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Praxisnachrichten

Bestimmung des fetalen Rhesusfaktors voraussichtlich ab Juni 2021 Kassenleistung

10.12.2020 - Die vorgeburtliche Bestimmung des fetalen Rhesusfaktors bei Rhesus-negativen Schwangeren wird Kassenleistung. Der Beschluss des Gemeinsamen Bundesausschusses ist in Kraft getreten. Jetzt hat der Bewertungsausschuss sechs Monate Zeit, den EBM anzupassen.

Der nicht invasive Pränataltest zur vorgeburtlichen Bestimmung des fetalen Rhesusfaktors bei Rhesus-negativen Schwangeren wurde im August in die Mutterschafts-Richtlinien aufgenommen (die PraxisNachrichten berichteten). Durch diese Anpassung soll künftig jeder Rhesus-negativen Schwangeren mit einer Einlingsschwangerschaft die Bestimmung des fetalen Rhesusfaktors angeboten werden.

Die vorgeburtliche Rhesusfaktorbestimmung ermöglicht nun eine gezielte Anti-D-Prophylaxe für Schwangere mit einem Rhesus-positiven Feten, denn nur bei diesen besteht das Risiko einer Sensibilisierung der Mutter.
Die medizinisch unnötige Gabe von Blutprodukten (Anti-D-Immunglobulin) an Rhesus-negative Schwangere, die ein Rhesus-negatives Kind erwarten, kann somit vermieden werden.

Inkrafttreten des Beschlusses

Der Beschluss des G-BA ist am 24. November in Kraft getreten. Der Bewertungsausschuss hat nun sechs Monate Zeit, die Vergütung festzulegen. Erst danach haben gesetzlich versicherte Schwangere Anspruch auf die Untersuchung. 
 

Qualifikation zur fachgebundenen genetischen Beratung

Der Rhesusfaktor stellt ein sogenanntes „Normalmerkmal“ ohne Krankheitswert für die betroffene Person dar. Gleichwohl handelt es sich um eine genetische Untersuchung auf genetische Eigenschaften beim Ungeborenen, die den Vorgaben des Gendiagnostikgesetzes (GenDG) für vorgeburtliche genetische Untersuchungen unterliegt. Es gilt der Arztvorbehalt. 

Hinweis: Ärztinnen und Ärzte, die eine „Qualifikation zur fachgebundenen genetischen Beratung“ erwerben möchten, können sich an ihre Landesärztekammer wenden.
 

Fachliche Voraussetzungen

Die genetische Beratung bei nicht invasiven Pränataltests (NIPT) darf nur durch Gynäkologinnen und Gynäkologen erfolgen, die über eine entsprechende Qualifikation für diese Beratung gemäß GenDG und den Richtlinien der Gendiagnostik-Kommission verfügen. 

Dafür sind 72 Fortbildungseinheiten und eine dazugehörige praktisch-kommunikative Qualifizierungsmaßnahme erforderlich (vgl. Abschnitt VII der Richtlinie Genetische Beratung).

Hiervon unberührt bleiben die bereits vorhandenen Beratungsqualifikationen von folgenden Fachgruppen:
Fachärztin oder Facharzt für Humangenetik, Ärztin oder Arzt mit der Zusatzbezeichnung Medizinische Genetik sowie Frauenärztin oder Frauenarzt, die ihre Bescheinigung „fachgebundene genetische Beratung“ beispielsweise im Rahmen einer Übergangsregelung bis zum 10. Juli 2016 erworben haben. 

Seit Ablauf der Übergangsregelung wird der direkte Zugang zur Wissenskontrolle für die fachgebundene genetische Beratung nur noch solchen Ärztinnen und Ärzten ermöglicht, die nach Anerkennung zur Fachärztin bzw. zum Facharzt mindestens fünf Berufsjahre nachweisen können.

Die Qualifikation zur fachgebundenen genetischen Beratung im Kontext vorgeburtlicher Risikoabklärung ist für eine vorgeburtliche genetische Untersuchung wie einen NIPT nicht ausreichend. 
 

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