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Praxisnachrichten

Weitere Erkrankungen für die ambulante spezialfachärztliche Versorgung beschlossen

17.12.2020 - Der Gemeinsame Bundesausschuss hat heute zwei neue Indikationen in die ambulante spezialfachärztliche Versorgung aufgenommen. Damit können künftig auch Patienten mit Kopf- oder Halstumoren und Patienten mit bestimmten neuromuskulären Erkrankungen in dem interdisziplinären Versorgungsbereich behandelt werden.   

Besonderer Krankheitsverlauf: Kopf- oder Halstumoren

Das Team zur Diagnostik und Behandlung von Patienten mit Hals- oder Kopftumoren muss sich – wie bei allen onkologischen Erkrankungen in der ambulanten spezialfachärztlichen Versorgung (ASV) – aus ambulanten und stationären Ärzten zusammensetzen.

Die Teamleitung kann ein Facharzt für Hals- Nasen-Ohrenheilkunde, Mund-Kiefer-Gesichtschirurgie, Hämatoonkologie oder Strahlentherapie übernehmen. Diese Fachgruppen bilden auch das Kernteam.
Sollen auch Patienten mit Schilddrüsen- oder Nebenschilddrüsentumoren im Team behandelt werden, sind zusätzlich ein Facharzt für Viszeralchirurgie, Nuklearmedizin und Endokrinologie im Kernteam vorgesehen.

Der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) gibt in der neuen Anlage 1.1a Tumorgruppe 6 zur ASV-Richtlinie zudem sächliche und organisatorische Anforderungen vor. Dazu gehören unter anderem Mindestmengen: So muss das ASV-Team pro Jahr mindestens 70 Patienten behandeln. Darüber hinaus gelten arztbezogene Mindestmengen analog zur Onkologie-Vereinbarung.

Seltene neuromuskuläre Erkrankungen

Patienten, die an einer seltenen neuromuskulären Erkrankung leiden, können künftig in der ASV von spezialisierten Teams aus Neurologen, Kardiologen und Pneumologen behandelt werden.

Konkret geht es dabei um die Behandlung ausgewählter Erkrankungen aus dem neuromuskulären Formenkreis wie Spinale Muskelatrophie, Amyotrophe Lateralsklerose, Polyneuritis, Dermatomyositis-Polymyositis, Myasthenia gravis oder auch verschiedene Myopathiesyndrome.

Um an der ASV teilnehmen zu können, muss das Kernteam pro Jahr mindestens 50 Patienten mit Verdachts- beziehungsweise gesicherter Diagnose behandeln.

Zudem muss eine 24-Stunden-Notfallversorgung einschließlich einer intensivmedizinischen Behandlung möglich sein sowie eine Zusammenarbeit mit sozialen Diensten, Physiotherapie und ambulanten Pflegediensten zur häuslichen Krankenpflege. Die Details sind in der neuen Anlage 2d zur ASV-Richtlinie geregelt.

Ministerium prüft zunächst Beschlüsse

Das Bundesgesundheitsministerium hat jetzt zunächst zwei Monate Zeit, die Beschlüsse des G-BA vom 17. Dezember 2020 zu prüfen. Erst mit Veröffentlichung im Bundesanzeiger können interessierte Ärzte ihre Teilnahme als ASV-Team beim erweiterten Landesausschuss anzeigen und nach Erhalt der Berechtigung mit der Behandlung beginnen.

ASV-Indikationen

In der ASV können aktuell Patienten mit den folgenden Erkrankungen behandelt werden:

Besonderer Krankheitsverlauf

  • Tumoren der Lunge und des Thorax
  • Hauttumoren
  • Urologische Tumoren
  • Rheumatologische Erkrankungen
  • Gynäkologische Tumoren
  • Gastrointestinale Tumoren / Tumoren der Bauchhöhle

Seltene Erkrankungen

  • Sarkoidose
  • Hämophilie
  • Ausgewählte seltene Lebererkrankungen
  • Morbus Wilson
  • Mukoviszidose
  • Pulmonale Hypertonie
  • Marfan-Syndrom
  • Tuberkulose

Geplant für 2021

Für 2021 sind im Gemeinsamen Bundesausschuss zwei Krankheitsgruppen mit besonderen Krankheitsverläufen zur Ausgestaltung als Anlage zur ASV-Richtlinie vorgesehen:
Tumoren des Gehirns und der peripheren Nerven und chronisch entzündliche Darmerkrankungen.

 

ASV: Interdisziplinär in Praxen und Kliniken

Die ambulante spezialfachärztliche Versorgung ist ein Versorgungsbereich für Patienten, die an einer seltenen oder schweren Erkrankung mit besonderem Krankheitsverlauf leiden. Interdisziplinäre Teams aus Praxis- und Klinikärzten übernehmen die ambulante hochspezialisierte Behandlung.

Wie der Versorgungsbereich funktioniert, regelt die ASV-Richtlinie des Gemeinsamen Bundesausschusses. In den Anlagen werden die allgemeinen Regeln für jede ASV-Indikation konkretisiert.

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