekommen. Die technische Terminvergabe, da gibt es ein Angebot, das über einen eTerminservice der KBV, durch die KBV organisiert zu machen. Das haben wir technisch vorbereitet. Zurzeit gibt es aber aus den Ländern noch keine ausreichenden Meldungen, um sagen zu können, dass das nachher auch wirklich funktioniert. Viele Bundesländer haben eigene Systeme oder etablieren eigene Systeme, zum Teil sogar auf Kreisebene. Das ist noch nicht klar, wie dann die Terminvergabe am Ende wirklich erfolgen wird."

Womit rechnen Sie in Bezug auf die Impfung?

Dr. Stephan Hofmeister, stellvertretender Vorstandsvorsitzender der KBV:

"Ja, ich glaube, für uns alle ist klar, dass die Impfung ein ganz, ganz wesentlicher Schritt zurück zur Normalität sein wird, ein Schritt, nicht der Schritt, aber ein Schritt. Deswegen ist auch unser Interesse, dass wir im Sinne aller so schnell und so sicher wie möglich so viele Menschen wie möglich impfen. Dazu gehört eine Aufklärung, dazu gehört ein sauberes Zulassungsverfahren, eine gute Organisation. Und wir Vertragsärztinnen und Vertragsärzte stehen natürlich bereit. Die KVen stehen bereit. Die KBV steht bereit, die Länder bei der Aufgabe - es ist ja Länder-Aufgabe - zu unterstützen. Das ist überhaupt keine Frage. Wir hoffen, dass man auf unseren Rat hört. Denn wie jedes Jahr, wir verimpfen jedes Jahr über 20 Millionen Impfdosen ganz geräuschlos. Das heißt, wir können das. Wir machen das im ambulanten Gesundheitssystem, sobald die Impfdosen verfügbar und vor allem sobald sie in den Praxen verfügbar sind. Das wird den ganzen Prozess massiv vereinfachen. Und wir stehen bereit. Wir sind da. Wir sagen aber auch, wo die Grenzen des organisatorisch Machbaren sind."

Erste Hersteller von Corona-Impfstoffen haben einen Zulassungsantrag in der EU gestellt. In Deutschland laufen die Vorbereitungen, um den Impfstoff schnell und sinnvoll in der Bevölkerung zu verteilen. Was dabei aus Sicht der Niedergelassenen zu beachten ist, erläuter Dr.Stephan Hofmeister, stellvertretender Vorstandsvorsitzender der KBV.

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